In Wald gibt es neuerdings öffentliche Kühlschränke
«Teller statt Tonne»
Die Gemeinde Wald will ein Zeichen setzen. Deshalb stehen seit dem letzten Wochenende zwei öffentliche Kühlschränke im Ort, um die Verschwendung von Lebensmitteln zu reduzieren.
In der Schweiz werden jährlich 2,8 Millionen Tonnen an noch geniessbaren Lebensmitteln weggeworfen. Ein Problem, das die gesamte Bevölkerung betrifft und dem diese selbst mit wenig Aufwand entgegenwirken kann. Die meisten Lebensmittel (28 Prozent) werden nämlich in privaten Haushalten verschwendet.
Entweder werden die noch vorhandenen Lebensmittel schlicht vergessen, falsch gelagert, oder es werden zu viele gekauft, als dass man sie rechtzeitig verwenden könnte. Drastisch formuliert: In der Schweiz werden Lebensmittel weggeworfen, da es sich die Bevölkerung leisten kann.
Zwei von mehr als 120 Kühlschränken
Um das Problem von Food Waste zu minimieren und die Bevölkerung überhaupt zu sensibilisieren, wurde vor zirka zehn Jahren der gemeinnützige Verein Madame Frigo ins Leben gerufen. 2014 wurde er mit dem Social Impact Award ausgezeichnet.
Der Verein bietet der Schweizer Bevölkerung mit Unterstützung von freiwilligen Helferinnen und Helfern inzwischen mit mehr als 120 öffentlichen Kühlschränken eine praktische und sehr einfache Möglichkeit, die eigene Verschwendung von Lebensmitteln zu reduzieren. Zugleich soll das gesellschaftliche Engagement dadurch gestärkt werden, in dem Ortsbewohner gegenseitig ihre Lebensmittel tauschen.
Dies soll nun auch in der Gemeinde Wald gelingen. Seit dem 9. Juni stehen beim Bibliothekgebäude im Dorfzentrum und an der Goldingerstrasse beim Feuerwehrmuseum Laupen zwei öffentliche Kühlschränke.
Es braucht nicht viel
Das Konzept von Madame Frigo braucht, abgesehen von engagierten Personen, nicht viel. Einen geeigneten Standort, Strom und selbstredend einen Kühlschrank. Alle Bewohnerinnen und Bewohner von Wald sind dazu eingeladen, an dem Projekt teilzunehmen.
Die Altersgruppe oder Wohnsituation spielt diesbezüglich keine Rolle. «Jede und jeder kann Teil von Madame Frigo werden und mithilfe des Kühlschranknetzwerks Lebensmittel tauschen», sagt Gemeindeschreiber Martin Süss.
Auf diese Art sollen so viele verderbliche Produkte wie nur möglich eine Verwendung finden und die voreilige Entsorgung vermieden werden.
Keine öffentliche Alkoholstation
Noch stehen die beiden Kühlschränke in Wald weitgehend leer. Dies liegt auch daran, dass die Gemeinde seit vergangenem Frühling zunächst nach Leuten suche musste, die sich dazu bereit erklärten, regelmässig an dem Projekt teilzunehmen. Die beiden Kühlschränke erfordern pro Woche doch etwa zwei Stunden Aufwand, um die Kontrolle und die Sauberkeit zu gewährleisten.
Nun habe man innert kürzester Zeit fünf bis zehn Helferinnen und Helfer gefunden, weshalb es nun darum gehe, die «hungrigen Frigos» zu füllen. Gefragt sind Gemüse, Früchte, nichtalkoholische Getränke sowie verschlossene Produkte, die höchstens das Mindesthaltbarkeitsdatum, nicht aber das Verbrauchsdatum erreicht haben. «Wenige Lebensmittel haben den Weg in die Frigos bereits gefunden, aber wir stecken noch voll in der Anfangsphase», sagt Süss.
Die Gruppe von freiwillig Engagierten führe bereits eine Chatgruppe, in der sie sich regelmässig abspreche. «Es ist immer eine Frage der Anlaufzeit, bis so ein Projekt voll ins Rollen kommt», meint Süss. Das Wechselspiel zwischen den Personen, die etwas vorbeibringen, und denen, die etwas abholen, spiele sich erst nach einem gewissen Zeitraum ein.
Sowohl weltweit als auch in der Schweiz geht über die Lebensmittelkette etwa ein Drittel aller Lebensmittel verloren oder wird weggeworfen. Während in reicheren Ländern ein Grossteil von den Endkonsumenten weggeworfen wird, landet in ärmeren Ländern in den Haushalten sehr wenig im Abfall. In diesen Regionen der Welt sind dafür die Verluste bei der Ernte, in der Lagerung und der Verarbeitung höher, da effiziente Technologien und das nötige Know-how viel geringer vorhanden sind.
Gemäss www.foodwaste.ch gibt ein Schweizer Haushalt durchschnittlich 7 Prozent des Jahreseinkommens für Lebensmittel aus. Nach einer Erhebung des Bundesamts für Statistik (BFS) sind das etwa 636 Franken im Monat. Gleichzeitig wirft eine Person pro Lebensmittel im Wert von 620 Franken weg, die sie zwar gekauft, aber nicht gegessen hat. Unter dem Strich könnte man also jedes Jahr noch einen Monat länger Lebensmittel einkaufen.