Bezirk Hinwil

Bezirk Pfäffikon

Bezirk Uster

Tösstal

Themen

Specials

Services

ZO Portale

Abo

Gesellschaft

«Das Spektakel ist immer im Dienst der christlichen Botschaft»

Der Kirchentag in Wetzikon bietet mehr als nur Gottesdienste. Doch für die Veranstalter steht dabei immer ein Thema im Vordergrund.

Daniel Stoller-Schai (links) und Daniel Egli in der Eishalle in Wetzikon. Dort finden viele Veranstaltungen am Kirchentag statt.

Foto: Bettina Schnider

«Das Spektakel ist immer im Dienst der christlichen Botschaft»

Kirchentag in Wetzikon

Hip-Hop-Konzert oder doch lieber ein stilles Gebet? Am Kirchentag in Wetzikon haben die Besuchenden eine grosse Auswahl. Für das OK zeigt das die Breite der Kirchen.

Es sind vier Tage im Zeichen der Kirche. Am Donnerstag beginnt der Kirchentag in Wetzikon. Bis zum Sonntag finden in der Stadt verschiedene Veranstaltungen statt, erwartet werden Tausende Besucherinnen und Besucher.

Den Anlass organisiert der Verein Aktion Kirchen Züri Oberland. Im OK sitzen auch dessen Vereinspräsident Daniel Stoller-Schai und Vize Daniel Egli.

Freikirchen, Reformierte und Katholische Gemeinden stehen hinter dem Kirchentag in Wetzikon. Wie schafft man es, die Unterschiede zu überwinden und an einem Strick zu ziehen?

Daniel Egli: Wir versuchen den Fokus auf die Gemeinsamkeiten zu legen, und dort sind wir alle gleich. Jesus Christus ist der Erretter und Erlöser. Und da sind wir uns einig. Wir haben zu lange darüber diskutiert, was uns trennt. Nun suchen wir das Verbindende. Und das wollen wir auch der Gesellschaft mitteilen.

Daniel Stoller-Schai: Der reformierte Pfarrer Matthias Walder aus Hinwil sagt immer: «Wir müssen das feiern, was uns verbindet, und das diskutieren, was uns trennt.» Und das funktioniert. Wir haben 40 Gemeinden und zahlreiche Einzelmitglieder, die beteiligt sind. Und wir feiern das, was uns verbindet. Deshalb lautet auch das Motto des Kirchentags: «Christus, die Hoffnung der Welt».

Wir wollen miteinander erleben, was Glaube heisst.

Daniel Stoller-Schai

Präsident Verein Aktion Kirchen Züri Oberland

Erst letzte Woche hat die Reformierte Landeskirche verkündet, dass sie Pfarrstellen streichen muss, weil der Mitgliederschwund anhält. Sie feiern jetzt ein viertägiges Festival. Ist das nicht ein Widerspruch?

Stoller-Schai: Nein, das ist kein Widerspruch. Natürlich treten auf der einen Seite Leute aus der Kirche aus, aber das christliche Leben, gerade auch im Zürcher Oberland, ist sehr aktiv. Die Zusammenarbeit zwischen Christinnen und Christen ist uns ein zentrales Anliegen. 2018 kamen rund 5000 Leute an den Kirchentag, dieses Jahr erwarten wir 5000 bis 7000 Leute.

Sie bieten ihnen ein Programm mit unterschiedlichen Veranstaltungen. Wie macht man heute Kirche?

Egli: Es gibt viele Versuche, wie man Kirche inszenieren kann. Was bei den einen funktioniert, zieht andernorts keine Leute an. Wir wollen authentisch sein – und suchen den Austausch mit der Politik und der Wirtschaft. Deshalb finden am Kirchentag auch diverse Podien statt.

Stoller-Schai: Der Kirchentag zeigt die Breite und das Spektrum des kirchlichen Lebens. Das geht von Gottesdiensten und Gebeten, einem Marktplatz über Podien bis zu verschiedenen Konzerten. Auch Kunst und Tanz haben Platz.

Egli: Das bildet auch einfach die Breite der Gesellschaft ab. Viele meinen vielleicht, gewisse Dinge wie Kunst haben in der Kirche keinen Platz, aber das stimmt nicht.

Zu den Personen

Daniel Stoller-Schai ist Vereinspräsident der Aktion Kirchen Züri Oberland. Er ist Inhaber einer Firma und war von 2010 bis 2022 Präsident der Reformierten Kirchgemeinde Bäretswil.

Daniel Egli ist Vizepräsident des Vereins. Er leitet die Freikirche Vineyard in Hombrechtikon.

Sie bieten viel Spektakel. So tritt beispielsweise die christliche Hip-Hop-Gruppe O’Bros in der Eishalle auf. Kommt da nicht die Religion zu kurz?

Stoller-Schai: Auf keinen Fall. Die Religion spielt am Kirchentag hier in Wetzikon vermutlich eine grössere Rolle als an anderen Kirchentagen. Der christliche Glaube wird auf vielfältige Weise thematisiert. Wir wollen miteinander erleben, was Glaube heisst. Das Spektakel ist immer im Dienst der christlichen Botschaft.

Egli: Die Aussenwirkung können wir natürlich nur bedingt beeinflussen. Wir wollen auch die Lebensfreude zelebrieren – mit Tanz, Gesang und so weiter. Das schliesst natürlich nicht aus, dass das von aussen als reine Show wahrgenommen wird.

Stoller-Schai: Es gibt so viele Veranstaltungen, alle können aussuchen, wie sie den Kirchentag erleben möchten. Man kann vier Tage im Gebetsteam verbringen, dann hat man einen eher ruhigen Kirchentag. Andere suchen die lauten Showelemente, und die dürfen auch Platz haben. Es ist cool, gibt es die lauten und die stillen Momente.

Man sieht die Eishalle in Wetzikon, darin wird eine Bühne aufgebaut.
In der Eishalle in Wetzikon finden Gottesdienste statt – und auch ein Hip-Hop-Konzert. Anfang Woche wurde die Bühne aufgebaut.

Das Programm ist breit, und so sind vermutlich auch die Ansichten der teilnehmenden Gemeinden. Gibt es da Tabuthemen, die man absichtlich nicht anspricht?

Stoller-Schai: Ich habe vor Kurzem ein gutes Zitat gefunden. «Ökumene heisst das Eigene bei den anderen besser erkennen.» Das ist auch das Ziel von Veranstaltungen wie dem Kirchentag. Genau so, wie Menschen unterschiedlich sind, haben sie unterschiedliche Zugangsformen zum christlichen Glauben.

Egli: Wir haben kürzlich eine gemeinsame Veranstaltung zum Thema Taufe durchgeführt. Reformierte, Angehörige von Freikirchen und Katholiken haben ein unterschiedliches Verständnis davon. Aber am Schluss konnten wir voneinander lernen.

Stoller-Schai: Etwas zu reden gegeben haben ein Podium und ein Referat mit dem Titel «In Hoffnung sterben». Wir fragten uns: Wollen wir das Thema Tod wirklich aufgreifen? Aber ja, das wollen wir, denn es bewegt die Leute.

Dieses Referat ist wie die anderen Veranstaltungen gratis. Wie kann der Verein das Finanzielle stemmen?

Stoller-Schai: Wir erhalten Unterstützungsbeiträge von der reformierten Landeskirche, der katholischen Kirche und der reformierten Kirchgemeinde Wetzikon. Aber der grösste Teil des Budgets kommt von der Basis. Das war auch vor fünf Jahren der Fall. Hinzu kommen rund 300 freiwillige Helferinnen und Helfer aus den beteiligten Gemeinden. Auch die ganze Organisation ist ehrenamtlich.

Mein persönliches Highlight am Kirchentag sind sowieso die Begegnungen mit Menschen.

Daniel Egli

Vizepräsident Aktion Kirchen Züri Oberland

Und wie viel kostet der Kirchentag?

Stoller-Schai: Wir haben ein Budget von gut 370’000 Franken, so, wie vor fünf Jahren. Damals hat das gereicht. Wir können die Ausgaben tief halten, da uns auch viele Unternehmen unterstützen, indem sie ihre Preise für uns reduzieren.

Sie arbeiten ebenfalls freiwillig in der Organisation – auch am kommenden Wochenende. Haben Sie da noch Zeit, den Kirchentag zu geniessen?

Egli: Ich bin tatsächlich von Montag bis Montag eingespannt. Aber mein persönliches Highlight am Kirchentag sind sowieso die Begegnungen mit Menschen. Und diese finden auch jetzt in der Vorbereitung statt.

Stoller-Schai: Vor fünf Jahren wurde ich gefragt: «Hast du nicht bald ein Burn-out?» Und ich entgegnete: «Ich habe ein Burn-in.» Das erwarte ich auch dieses Jahr. Persönlich ist das Referat von Geigenbauer und Autor Martin Schleske eines meiner Highlights. Das findet am Samstag in der Eishalle statt, gleich vor dem Konzert der Hip-Hop-Gruppe O’Bros. Ich freue mich sehr über diese Vielfalt.

Wie viel Missionsgedanke steht hinter einer solchen Veranstaltung wie dem Kirchentag?

Egli: Wir wollen, dass die Menschen mit Christus in Begegnung kommen. Das ist immer Teil vom Kirchentag. Wir machen einen öffentlichen Anlass, den jeder sieht. Das ist immer bis zu einem gewissen Grad missionarisch.

Stoller-Schai: Es geht um die Verkündigung des Evangeliums. Wenn Leute davon angesprochen werden, dann ist das im Sinn und Zweck des Kirchentags. Wir laden einfach ein, es kann kommen, wer kommen will.

Der Kirchentag

Der Kirchentag findet vom 6. bis 9. Juli in Wetzikon statt. Die Eröffnung ist am Donnerstag um 18.30 Uhr in der Eishalle. Im Anschluss wird der Eröffnungsgottesdienst gefeiert.

Am Freitag und Samstag stehen verschiedene Veranstaltungen an verschiedenen Standorten in Wetzikon auf dem Programm. Das genaue Programm findet man auf der Website des Kirchentags 2023.

Am Sonntag findet um 10 Uhr der Festgottesdienst in der Eishalle statt. Im Anschluss gibt es ein Mittagessen auf dem Mattacker-Areal.

Abo

Möchten Sie weiterlesen?

Liebe Leserin, lieber Leser

Nichts ist gratis im Leben, auch nicht Qualitätsjournalismus aus der Region. Wir liefern Ihnen Tag für Tag relevante Informationen aus Ihrer Region, wir wollen Ihnen die vielen Facetten des Alltagslebens zeigen und wir versuchen, Zusammenhänge und gesellschaftliche Probleme zu beleuchten. Sie können unsere Arbeit unterstützen mit einem Kauf unserer Abos. Vielen Dank!

Ihr Michael Kaspar, Chefredaktor

Sie sind bereits Abonnent? Dann melden Sie sich hier an

Digital-Abo

Mit dem Digital-Abo profitieren Sie von vielen Vorteilen und können die Inhalte auf zueriost.ch uneingeschränkt nutzen.

Sind Sie bereits angemeldet und sehen trotzdem nicht den gesamten Artikel?

Dann lösen Sie hier ein aktuelles Abo.

Fehler gefunden?

Jetzt melden.

Kontakt

Inserieren

Abo

Services

Über uns