Das Postauto fährt jetzt von Steg bis auf die Hulftegg
Vom Tösstal ins Toggenburg
Ausflügler dürfen sich freuen: Sie kommen jetzt auch mit dem ÖV auf die Hulftegg. Zumindest für die nächsten zwei Saisons.
Nur gerade gut fünf Kilometer lang ist die Strecke zwischen dem Bahnhof Steg und der Hulftegg, die in der Gemeinde Mosnang auf St. Galler Boden liegt. Doch wer bisher vom Tösstal zum beliebten Ausflugsziel im Dreikantoneeck gelangen wollte, der musste den Weg in der Regel zu Fuss oder mit dem Auto zurücklegen.
Nur gelegentlich fuhr am Sonntag auch ein Oldtimerbus des Dampfbahn-Vereins Zürcher Oberland (DVZO) auf den Pass. Ab kommendem Samstag gibt es jetzt auch ein ÖV-Angebot.
Um 8.03 Uhr fährt das erste reguläre Postauto vom Bahnhof Steg über die Hulftegg nach Bütschwil. Zwischen Mai und Oktober gibt es am Wochenende und an Feiertagen jeweils sechs Fahrten pro Tag.
Über den «Hoger»
Am Dienstag wurde die neue Linie feierlich eingeweiht. Die Postauto AG und die beiden Gemeinden Fischenthal und Mosnang luden zu einer Spezialfahrt auf die Hulftegg ein.
Ich hoffe, wir bringen ganz viele Gäste von beiden Seiten auf die Hulftegg.
Marianne Kunz-Tobler, Key-Account-Managerin der Postauto AG
Chauffeuse Edith Brunner lenkte das gelbe Fahrzeug durch die teils engen Kurven der Passstrasse. Auch der Einsatz des Dreiklanghorns mit dem typischen «Tü-Ta-To» durfte nicht fehlen.
> Lesen Sie hier, was die neue Postautolinie für die Beteiligten bedeutet
Auf der Hulftegg war es dann Zeit für Ansprachen. «Es ist ein spezieller Tag», freute sich Marianne Kunz-Tobler, Key-Account-Managerin der Postauto AG. «Ich hoffe, wir bringen ganz viele Gäste von beiden Seiten auf die Hulftegg.»
Mit den beiden Seiten meint Kunz-Tobler das Tösstal und das Toggenburg. Die Gemeinden Mosnang und Fischenthal mögen nicht weit voneinander entfernt sein, doch Berührungspunkte gab es bisher nur wenige.
«Die neue Linie ermöglicht auch der nicht-motorisierten Bevölkerung eine neue Perspektive: den Blick über den ‹Hoger›», sagte die Fischenthaler Gemeinderätin Rahel Fischer (parteilos).
Die Hulftegg als Wand
Dass dieser Blick jetzt auch für ÖV-Kunden möglich wird, hat die Gemeinde Mosnang eingeleitet. Vor gut zwei Jahren hatte der dortige Gemeinderat den Kontakt mit den Kollegen aus Fischenthal aufgenommen, um eine Verlängerung der Postautolinie nach Steg zu diskutieren.
«Der Auslöser war der Naherholungstourismus», erklärte Gemeindepräsident Renato Truniger (SVP). Besonders am Wochenende sei die Hulftegg teils mit Autos überfüllt.
Wir hatten generell die Frage: ‹Was geschieht eigentlich genau auf der anderen Seite?›
Renato Truniger (SVP), Gemeindepräsident von Mosnang
Ihn freut es sehr, dass die Zürcher Nachbargemeinde rasch ins Boot geholt werden konnte. Denn eine enge Zusammenarbeit zwischen «Moslig» und Fischenthal gab es bisher nicht.
«Wir hatten generell die Frage: ‹Was geschieht eigentlich genau auf der anderen Seite?›», sagte Truniger. In seinem Empfinden war die Hulftegg wie eine Wand, die die beiden Gemeinden trennte.
Oldtimer oder modernes Postauto?
Diese Wand wird jetzt bis im Oktober auch mit dem ÖV überwunden. Auf der Postautolinie gelten die normalen Zonentarife. Mit einem Halbtax kostet die Hin- und Rückfahrt von Steg auf die Hulftegg Fr. 6.20.
Etwas teurer wird es mit dem Oldtimerpostauto des Dampfbahn-Vereins ab Bauma. 20 Franken bezahlt man dafür. Kinder fahren gratis mit.
«Die Ankündigung, dass Postauto die Hulftegg ebenfalls im Visier hat, schreckte uns anfänglich auf», sagte DVZO-Präsident Hugo Wenger an der Veranstaltung. Der DVZO hält aber trotz den neuen Postautofahrten an seinem Angebot fest – und baut es aus. Beispielsweise bietet er neu Brunch-Fahrten an.
Kein Geld vom ZVV
Der Postautobetrieb von Steg auf die Hulftegg zwischen Mai und Oktober ist vorderhand für zwei Saisons gesichert. Der Kanton St. Gallen und die Gemeinden Fischenthal und Mosnang finanzieren die Verlängerung der Linie. Der Zürcher Verkehrsverbund (ZVV) beteiligt sich hingegen nicht.
Was braucht es, damit der Betrieb weitergeführt wird? «Am Schluss ist immer der Kostendeckungsgrad entscheidend», sagte Marianne Kunz-Tobler von der Postauto AG. Doch sie ist zuversichtlich, dass das neue Angebot Anklang findet: «Es gibt einen Trend zu mehr Freizeitverkehr.»