Dieser Zeller Biobauer will Suppenhühner statt Biogas
Was tun mit alten Legehennen?
Wenn Legehennen nicht mehr genug Eier legen, landen sie meist in der Biogasanlage. Bauer Jan Reichert aus Zell geht einen anderen Weg.
Auf dem Hof von Biobauer Jan Reichert im Ortsteil Garten in der Gemeinde Zell leben 2000 Legehennen. Was zunächst nach viel klingt, ist aber dennoch übersichtlich. «Bei 2000 Hühnern kann ich sicherstellen, dass ich jedes Huhn wenigstens einmal täglich sehe», erklärt der Landwirt.
Damit wisse er, ob es allen Hennen gut gehe. Begleitet würden die Hennen von zwölf Hähnen, so seien die Damen glücklicher, erklärt er.
Als er morgens den Stall öffnet, strömen zahlreiche weisse und braune Hennen in den Freilaufbereich vor dem Stall sowie auf die angrenzende Wiese. Die Sonne scheint, das Gras ist grün, es wird gescharrt und gepickt.
Von Sitzstangen bis Sandbox
So wünscht man sich, dass die Hühner für das eigene Frühstücksei leben. Als ein Greifvogel am Himmel auftaucht, suchen die Hennen Schutz unter extra aufgestellten Unterständen oder unter dem Vordach am Stall. Die Unterstände sind nötig, auch als Schattenspender, da die gepflanzten Bäume im Freilauf noch etwas zu klein sind.
Ein Teil der Hennen bleibt im Stall. Platz ist auch dort genug. Neben ihren Sitzstangen und den Legeboxen zur Eiablage haben sie dort einen Aussenklimabereich.
Es ist hell, zwischendurch regnet es Körner aus der vollautomatischen Fütterungsanlage, damit die Hühner im Innenbereich etwas zum Scharren haben. Ausserdem gibt es mehrere grosse Sandboxen.
Hochsaison Ostern und Weihnachten
Doch die Produktion von Bioeiern für den Grosshandel muss sich rechnen, deshalb ist auch im Biobetrieb der Jahresablauf organisiert.
Jede Henne legt pro Jahr rund 300 Eier. Nach einem Jahr sind die Legehennen durchaus noch in der Lage, Eier zu produzieren, leider nimmt aber die Qualität der Schale dann so sehr ab, dass diese für den Grosshandelsvertrieb schlicht nicht mehr geeignet sind.


Ebenso regelt der Markt die Nachfrage: Ostern und Weihnachten sind Spitzenzeiten für Eierverkäufe, dazwischen ist der Konsum von Eiern geringer. Darauf müssen die Produzenten Rücksicht nehmen; auch wenn es um lebende Tiere geht, ist ein Hof ein Wirtschaftsbetrieb. Für die Hühner bedeutet es, dass nach einem Jahr ihr Ende kommt.
Das Suppenhuhn liegt nicht mehr im Trend
Aber wo landet das Tier anschliessend? Das Fleisch dieser Eier legenden Rassen entspricht nicht dem Fleisch eines Mastpoulets. Brüste und Schenkel sind kleiner, vier Brüstli ergeben ungefähr 250 Gramm Fleisch, bei Mastpoulets wiegt eine einzelne Pouletbrust rund 150 Gramm.
Die Vermarktung von geschlachteten Legehennen ist schwierig. Diese Entwicklung beschäftigt auch Jan Reichert und seine Partnerin Ramona, die ebenfalls auf dem Hof tätig ist.
«Würden alle 2,5 Millionen Mehrpersonenhaushalte in der Schweiz jährlich ein Suppenhuhn essen, landeten alle Hennen nach der Legephase auf dem Teller», ist auf der Website des Branchenverbands Gallo Suisse zu lesen.
Ein Teil der Legehennen wird nach der Schlachtung in Wurstwaren verarbeitet, manche landen tatsächlich als Suppenhühner im Verkauf. Die klassische Hühnersuppe liegt aber heute nicht mehr im Trend. Die übrig gebliebenen Legehennen landen deshalb viel zu oft in Biogasanlagen.
Produzenten und Zulieferer sind gleichermassen interessiert, dass sich dieser Zustand ändert. Auch Landwirt Reichert, der den Biohof 2014 von seinem Vater übernommen hat, hat mit dieser Praxis Mühe.
Direktvermarktung im Hofladen
Er sieht im Fleisch seiner Tiere Potenzial, deshalb versucht er, zumindest einen Teil der Hennen selbst schlachten zu lassen und zu vermarkten. 200 Stück behält er für den Verkauf über seinen eigenen Hofladen, wo auch die Bioeier bezogen werden können. Ab dem 22. Juni sind diese erhältlich.
Das Fleisch muss auch nicht unbedingt zur Hühnersuppe werden. Wenn man online ein wenig recherchiert, finden sich weitere Rezepte, wie zum Beispiel der Pulled-Chicken-Burger. Auch Wienerli, Hamburger oder Fleischkäse von der Legehenne sind im Angebot. In Zukunft würde Reichert sich freuen, dieses Angebot auszubauen. Hier sind allerdings die Konsumenten gefragt.