78 Jahre und kein bisschen leise
Je oller, je doller
RockDJMaese aus Wald hat einige Geschichten auf Lager und betreibt noch immer einen kleinen Plattenhandel. Heavy Metal ist sein Lebenselixier.
In der Gemeinde Wald kennen ihn viele, denn er ist ein «bunter Hund». Auch wenn er vielleicht einmal zu spät kommt, lässt er sich kaum eine Gemeindeversammlung entgehen.
In Wald wohnt er nun seit 1971 – also seit über 50 Jahren. Zu dieser Zeit genossen noch heute weltbekannte Rockbands gerade ihre ersten Höhenflüge. Wenn auch noch nicht in der Schweiz.
«Hier geht eben alles ein bisschen länger, bei der Musik ist das nicht anders», sagt Mäse Blaser und lacht dabei schallend.
Auch er selbst sei schliesslich nicht mehr der Schnellste und kämpfe seit geraumer Zeit mit seinem gekrümmten Rücken. Stillstand ist für ihn aber dennoch keine Option.
Früh mit Musik angefixt
Aufgewachsen ist der mittlerweile betagte DJ mit Jahrgang 1945 in Genf, weshalb er zwei der vier Landessprachen fliessend spricht.
Eines Tages ist sein Vater von der Arbeit als Küchenchef nach Hause gekommen und hat ihm völlig unverhofft eine Mundharmonika – oder, wie Blaser sie nennt, eine «Schnorrägigä» – geschenkt.
Damals war Blaser acht Jahre alt. Von da an war alles, was mit Musik zu tun hatte, sein Anziehungspunkt.

Ohnehin ist seine Familie sehr musikalisch gewesen. «Meine Mutter sang ab und an Opern, spielte Geige und ging regelmässig in den Chor.»
Auch er hat sich in der klassischen Musik probiert, allerdings ohne Erfolg. «Ich hatte einfach nicht das Zeug zum Bariton oder zum Tenor.»
1000 Konzertbesuche
Da ihm das Talent, selbst professionell zu musizieren, etwas fehlte, ging Mäse Blaser alias RockDJMaese schon bald andere Wege und überlegte sich Alternativen, die seinen Weg in der Musikwelt ebnen könnten. Über das Fachwissen der einzelnen Musikrichtungen verfügte er bereits.
Speziell angetan war er von Heavy Metal und war ab den 1970er Jahren stets auf dem neusten Stand, während diese Musikrichtung in der Schweiz damals noch eher wenig Beachtung fand.
«Einfach nur groovy!», schreit Blaser hinaus und mimt dabei einen Rocker, indem er an seiner «Luftgitarre» zupft. Denn wenn es um Musik geht, macht sein Herz Freudensprünge.
1971 reiste er eigens für ein Konzert von Deep Purple nach London. Vom Lebensstil in der Riesenmetropole war er so angetan, dass er gleich drei Monate am Stück blieb.
Dabei versuchte er, sich im Bereich von Rock und Metal alles, was nur möglich war, als Erfahrungsschatz einzuverleiben.
«London war zu dieser Zeit einfach der beste Ort, wenn es um Musik ging.» Dire Straits, Beatles, Deep Purple und alles, was damals plötzlich auf der Bildfläche erschien und ganze Generationen prägte.
Mittlerweile haben sich 1000 Konzertbesuche weltweit in Blasers Lebenslauf angesammelt.
Der Traum von der Disco
Selbst in der Musikszene aktiv zu werden, plante Blaser nicht aktiv. Zufällig kam es dann doch dazu. 1977 arbeitete er in Zizers im Kanton Graubünden bei einer Zügelfirma.
Mit ein paar Kumpels ging es an einem Abend nach Chur, wo sie ganz spontan entschieden, in Chur eine Disco zu eröffnen. «Die Idee schien uns genial, da in Chur damals nicht gerade viel los war», sagt Blaser rückblickend.
Der Traum einer eigenen Disco schwirrte damals schon länger in seinem Kopf herum. Und auch wenn er diesen Traum bis anhin nie aktiv verfolgt hatte, so hatte er schon eine relativ konkrete Vorstellung: «300 bis 400 Leute sollten hineinpassen, denn zu viele Partygäste verderben eher die Stimmung.»
Doch es reichte nicht. Schon kurz nach der Eröffnung der Disco in Chur war der Traum geplatzt.
Nach drei Veranstaltungen hatte nämlich die Musikanlage nicht mehr mitgespielt. Und eine neue zu kaufen, war für ihn damals unerschwinglich.
Dennoch konnte Mäse Blaser durch die kurze Zeit als Disco-Betreiber einige Kontakte in die Musikszene knüpfen. Während all der Jahre seines Lebens versuchte er stets, irgendwie von der Musik zu leben.
So war dies über längere Zeit mit seiner Band Rocky Mountain der Fall, die über den Status einer «Hobbyband» allerdings nie hinauskam.
Oder als Techniker und Koch im Klangmaschinenmuseum Dürnten, wo er von 1997 bis 2008 in leitender Funktion tätig war.
«Während meiner Zeit als Musiker und DJ habe ich bestimmt 200 kleinere Konzerte veranstaltet oder im Volkiland vor zig Leuten Mundharmonika gespielt.»
Mittlerweile lebt RockDJMaese im Altersheim. Seine Liebe zur Musik aber ist ungebrochen.
So hat er seit längerer Zeit ein Zimmer in der Villa Flora an der Rütistrasse 15 in Wald gemietet und nutzt es als Musikatelier. Darin hat er seine Sammlung von CDs, Schallplatten und Abspielgeräten untergebracht.
Dort hat er auch keine Hemmungen, die Anlage mit Hardrock oder Heavy Metal auf dem Plattenspieler voll aufzudrehen.
Hauptsache Spass
«So richtig rentiert dieser Plattenverkauf nicht, den ich in meinem Raum in der Villa Flora und auch online anbiete», sagt Blaser.
Spass habe er dabei aber noch immer. Die Nachfrage für den Einzelhandel von alten Platten vor Ort sei mittlerweile zu gering. «Im Internet werden sogar begehrte Stücke für 20 Franken angeboten.»
Unter www.rockdjmaese.ch finden Sie biografische Informationen zu RockDJMaese, eine Fotogalerie sowie unzählige Lieblingstracks des DJ, die im Streaming-Format zur Verfügung stehen.