Wetzikon hat keine KV-Schule mehr – und manche Lehrer keinen Job
Nach Integration in BFSU Uster
Jetzt kommt doch alles anders: Schüler der Wirtschaftsschule KV Wetzikon drücken bald die Schulbank in Uster. Auch ein Teil des Lehrpersonals hat das Nachsehen.
Die kaufmännische Grundbildung am Standort Wetzikon ist vorerst Geschichte. Nachdem der Betrieb der Wirtschaftsschule KV Wetzikon (WKVW) in die Berufsfachschule Uster (BFSU) integriert wurde, findet der Unterricht ab nächstem Schuljahr nur noch in Uster statt.
Das war ursprünglich anders geplant gewesen. Im vergangenen Winter teilte der Kaufmännische Verein Wetzikon-Rüti mit, dass er den Leistungsauftrag für die Wirtschaftsschule KV Wetzikon an den Kanton zurückgebe.
Dafür nannte er wirtschaftliche Gründe. Den Unterricht am bisherigen Standort in Wetzikon organisiere deshalb künftig die BFSU, schrieb der Verein damals.
Stark beschäftigt mit KV-Reform
Wieso kommt es nun anders? «Da der Kaufmännische Verein den Leistungsauftrag sehr kurzfristig zurückgegeben hat, mussten innert kurzer Frist Lösungen gefunden werden», sagt Esther Schaffner. Sie ist Kommunikationsbeauftragte des kantonalen Mittelschul- und Berufsbildungsamts.
Aktuell sei die BFSU mit der Umsetzung der KV-Reform stark beschäftigt. «Gleichzeitig noch den alten KV-Standort in Oberwetzikon zu betreiben, wäre eine grosse Belastung für die Schule», meint Schaffner.
Die BFSU konnte für die kommenden zwei Jahre zusätzlichen Schulraum in Uster anmieten. «Somit kann sie vorläufig ihre Energie auf einen Standort konzentrieren.»
In zwei Jahren könnten jedoch wieder Klassen den Unterricht in Wetzikon besuchen, und zwar im Scheller-Areal beim Bahnhof. «Die entsprechende Detailplanung ist Teil eines derzeit laufenden Projekts», teilt Schaffner mit.
Anschlusslösung für 16 von 20
Im kommenden Schuljahr haben die Schülerinnen und Schüler der Wirtschaftsschule KV Wetzikon nicht nur einen neuen Schulort. Zum Teil ändern auch ihre Lehrpersonen. «Die Mitarbeitenden der WKVW wurden im Dezember 2022 darüber informiert, dass eine Übernahme durch die Berufsfachschule angestrebt wird», sagt Schaffner. Die personelle Situation müsse jedoch zunächst genau analysiert werden.
Die WKVW musste alle Mitarbeitenden der Schule aus rechtlichen Gründen zunächst entlassen. Von den 20 betroffenen Mitarbeitenden haben gemäss Schaffner 16 Mitarbeitende in der Zwischenzeit eine andere Anstellung gefunden. Die übrigen Mitarbeitenden nehmen teilweise eine Auszeit oder gehen in Pension.
Die BFSU ist ein neuer Arbeitgeber, wir können nicht einfach Leute übernehmen, es muss für beide Seiten passen.
Sabine Wettstein
Präsidentin der Schulkommission BFSU
Sabine Wettstein, die Präsidentin der Schulkommission der BFSU, betont, dass die Berufsfachschule ein normales Auswahlverfahren durchgeführt hat. «Wir haben die Lehrpersonen der WKVW, die sich bei uns beworben haben, zu einem Gespräch eingeladen.»
Es sei von Anfang an klar gewesen, dass es keine Übernahmegarantie gebe. «Die BFSU ist ein neuer Arbeitgeber, wir können nicht einfach Leute übernehmen, es muss für beide Seiten passen.»
Besonders wichtig war der Schulkommission die KV-Reform, die in Uster ab diesem Jahr umgesetzt wird. «In Wetzikon war man noch nicht so weit, und wir wollten sicher niemanden einstellen, der gegen die Reform ist.» Die formalen Qualifikationen gebe ohnehin der Kanton vor.
Keine falschen Hoffnungen
Nicht alle Lehrpersonen, die sich beworben hatten, erhielten an der BFSU eine neue Stelle. Noch letztes Jahr hatte der Kaufmännische Verein Wetzikon-Rüti aber geschrieben: «Es ist vorgesehen, dass die Lehrpersonen und das übrige Personal der WKVW von der BFSU übernommen werden.»
Die abschliessende Entscheidungskompetenz lag stets in Uster.
Jörg Kündig
Präsident der Schulkommission WKVW
Hat man dem Personal Hoffnungen gemacht, die nicht eingehalten werden? Dieser Darstellung widerspricht Jörg Kündig, der Präsident der Schulkommission der WKVW. «Wir haben uns selbstverständlich für eine gute Lösung fürs Personal eingesetzt», betont er.
«Doch die BFSU hat von Anfang an klargemacht, dass sich die Lehrpersonen neu bewerben müssen.» Eine Stellengarantie habe es nie gegeben. «Die abschliessende Entscheidungskompetenz lag stets in Uster.» Dies hätten die Lehrpersonen Anfang Jahr in einem Konvent erfahren.
Da die Mitarbeitenden der Wirtschaftsschule dem kantonalen Personalgesetz unterstehen, hat der Regierungsrat kürzlich einen Sozialplan verabschiedet.
Mitarbeitenden, die ihre Kündigung erhalten haben, steht unter Umständen eine Abfindung zwischen zwei und acht Monatslöhnen zu. Für Personen, die eine neue Stelle gefunden haben, wird diese Leistung um die Hälfte des neuen Einkommens gekürzt.
