Schirmplatanen sorgen für Schatten vor der KZO
Dank spezieller «Erziehung»
Die Platanen auf dem Aula-Vorplatz der Kantonsschule Wetzikon sorgen während des Sommers für angenehme Kühlung und sind ein wichtiger Teil der Geschichte der KZO.
Im fünften Teil unserer Baumserie geht es für einmal nicht nur um eines, sondern gleich um 24 Exemplare. Der Name dieser Baumart darf wohl gut und gerne als etwas gemein interpretiert werden: die Bastard-Platane.
Oder wissenschaftlich: Platanus x hispanica. Die Engländer waren der Baumgattung einst wohl etwas wohlgesonnener und benannten sie London plane. So viel zu den allgemeinen Namensgebungen der Platane.
Bei den Bastard-Platanen vor der KZO handelt es sich um eine in der Baumschule speziell gezogene Sorte der Gattung – die Dach- oder Schirmplatane.
Von der «Jugend» an geformt
Die Schirmplatanen auf dem Aula-Vorplatz sind deshalb besonders, da sie ab früher «Jugend» mit Holzkreuzen in der Baumkrone versehen beziehungsweise in diese gezwungen wurden.
Nur deshalb erreichen sie eine Art Dachform, die sie von herkömmlichen Platanen unterscheidet. Allerdings kommt dieser «Bastard» ohne diese «Erziehung» in der Natur nicht vor.

Dennoch weisen sie, obwohl sie zugeschnitten sind, einen einigermassen natürlichen Habitus auf. Lässt man eine Platane frei wachsen, so entwickelt sich ihre Form jedoch erheblich anders.
Ein Beispiel dafür ist die riesige Platane vor dem Restaurant Krone in Oberwetzikon. Oder die noch viel mächtigeren Exemplare in Südfrankreich um die Dorfplätze und Pétanque-Arenen.
Teil des KZO-Erweiterungsbaus
Die KZO wurde 1957 eröffnet und 1966 mit der Aula erweitert. Diese gilt bis heute aus architektonischer und denkmalpflegerischer Sicht als ein bekanntes Objekt.
«Nicht allen gefiel der minimalistische Stil, aber er war für die 1960er Jahre typisch und mit dieser Anlage für viele andere Gartenanlagen tongebend», sagt Uwe Scheibler vom Naturschutzverein Wetzikon-Seegräben.
Die Gesamtanlage, wie sie sich heute präsentiert, ist das Ergebnis der Zusammenarbeit des Architekten Max Ziegler (1921–2012) und des Gartenarchitekten Ernst Cramer (1898–1980). «Die Formensprache des Landschaftsarchitekten Ernst Cramer hat sich damals zu einem europaweiten gartenarchitektonischen Vorbild entwickelt.»
Beim Aula-Vorplatz mit den zur selben Zeit gepflanzten Platanen handle es sich deshalb um ein gartenarchitektonisches Denkmal ersten Ranges. Die Stadt Wetzikon hat denn diesen Platanenbestand auch in das Inventar der schützenswerten Objekte aufgenommen.

Der Ursprung
Die Bastard-Platane, die zu den Lichtbaumarten zählt, ist das Produkt einer Kreuzung aus Nordamerika (Platanus occidentalis) sowie aus dem östlichen Mittelmeergebiet (Platanus orientalis). Erstmals wurde sie wohl um 1650 in Mitteleuropa gezüchtet und wurde seither vegetativ weitervermehrt.
Seit je werden die Platanen weltweit in gemässigten Breiten und im mediterranen Gebiet gerne als Stadtbäume, Ziergehölze oder Parkbäume angepflanzt. Im Gegensatz zum Elternteil aus dem Mittelmeergebiet ist der «Bastard» aus Ost und West sehr winterhart.
Die grössten Exemplare erreichen während ihres Lebens im urbanen Raum eine Höhe von maximal 30 bis 40 Metern und werden dabei durchschnittlich höchstens 200 Jahre alt. Die «kurze» Lebensdauer ist genetisch bedingt.
Die älteste bekannte Platane, die vor der Kathedrale in Clermont-Ferrand stand, erreichte ein Alter von 300 Jahren. Im Vergleich zu anderen Bäumen wie Linden oder Eichen, die gut und gerne 800 Jahre und älter werden, ist die Lebensdauer von Platanen also deutlich geringer.
Dafür kommen sie mit nährstoffarmen und trockenen Böden gut aus, obwohl ihre «Eltern» aus eher feuchten Gebieten stammen. Da Platanen schadstoffbelastete Luft nicht zu schaffen macht, eignen sie sich hervorragend als Stadtbäume.
Für ihr Wachstum ist einzig entscheidend, dass sie in der Lage sind, eine Symbiose mit einem Wurzelpilz zu bilden.
Für wen und was die Platanen gut sind
Was den Nutzen der Platanen betrifft, so sorgen die unzähligen Bäume auf dem Aula-Vorplatz im Sommer für eine gewisse Kühlung des gesamten Platzes. Im Vergleich zur Asphaltfläche der Bühlstrasse bedeutet dies an heissen Tagen eine Temperaturminderung von bis zu 10 Grad Celsius.
In der Biodiversitätsskala erreicht diese Baumart hingegen nur 1,6 von 5 Punkten und liegt damit mit der Scheinakazie und dem Blauglockenbaum gleichauf. Dennoch ist die Art für viele Kleinpilze und Käfer von Bedeutung. Tauben, Krähen und Greifvögeln dienen ihre Baumkronen als Nistplätze.
«Die dekorativen Blätter und die phantasievoll geformte Rinde der mittlerweile 60 Jahre alten Baumstämme haben schon ganze Generationen von Schülerinnen und Maler zu zahlreichen Kunstwerken inspiriert», sagt Scheibler. Ein Spaziergang zum Aula-Vorplatz auf dem Bühl lohne sich in mehrfacher Hinsicht.
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