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Gesellschaft

Schwurbeln statt tanzen im Pasadena

Das umstrittene Freedom Festival wird im «Pasadena» durchgeführt. Dafür verantwortlich ist ein illustrer Massnahmenskeptiker.

Früher war das Pasadena ein beliebtes Tanzlokal. Hier eine Innenaufnahme von 2017.

Foto: PD

Schwurbeln statt tanzen im Pasadena

Umstrittenes Festival in Volketswil

Das Pasadena in Volketswil ist Austragungsort des umstrittenen Freedom Festivals. Gemeindepräsident Jean-Philippe Pinto gibt sich gelassen.

Im Pasadena in Volketswil weht ein neuer Wind. Der Thurgauer Daniel Stricker hat sich dort eingenistet. Bei Schweizer Impfgegnern und Corona-Verharmlosern ist er zu einer führenden Figur aufgestiegen.

Innerhalb dieser verschworenen Gemeinschaft mag man ihn – und er gefällt sich selber auch in seiner Rolle: Seine Sendung heisst «Stricker TV», sein Buch «Strickerbuch», und das Pasadena hat er kurzerhand in «Strickers Freiheit» umgetauft.


> > HIER GEHTS ZUM INTERVIEW MIT DANIEL STRICKER


Dort soll auch das Freedom Festival am kommenden Wochenende stattfinden, das der 53-Jährige in einem Video als Winnetou verkleidet zur Basis der Freiheit erkürt.

Die Veranstaltung hat kürzlich in der Berner Gemeinde Münsingen für Schlagzeilen gesorgt, wo das Festival auf einem Gelände eines Bauern stattfinden sollte. Doch dieser machte einen Rückzieher, worauf die Veranstalter einen neuen Standort suchen mussten und diesen nun also in den Räumen des ehemaligen Volketswiler Tanzlokals gefunden haben.

Deutscher mit Kontakt zur Reichsbürgerszene

Auf dem zweitägigen Programm stehen unter anderem mehrere Podiumsdiskussionen: «Wie wichtig ist heutzutage innerer Frieden und Neutralität?», «Wieso Bargeld sinnvoll ist und erhalten bleiben sollte» oder «Braucht es Bürgergenossenschaften als Safe Space?». Diese Bezeichnungen versprechen eine ausgewogene Debatte, doch die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf dem Podium kommen jeweils aus dem gleichen Lager, und das Publikum dürfte auch unter seinesgleichen bleiben.

Ob solche Anlässe insgesamt positiv sind für die Gemeinde, muss jeder selber beurteilen.

Jean-Philippe Pinto (Die Mitte)

Gemeindepräsident

Mit dabei ist etwa der ehemalige Dübendorfer Gemeinderat Patrick Jetzer von Aufrecht, der Partei, die aus den Massnahmengegnern entstanden ist. Ausserdem konservative Politiker wie Josef Ender, der dem Aktionsbündnis Urkantone angehört. Dieses ist ebenfalls im Zug der Pandemie entstanden und stellte sich gegen die Corona-Massnahmen.

Auch Gastgeber Daniel Stricker hat einen Auftritt. Am Podium mit dem Namen «Können in einer Cancel Culture Brücken geschlagen werden?» ist er als Winnetou angekündigt.

Freiheitstrychler, Libertäre Partei oder Atlas-Initiative werden als Partner aufgeführt. Letztere gründete der Deutsche Markus Krall. Mit ihm nimmt eine äusserst umstrittene Figur an einem Podium teil. Krall werden Verbindungen zu den Reichsbürgern nachgesagt, wie das deutsche Onlineportal «Die Zeit» jüngst aufdeckte.

Und mit Nicolas Rimoldi, Präsident der Bürgerbewegung Mass-voll, hat der Anlass auch einen gehörigen Touch Rechtsextremis bekommen. Denn der Nationalratskandidat hat jüngst in Österreich mit Rechtsextremen demonstriert und Adolf Hitlers Geburtsort besucht. 

Eine Frage der Sicherheit für die Gemeinde

Unbeeindruckt von dieser staatskritischen Versammlung auf Volketswiler Boden gibt sich Gemeindepräsident Jean-Philippe Pinto (Die Mitte). «Es ist kein Anlass, der die öffentliche Sicherheit gefährdet. Die Abteilung Sicherheit sowie die Kantonspolizei stufen den Anlass als friedlich und störungsfrei ein – nur darum geht es.» Bei der Einschätzung habe sich die Gemeinde auf die Angaben der Kantonspolizei gestützt, bei der verschiedenste Organisationen unter Beobachtung stünden.  

Einziges Risiko in einem solchen Fall wäre eine Demonstration gegen den Anlass, was er nicht erwarte. Zudem werde die Gemeindepolizei im Rahmen ihrer Tätigkeit eine Patrouille stellen. 

Da der Event auf privatem Gelände stattfinde, brauche es grundsätzlich auch keine Bewilligung. Die Veranstalter hätten sich aber freiwillig bei der Gemeinde gemeldet, was lobenswert sei. 

Pilgerort für staatskritische Veranstaltungen?

Das Freedom Festival soll laut Daniel Stricker nur der Auftakt solcher Veranstaltungen in Volketswil sein. Bereits hat er weitere angekündigt und terminiert.

Wird die Gemeinde nun zum schweizweiten Treffpunkt für Personen, die sich gegen das Solidaritätsprinzip der Alters- und der Gesundheitsversorgung aussprechen, wie es etwa Vertreter der Libertären Partei tun?

Politisch will sich Pinto nicht zum Freedom Festival oder zu kommenden Events im ehemaligen Pasadena äussern, er sagt jedoch: «Ob solche Anlässe insgesamt positiv sind für die Gemeinde, muss jeder selber beurteilen.»

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