So steht es um die Waldbrandgefahr im Oberland
Trockenheit und Hitze
Der grosse Waldbrand im Wallis sorgt für Verunsicherung. Ein Brandfachexperte des Kantons erklärt, wie sich die Lage in der Region gestaltet.
Eine Fläche so gross wie 140 Fussballfelder. Was das Wallis Anfang Woche erlebte, kennt man sonst nur aus Ländern im Süden, wie Spanien, Italien oder Griechenland. Plötzlich loderte am Montagabend ein grosses Feuer im Wald am Riederhorn bei Bitsch.
Experten sagen, die Schweiz könnte künftig häufiger von solchen Grossbränden betroffen sein. Doch wie sieht die Situation in der Region aus?
Im Kanton Zürich wird die Trockenheit im Wald vom Amt für Landschaft und Natur zusammen mit dem Bund beurteilt. Erich Good ist der kantonale Experte für Wald-, Wild- und Naturgefahren.
Herr Good, könnte das derzeitige Extremszenario im Wallis unter gegebenen Umständen auch hier im Oberland drohen?
Erich Good: Die hohe Intensität des derzeitigen Waldbrands im Oberwallis ist auf die Kombination von Wind, Topografie, Wetter und brennbarem Material zurückzuführen. Eine solche Kombination ist im Zürcher Oberland nicht ausgeschlossen, aktuell aber wesentlich weniger wahrscheinlich. Mit dem Klimawandel wird sich das Waldbrandrisiko aber auch bei uns akzentuieren.
Wie trocken sind die Wälder im Oberland?
Die Situation im Zürcher Oberland ist vergleichbar mit dem Rest des Kantons. Die sonst oft auftretenden regionalen Unterschiede sind aktuell wenig ausgeprägt. Seit Mitte Mai hat es im ganzen Kanton im Vergleich mit anderen Jahren wenig geregnet. Deshalb gilt seit Mitte Juni im Kanton Zürich mit der Gefahrenstufe 3 von 5 eine erhebliche Waldbrandgefahr.
Inwiefern haben die Regenfälle der vergangenen Tage für Entlastung gesorgt?
Die in den vergangenen Wochen immer wieder aufgetretenen Niederschläge in Kombination mit Kaltfronten haben einen weiteren Anstieg der Waldbrandgefahr seit Mitte Juni verhindert und die zwischenzeitlich heissen und trockenen Phasen gewissermassen kompensiert. Es ist aber weiterhin Vorsicht geboten.
Es gab gelegentlich schon kleinere Flächenbrände. Wie hoch ist die Gefahr aktuell?
«Erhebliche Waldbrandgefahr» bedeutet gemäss der Gefahreneinstufung des Bunds: Brennende Streichhölzer und Funkenflug eines Grillfeuers können einen Brand entfachen. Auch Blitzschläge können Flächenbrände auslösen. Der Kanton Zürich hat deshalb eine Mahnung zu sorgfältigem Umgang mit Feuer im Wald und in Waldesnähe ausgesprochen.
Wie sieht die Situation im Hinblick auf Feuerwerke am 1. August aus?
Vorhersagen sind bei der aktuellen Wetterlage mit grossen Unsicherheiten behaftet. Der kantonale Forstdienst beobachtet die Situation aufmerksam und beurteilt die Waldbrandgefahr regelmässig neu. Bei Bedarf wird er mit einer Herauf- oder Herabsetzung der Waldbrandgefahrenstufe und entsprechenden Massnahmen reagieren. Wichtig ist hierbei: Der kantonale Forstdienst kann grundsätzlich nur ein Feuerverbot im Wald und in Waldesnähe aussprechen. Für ein allfälliges generelles Feuerverbot im Freien sind die einzelnen Gemeinden zuständig.
Generell gilt der Kanton Zürich laut Erich Good nicht als «Waldbrandkanton». Die Kantone mit dem höchsten Gefahrenpotenzial sind das Tessin, Wallis und Graubünden. Der letzte grössere Waldbrand im Kanton Zürich liegt beinahe 100 Jahre zurück. 1925 brannte der Stadtwald von Zürich-Leimbach.
So können Waldbrände verhindert werden:
Feuerverbote unbedingt einhalten.
Sich über die lokale Gefahrensituation informieren, wenn man ein Feuer macht.
Bei starken und böigen Winden auf Feuer im Freien unbedingt verzichten.
Brennende Zigaretten und Zündhölzer nie wegwerfen.
Beim Grillieren fest eingerichtete Feuerstellen verwenden.
Feuer laufend überwachen und allfälligen Funkenwurf sofort löschen.
Feuerstellen und deren Umgebung nur im absolut gelöschten Zustand verlassen.
Feuerwerkskörper nur an Orten mit ausdrücklicher Bewilligung abfeuern.