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Dieser Baum nimmt es problemlos mit Abgasen und Hitze auf

Niemand beachtet sie und doch steht sie stramm. Diese Schwarzföhre hat während 170 Jahren einiges erlebt.

Die Schwarzkiefer beim Wetziker Stadthaus hat während den letzten 170 Jahren einen stolzen Umfang von 3,3 Metern erreicht

Bild: PD

Dieser Baum nimmt es problemlos mit Abgasen und Hitze auf

Baumserie die Vierte

Im vierten Teil unserer Baumserie stellen wir die Schwarzkiefer beim Wetziker Stadthaus vor. Sie schmückt die Umgebung schätzungsweise seit 1853 und hat eine Höhe von 27 Metern erreicht. Damit überragt sie alle Gebäude in ihrer Umgebung deutlich.

Die Schwarzkiefer hat nichts mit einem Gebiss gemein. Auf französisch wird sie «pin noir» genannt und hat dennoch nichts mit dem berühmten französischen Rotwein am Hut. Ihre wissenschaftliche Bezeichnung lautet: Pinus nigra.

Die österreichische Schwarzkiefer, in unserer Region auch als Schwarzföhre bekannt, wirft speziell schöne Tannzapfen ab.

Ein Exemplar dieses Baumes mit einem beeindruckenden Umfang von 3,3 Metern und einem Durchmesser von 1 Meter, steht in unmittelbarer Nähe des Wetziker Stadthauses an der Bahnhofstrasse 167.

Ein Tannzapfen auf einem grünen Stahltisch.
Die Schwarzkiefer ist dafür bekannt, besonders hübsche Tannzäpfen zu produzieren.

Und obwohl diese Schwarzkiefer bei den meisten Passanten kaum Beachtung findet, prägt sie das Strassenbild im Raum Oberwetzikon. Auch im Winter, da es sich wie bei der Föhre um einen immergrünen Nadelbaum handelt. «Es gibt wohl kaum einen so grossen und für jedermann ständig präsenten Baum in unserer Stadt, der gleichzeitig derart unbekannt ist», sagt Uwe Scheibler vom Naturschutzverein Wetzikon Seegräben.

Hohe Belastbarkeit

Gepflanzt wurde die Schwarzkiefer beim Bau der Villa Billeter wohl im Jahr 1853. Dieses Wohnhaus wechselte mehrmals die Besitzer und wurde ab 1926 zum damals neuen Gemeindehaus umfunktioniert. Heute ist es als «Altes Gemeindehaus» bekannt.

Die Schwarzföhre war damals als Ziergehölz für grössere Gartenanlagen in ganz Mitteleuropa «en vogue», erklärt Scheibler.

Bis es diese Schwarzföhre im Jahr 2014 zu einem Eintrag ins Stadtinventar als schützenswertes Objekt schaffte, hatte sie schon einiges erlebt und ertragen müssen. Und tut dies auch heute noch.

Erstaunlicherweise hat die Föhre alle Veränderungen auf dem Areal während der letzten 170 Jahre unbeschadet überstanden. Mitunter den Neubau des Stadthauses in den Jahren 1981/82. Auch den Abgang der benachbarten Parkbäume in den 1960er Jahren sowie den der gleichaltrigen Blutbuche im Jahre 2014 hat die Schwarzföhre gut verkraftet.

Bäume prägen ein Bild eines Strassenabschnitts.
So sah die Gegend rund um die Schwarzkiefer in den 80er Jahren aus.

Bemerkenswert ist das deshalb, da die Föhre durch das Verschwinden anderer Bäume weniger Unterstützung bei der Aufnahme der Abgase und Hitze hat. Pro Tag fahren schliesslich bis zu 17'000 Fahrzeuge an ihr vorbei. Deshalb wird die Schwarzföhre in Gartenbauämtern als «industriefest» bezeichnet und gerne an Strassen gepflanzt.

Vieles miterlebt

Fest steht: Die Schwarzföhre beim Stadthaus ist eine wichtige Zeitzeugin. Der Baum hat die «Erhebung» von Wetzikon zu einer Stadt im Jahr 1960 miterlebt. Dann jedoch auch die Herabstufung zu einer blossen Ortschaft, weil die statistische Kategorie für eine Stadt neu mit 20'000 Einwohnern definiert wurde. 2007 war es dann allerdings wieder soweit: Wetzikon wurde erneut der Stadtstatus verliehen.

«Für die Föhre ist es vielleicht ein Glücksfall, dass die Passanten den Baum überhaupt nicht wahrnehmen», sagt der Landschaftsplaner Scheibler. Sonst wäre vielleicht der einen oder dem anderen die Idee in den Kopf gestiegen, dem Baum jährlich 2 Kilogramm Harz abzuzapfen, wie es in der Region der Wetziker Partnerstadt Badolato noch bis ins 18. Jahrhundert praktiziert wurde. Aus dem Rohharz gewann man damals Kolophonium (als Geigenharz und für Lötpaste) und Terpentin.

In vielen Bereichen nützlich

Generell erreichen Schwarzföhren eine Höhe von 30 bis 40 Metern. Hin und wieder kann es sein, dass sie sogar die 50 Meter Marke knacken. Was die Lebensdauerbetrifft, so liegt diese bei rund 500 Jahren, was für das Exemplar beim Stadthaus bedeutet, noch viele Jahre vor sich zu haben. Vielleicht kann sie sogar den Rekord von 800 Jahren erreichen, falls man die Föhre auch künftig in Ruhe lässt.

Chancen dafür gibt es nämlich durchaus, da die Föhre mit nährstoffarmen und trockenen Böden gut zurechtkommt. Ihr Pfahlwurzelsystem erlaubt ihr das. Was sie wohl auch bezüglich des Klimawandels mehr und mehr bedeutsam machen wird. Ihre dicke und zugleich dekorative Borke macht sie für Extremtemperaturen ziemlich unempfindlich.

Ein Baum, ein Stadthaus, Strassenverkehr und Passanten während eines sonnigen Tages.
Während den letzten 50 Jahren hat sich das Strassenbild rund um die Schwarzkiefer verändert, während der Baum noch immer da steht.

Als Nutzholz ist die Schwarzkiefer ebenfalls äusserst attraktiv. So wird ihr Holz beispielsweise im Schiffsbau gerne für Masten genutzt. Aber auch Pfähle, Bauholz und Brennholz lassen sich aus ihr gewinnen. Besonders gern wird das Holz der Schwarzföhre für Bühnenbauten benutzt, weil die Bretter nicht knarzen.

In der Biodiversitätsskala bewegt sich die Schwarzföhre im Mittelfeld. Sie erreicht 2,5 von 5 Punkten und liegt damit mit der Rosskastanie und der Trauerweide gleich auf. «Dennoch ist ihre Art für eine Reihe von Kleinpilzen von Bedeutung», sagt Scheibler. Zudem werde ihre Baumkrone gerne von Tauben, Krähen und Greifvögeln als Nistplatz genutzt.

Wegen der zunehmenden Bedeutung von Bäumen in der Stadt und des abnehmenden Baumbestands besteht im Naturschutzverein Wetzikon-Seegräben eine «Arbeitsgruppe Stadtbäume». Auf der Website https://nvws.ch/spezialgebiete/stadtb%C3%A4ume-ag kann man sich über deren Aktivität informieren.

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