Aktionäre trauen dem eingeschlagenen Weg der ZO Medien AG
In eigener Sache
An der 153. Generalversammlung der Zürcher Oberland Medien AG herrschte Einigkeit. Dies, obwohl auch einige negative Ergebnisse des letzten Geschäftsjahrs zur Sprache kamen.
Im Garten-Center der Ernst Meier AG in Dürnten herrschte am Freitagabend Grossandrang. Verwaltungsrat, Geschäftsleitung und Aktionäre vereinten sich für einen jährlichen Grossanlass. Die 153. Generalversammlung der Zürcher Oberland Medien AG stand an.
Also von jenem Unternehmen, das diese Zeitung herausgibt, die Sie gerade in den Händen halten. Oder jene Plattform mit Inhalten füllt, die Sie gerade online konsumieren.
Was sagt die künstliche Intelligenz?
«Die Rolle der Regionalmedien besteht darin, lokale und regionale Nachrichten und Informationen zu verbreiten, die für die Menschen in einer bestimmten Region von Bedeutung sind.» Dies war nicht etwa ein Zitat von Verwaltungsratspräsidentin Dr. Karin Lenzlinger.
Es war die Antwort von ChatGPT auf die Frage, was denn die Aufgabe einer Regionalzeitung sei. «Klingt gut, aber man muss es umsetzen und auch noch Geld damit verdienen», meinte Lenzlinger.
Vieles ist neu
Im letzten Jahr habe man sich noch zu sehr mit sich selbst beschäftigen müssen. «Das Projekt der neuen Onlineplattform brauchte zu viel Zeit.» Lenzlinger entschuldigte sich damit für die verschobenen «Go-Live»-Termine. Für die Digitalabteilung und die Redaktion sei der Aufwand gross gewesen.
«Dafür ist die Benutzerfreundlichkeit nun wesentlich gesteigert, wenn wir auch noch Verbesserungspotenzial sehen und auf die neue App warten», erklärte Lenzlinger.
Die Finanzen
Erstmals konnte ein digitaler Geschäftsbericht präsentiert werden. «Damit zählen wir zu den modernen Regionalverlagen», so die Verwaltungsratspräsidentin.
Sehr enttäuscht war sie hingegen vom historisch tiefen Ebit von minus 35'000 Franken. Ein hässlicher Krieg hat Lieferketten und Energiepreise durcheinandergebracht. Die Papierpreise sind deshalb massiv gestiegen.

Dennoch gab es für die Aktionäre eine positive Nachricht: den Unternehmensgewinn von 1,8 Millionen Franken. Dieser ist mitunter dem einmaligen Verkauf des Parkplatz-Grundstücks an der Pestalozzistrasse zu verdanken.
«Der Zeitpunkt des Verkaufs war sehr günstig, sodass mit dem künftigen ZO-Haus unser Eigenkapital gestärkt werden konnte», resümierte Lenzlinger. Die Immobilieninvestition sei zwar ein nachhaltiger Gewinnbeitrag für die Medientätigkeit. Doch die Medienarbeit solle dadurch keinesfalls kompensiert werden.
Wäre da nicht der hohe Papierpreis
Die Präsentation der Jahresrechnung und des Jahresberichts war dann Sache von CEO Dani Sigel. «Das Bedürfnis nach Lesernähe und regionalen Informationen besteht auch in der rasant fortschreitenden Digitalisierung weiterhin.» Das Spannungsfeld zwischen dem elektronischen und physischen Kontakt zur Leserschaft verstärke sich. «Bei der Tageszeitung verlieren wir pro Jahr 1400 Leser, während wir im letzten Jahr online gut zulegen konnten», sagte Sigel.

Mit was nicht zu rechnen gewesen sei: die Corona-Pandemie war vorbei, und schon folgte beinahe nahtlos der Ukraine-Krieg. «Der Papierpreis hat sich um 130 Prozent gesteigert, weshalb uns nun eine halbe Million Franken fehlen.»
Die Auflagen des «Regio» und die Grossauflagen wurden reduziert. «Doch das ‘Regio’ ist nach wie vor ein sehr beliebtes Produkt, was auch für den ‘Glattaler’ gilt», erklärte Sigel. Dafür habe man mit Onlineanzeigen eine Umsatzsteigerung von 40 Prozent erzielt.
Geschäfte der GV
Wie bei Generalversammlungen üblich, galt es einige Traktanden abzuhandeln. Dies galt für den Jahresbericht und die Jahresrechnung mit einem Bilanzgewinn von 8,7 Millionen Franken, die beide ohne Gegenstimmen angenommen wurden. Daraus folgte auch die Festsetzung der Dividendenausschüttung, die pro Aktie auf 40 Franken festgelegt wurde.

Auch die bisherigen Verwaltungsräte Ueli Eckstein (seit 2013), Theo Schaub (seit 2017) und Stefan Lenz (seit 2019) wurden allesamt mit einem grossen Mehr wiedergewählt. Die Revisionsstelle, geführt von der BDO AG, bleibt in gleichen Händen.
Priorisieren ist notwendig
«Ich hoffe, wir haben Sie im letzten Jahr mit unserer Arbeit erfreut», sagte Chefredaktor Michael Kaspar. Obschon sich die eine oder der andere einmal über einen Schreibfehler oder ein Bild geärgert haben dürfte. Oder sich eine Leserin oder ein Leser gefragt haben könnte, weshalb über dieses oder jenes Ereignis nicht berichtet wurde.
«Intensive Tagesgeschäfte sind von Prioritäten geprägt.» Auch die Umstellung der Online-Plattform habe Energie gekostet, welche die Redaktion nun wieder in andere Kanäle fliessen lassen könne.
Geänderte Bedürfnisse
«Heute trinken nicht mehr alle einfach Milch, sondern viele wollen Sojamilch und andere eben Hafermilch», sagte der Chefredaktor. Damit spielte er auf die gestiegenen Bedürfnisse der Leserschaft an. Denn heute wünschen sich Medienkonsumenten einen direkten Nutzen für sich selbst. Im Sinne von: betrifft mich das direkt oder nützt mir diese Information etwas?

«Mittlerweile wird kritischer Journalismus dem negativen Journalismus gleichgesetzt», so Kaspar. Also müsse man den Leserinnen und Lesern lösungsorientierten Journalismus bieten. Der moderne Journalismus dürfe nicht nur auf Missstände hinweisen, sondern soll neue Wege aufzeigen.
«Nur so kann man die Leserschaft am Geschehen beteiligen.» Der eingeschlagene Kurs stimme, aber es brauche noch mehr, um die Ziele zu erreichen. Dies erfordere den Verzicht auf gewisse Berichte, wie sie einst die Regel waren. Die Veränderungen werden Sie nicht heute oder morgen, aber im kommenden Jahr bemerken», versprach Kaspar. Mit diesem Versprechen verpflichtete er somit das ganze Unternehmen.
