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Gemeindeverwaltungen suchen Nachwuchs über die sozialen Medien

Eher trocken und langweilig? Gemäss KV-Lernenden ist eine Verwaltungslehre eine ziemlich spannende Angelegenheit.

Spicy – so zumindest klingt es , wenn Gemeinden neue Lernende via Social Media suchen.

Foto: Pixabay

Gemeindeverwaltungen suchen Nachwuchs über die sozialen Medien

Werbeclip von Oberländer KV-Lernenden

Lange Zeit schien es zu viele KV-Lernende zu geben. Nun hat sich der Wind gedreht. Gemeindeverwaltungen suchen neuerdings auf digitalem Weg nach Nachwuchskräften.

Beamte machen den halben Tag Pause und trinken Kaffee? Dem ist nicht so. Zumindest nicht auf der Gemeindeverwaltung in Rüti und allen anderen Gemeinden im Bezirk Hinwil. Das erklären junge KV-Lernende aus allen Bezirksgemeinden von Hinwil in einem Video, das sie selbst initiiert und während einer guten Woche gedreht haben. Etwas Witz durfte dabei nicht fehlen.

Damit wollen sie nicht nur einen Einblick in ihren Alltag geben, sondern vielmehr Jugendliche dazu motivieren, ebenfalls eine kaufmännische Lehre auf einer Verwaltung zu absolvieren. Oder wie die Lernenden in ihrem Kurzfilm sagen: «Es chunt guet!»

Zweite Kampagne

Schon im letzten Jahr warb der Verein der Zürcher Gemeinde- und Verwaltungsfachleute (VZGV) mit der «Lernendenkampagne» für KV-Lehrstellen auf öffentlichen Verwaltungen. Nachdem die erste Welle ein Erfolg war, wurde die Kampagne diesen Frühling fortgesetzt, damit sich Sekundarschülerinnen und -schüler in ihrem letzten Schuljahr im kommenden Herbst wieder fleissig für solche Stellen bewerben.

Lehrstelleninserate, wie sie einst üblich waren, würden die Jugendlichen kaum mehr erreichen. Deshalb nutzen nun auch Gemeinden die sozialen Medien.

Dieses Jahr suchen die Verwaltungen ihren Nachwuchs neuerdings gar über TikTok und Snapchat. Die Botschaft lautet: Die Ausbildung auf der Verwaltung ist ein äusserst attraktiver Berufseinstieg und ein Türöffner für die Zukunft.

«Es gibt sonst kaum eine kaufmännische Lehre, die den Kundenkontakt mit Personen aus allen Schichten und in den verschiedensten Lebenssituationen ermöglicht», äusserte sich der Präsident der Kommission Lernende, Tumasch Mischol, im Rahmen der Kampagne. Die Themen in der öffentlichen Verwaltung seien lebensnah und würden den Alltag prägen.

Jugendliche abholen

«Von unserer Verwaltung waren vier Lernende im Video mit dabei», sagt die Ausbildungsverantwortliche und stellvertretende Gemeindeschreiberin von Hinwil, Katharina List. Es sei auch für Gemeindeverwaltungen wichtig, am Puls der Zeit zu sein und neue Wege zu finden.

Bis anhin warben die Bezirksgemeinden jeweils an einer Info-Veranstaltung im Januar für die KV-Ausbildung. «Auch da wurde ein Film gezeigt, der allerdings schon in die Jahre gekommen ist.»

List selbst geht auch regelmässig in die Sekundarschule, um die Jugendlichen für einen Verwaltungsberuf zu begeistern. Oft schult sie die künftigen Auszubildenden direkt für Bewerbungsgespräche oder erklärt ihnen, was eine gute Bewerbung ausmacht.

Generell könne sich die Gemeinde Hinwil nicht über zu wenige Bewerber beklagen. «Wir erhalten sehr viele gute Bewerbungen», betont List. In kleineren Gemeinden sei dies oft weniger der Fall, weshalb man sich auch gerne gegenseitig helfe. «Wenn wir zu viele Bewerbungen haben, schanzen wir Teile davon kleineren Gemeinden zu.» Dies diene allen Beteiligten.

Die Gemeindeverwaltung Hinwil sei für die KV-Lernenden vor allem deshalb attraktiv, da sie zur selben Zeit sechs Auszubildende beschäftigt, die in drei Jahren sechs verschiedene Abteilungen durchlaufen. «Der rege Austausch hilft und macht die Lehre natürlich attraktiver», sagt List.

Weiterbeschäftigung als Ziel

Wie in der Privatwirtschaft haben auch Verwaltungen das Ziel, die Lernenden nicht nur auszubilden, sondern so ihren Nachwuchs für die Zukunft zu sichern. Nicht immer ein leichtes Unterfangen, wie List erklärt: «Viele springen nach der Lehre ab, um eine Berufsmaturität anzuhängen oder in die Privatwirtschaft zu wechseln.»

Mit der Möglichkeit von Weiterbildungen soll dies künftig mehr verhindert werden. «Es ist natürlich unser Wunsch, so viele eigene Ausgebildete zu halten, wie es nur geht.»

Bekanntes Problem

In Rüti ist die Lage mit den Abgängen ähnlich wie in Hinwil. Etwa die Hälfte der Lernenden bleibt in der Verwaltung. Die anderen ziehen nach dem Lehrabschluss weiter. «Sie entscheiden sich für eine Berufsmaturität, ein Studium oder wechseln in eine andere Branche», resümiert die Personalassistentin Monika Hagen.

Aus ihrer Sicht besteht dringender Handlungsbedarf zur Stärkung der Branche, damit die Verwaltungen für den Fachkräftemangel gewappnet sind.

Mit dem Video sei damit ein Schritt in die richtige Richtung getan. «Es soll zeigen, dass eine Lehre auf einer Gemeindeverwaltung nicht verstaubt und langweilig, sondern abwechslungsreich, spannend und auch lustig ist.» Zudem freuen sich die Lernenden, wenn sie in gemeindeübergreifenden Projekten mitarbeiten können, was ihnen die Möglichkeit gibt, sich auszutauschen und bereits früh zu vernetzen.

Allgemeine Informationen zur KV-Ausbildung in einer öffentlichen Verwaltung finden Sie unter www.verwaltungslehre.ch. Eine interaktive Karte auf der Website bietet die Möglichkeit, Lehr- und Schnupperstellen in 162 Zürcher Städten oder Gemeinden zu finden. Unter diesem Link finden Sie das entsprechende Video https://youtu.be/AFA4hQnP5Is, das von den Lernenden selbst produziert wurde.

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