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Gesellschaft

So leben Asylsuchende in der Dübendorfer Militärkaserne

In der Kaserne Dübendorf finden geflüchtete Menschen eine Bleibe. Nun wurden die Türen für die Bevölkerung geöffnet.

Ein wenig Militär-Ambience ist in den Zimmern immer noch zu finden.

Foto: Marcel Vollenweider

So leben Asylsuchende in der Dübendorfer Militärkaserne

Unterkunft für rund 300 Menschen

Das temporäre Bundesasylzentrum auf dem Dübendorfer Kasernenareal hat seine Türen für die Bevölkerung geöffnet. Ein Blick hinter die Kulissen.

Menschen, vor allem Männer unterschiedlichen Alters, spielen an diesem Samstagmorgen im asphaltierten Innenhof des einstigen Kaderausbildungszentrums der Armee Fussball. Es sind asylsuchende Personen, die sich an diesem Ort gemeinsam die Zeit vertreiben.

Seit mehreren Wochen sind sie in der Theodor-Real-Kaserne in Dübendorf untergeberacht. Das Staatssekretariat für Migration (SEM) hat die interessierte Dübendorfer Bevölkerung nun am Samstag zu einer Besichtigung der temporären Kollektivunterkunft geladen.

Reto Kormann, der stellvertretende Leiter des Stabsbereichs Information und Kommunikation im SEM, nutzte im Vorfeld der geführten Publikumsdurchgängen die Gelegenheit, den interessierten Medien Einblick in die Infrastruktur zu geben.

Die Schweizer Armee greift dem Bund und den Kantonen angesichts des andauernden Zustroms an asyl- und schutzsuchenden Personen mit seiner Infrastruktur unter die Arme. «Die vom SEM hier genutzten Kasernenstrukturen bieten beste Voraussetzungen für diese temporäre Asylbleibe des Bunds. Es ist eine ausgezeichnete Unterkunft», sagt Kormann.

Beträchtliche Kapazitäten

Die temporäre Asylunterkunft bietet Platz für rund 300 Menschen, vor allem für Familien und alleinreisende Frauen – jedoch nicht für unbegleitete minderjährige Asylsuchende. Es sind vor allem Menschen aus Afghanistan, Burundi, dem Irak und der Türkei, die hier eine Bleibe finden.

In der unweit gelegenen Mehrzweckhalle der Theodor-Real-Kaserne können zudem rund 200 schutzsuchende Personen aus der Ukraine aufgenommen werden. «Hier wenden wir jedoch ein anderes Setting an», unterstreicht Martin Bucher, Leiter der Asylregion Zürich. Die Schutzsuchenden würden nach wenigen Tagen den Kantonen und dann den Gemeinden zugewiesen.

Im Gebäudetrakt für die Asylsuchenden werden die Menschen in Vierer-, Sechser- oder Achterzimmern untergebracht. Vereinzelt stehen auch einige wenige Zweierzimmer zur Verfügung. Diese werden insbesondere mit pflegebedürftigen oder älteren Personen belegt. Derzeit sind rund 70 Prozent der zur Verfügung stehenden Kapazitäten ausgeschöpft.

Vier Schulzimmer

Im Aussenbereich ist eine Zugangskontrolle in einem Container eingerichtet worden. Ebenso ist die Gesundheitsversorgung mit Pflegefachleuten sichergestellt, Notfallorganisationen können bei Bedarf angefordert werden. Die Bewohnerinnen und Bewohner beteiligen sich an einem gemeinnützigen Beschäftigungsprogramm. Der ganze Unterkunftsbetrieb wird in Zusammenarbeit mit lokalen Partnern gewährleistet.

Im einen Trakt sind insgesamt vier Schulzimmer eingerichtet worden. Hier werden zwischen 45 und 60 Kinder von der Kindergartenstufe über die Primarschule bis hin zur Oberstufe unterrichtet. «Die Kinder kommen gerne zur Schule. Sie werden von Lehrpersonen und Klassenassistenzen begleitet», erklärt Karin Zulliger, die Leiterin Bildung.

Sprachlich gesehen würden sich kaum Hindernisse ergeben. «Viele können bereits einige Brocken Englisch, und mit den Kleinsten erfolgt vieles spielerisch», sagt Zulliger. Die bisher grösste Herausforderung habe darin bestanden, aus einem Schulungsraum der Armee einen Kindergarten zu machen.

Susanne Schweizer gehört am Samstag zu den rund 80 interessierten Besucherinnen und Besuchern, die sich für einen der Rundgänge angemeldet hatten . «Ich wohne zwar gleich in der Nähe, doch ich war noch nie auf dem Areal. Mich interessiert, wie die Asylsuchenden untergebracht sind. Ich begrüsse dieses Engagement für die Asyl- und Schutzsuchenden sehr», sagte die Dübendorfer SP-Gemeinderätin.

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