Turbenthal feiert seinen Kreisel mit Marschmusik und Apéro
«Gut Ding will Weile haben»
Der neue Kreisel hat den Turbenthalern viel Geduld abverlangt. Grund genug, das Bauwerk zu feiern – auch wenn einige immer noch das Haar in der Suppe finden.
Es war ein besonderer Ort für einen Festakt. Hinter Gemeindepräsident René Gubler (FDP) kurvten zahlreiche Autos und Motorräder durch den neuen Kreisel bei der reformierten Kirche Turbenthal – und sorgten für die entsprechende Geräuschkulisse.
Gubler war trotzdem in Festlaune: Er hatte die Ehre, den Neubau des Kreisels mit einigen Worten zu würdigen. Er habe auf Wikipedia nachgeschaut, erzählte er. «Ein Kreisel ist ein Verkehrsknotenpunkt», sagte er nicht ohne Stolz.
Ein Kreisel – in vielen Städten und Gemeinden sind sie zahlreich vorhanden – ist der Gemeinde Turbenthal ein richtiges Fest wert. Denn im Tösstal gibt es nur zwei davon: einen in Zell und seit letztem September auch einen in Turbenthal. Und es scheint, als würde ein solcher Knotenpunkt den Status einer Gemeinde nochmals erhöhen.
Ein Projekt mit vielen Hürden
Gubler nahm auch auf die Gestaltung Bezug. Auf dem Kreisel sind drei spezielle Kirschbäume gepflanzt. «Das muss so sein, dass man nicht auf die andere Seite sieht und mit vernünftiger Geschwindigkeit in den Kreisel fährt», erklärte er.







Eine vernünftige Geschwindigkeit, das kann man dem Kreiselprojekt sonst nicht unbedingt zuschreiben. Bereits im Dezember 2013 hatte die Gemeindeversammlung den Rahmenkredit für den Kreiselbau bewilligt.
Es folgten Jahre der Planungsarbeit. Bei der Planauflage im Juli 2018 gab es sieben Einsprachen, drei davon gingen bis zum Regierungsrat. Ein Einwand war, dass der Kreisel am falschen Ort entstehe.
Die Interessengemeinschaft (IG) Kreisel Ost unter der Führung von Edith Spörri forderte, den Kreisel nach Osten vors Schlossguet zu verlegen. Dieser Vorschlag blitzte aber beim Verwaltungsgericht ab.
«Und kaum war das Projekt festgesetzt, gab die Verkehrsführung während der Bauzeit zu reden», resümierte Gubler. «Ursprünglich war geplant, die Achse Wila-Turbenthal während sechs Monaten zu sperren.»
Manchmal hatten wir bis zu 400 Meter Stau.
René Gubler (FDP), Gemeindepräsident
Doch die Nachbargemeinde wollte davon nichts wissen – und erhielt vom Verwaltungsgericht Recht. Die Vollsperrung wurde auf zwei Monate reduziert.
Im Februar letzten Jahres konnten die Bauarbeiten endlich starten. Und wieder war Geduld gefragt: Nach der Vollsperre gab es an der Baustelle eine Lichtsignalanlage. «Manchmal hatten wir bis zu 400 Meter Stau», erzählte der Gemeindepräsident.
Am 13. September wurde der Kreisel dann für den Verkehr freigegeben. «Gut Ding will Weile haben», betonte Gubler. «Aus meiner Sicht leistet der Kreisel nun aber gute Dienste.»
Denn vor allem wer während der Stosszeiten von der St. Galler- auf die Tösstalstrasse in Richtung Wila abbiegen wollte, brauchte bis anhin viel Geduld. Jetzt läuft der Verkehr rund.
Ein Kreisel wertet auf
Am Samstagnachmittag gab es aber zur Feier des Tages nochmals einen Unterbruch. Um die Eröffnung des Kreisels würdig zu feiern, durfte die Harmonie Turbenthal mit dem «Schwyzer Marsch» eine Runde durch den Kreisel marschieren. Die Feuerwehr stoppte dafür kurzzeitig den Verkehr.




Danach war es Zeit für den Apéro. Es gab Bier und andere Getränke sowie Glace. Es war auch Zeit, um sich über den neuen Kreisel auszutauschen.
«Ich finde den Kreisel super», sagte Trudi Vollenweider, die ganz in der Nähe wohnt. «Er wertet Turbenthal auf.»
Wenn wir das Geld nicht mehr haben, um zu bauen, dann ist das viel schlimmer.
Trudi Vollenweider, Turbenthalerin
Eine fast 90-jährige Einwohnerin neben ihr stimmte ihr zu. «Auch der Platz mit den Bäumen ist sehr schön geworden», sagte sie über den Mühleplatz gleich neben der Kirche. Bald wird das Gebiet mit dem Kirchenpark, der im Moment noch gebaut wird, noch mehr aufgewertet.
Ob sie die Baustelle gestört habe? Vollenweider verneint. «Wenn wir das Geld nicht mehr haben, um zu bauen, dann ist das viel schlimmer.»
Pflasterung war zu grob
Trotzdem gab es auch einige Fragen, die vor allem Tiefbau- und Werkvorsteher Daniel Wunderli (parteilos) beantworten musste. «Wieso hat man eine schöne Pflasterung auf dem Mühleplatz und schleift sie wieder ab?», fragte ein Mann entrüstet.
«Das wurde von Behindertenverbänden gefordert», beschwichtigte Wunderli. «Die Pflasterung war zu grob, Personen im Rollstuhl hätten Mühe damit.»
Der Anwohner war von dieser Erklärung aber nicht ganz überzeugt. «Das ist ja völliger Seich.»
Aber sonst sei am Kreisel gute Arbeit geleistet worden: «Da gibt es gar nichts zu sagen.»
So geht es auf der Tösstalstrasse weiter

Mit dem Bau des Kreisels ist die erste Etappe der Sanierung der Tösstalstrasse in Turbenthal abgeschlossen. Doch es sind noch zwei weitere geplant. «Als Nächstes geht es um die Strecke zwischen dem Restaurant Landenberg und dem Abzweiger ins Gyrenbad», erklärt Gemeinderat Daniel Wunderli.
Aktuell laufen die Planungsarbeiten beim Kanton. «Es ist noch schwer abzuschätzen, bis wann diese Arbeiten fertig sind.» Wunderli will deshalb keinen Zeitplan nennen – auch, weil es erneut Einsprachen geben kann.
Im nächsten Abschnitt möchte der Kanton auch eine Tempo-30-Strecke auf der Tösstalstrasse einführen – aus Lärmschutzgründen. Der Gemeinderat lehnte dies letzten Sommer ab. Es sollen zuerst andere Massnahmen geprüft werden. «Wir werden diesen Standpunkt beim Kanton einbringen», betont der Tiefbau- und Werkvorsteher. Doch am Schluss werde in Zürich entschieden.
Eine erneute Vollsperrung wird es aber vermutlich bei der nächsten Bauetappe nicht mehr geben. «Man hat uns zugesichert, dass der Verkehr einspurig geführt werden kann.»
