Ein weiterer schlechter Winter: Ja und?
Skilifte in der Region
Der schneearme Winter hat den Skiliften einmal mehr die Saison vermiest. Die Betreiber nehmen es gelassen – weil sie wenig zu verlieren haben.
Fehlender Niederschlag, hohe Temperaturen. Der Winter 2022/2023 war in der ganzen Schweiz aussergewöhnlich schneearm.
Als Ursache bezeichnet das Institut für Schnee- und Lawinenforschung (SLF) Hochdruckgebiete, die über Westeuropa den Niederschlagsfronten den Weg versperrten. Dadurch blieben grosse Schneefälle aus.
Das spürten die Skiliftbetreiber in der Region. In Fischenthal waren die Anlagen beispielsweise gar nie in Betrieb. Auf dem Ghöch und am Sitzberg immerhin wenige Tage. Dort will man sich vom schlechten Winter nicht unterkriegen lassen – und ist bereit, in die Zukunft zu investieren.
Neue Möglichkeiten auf dem Ghöch

Beim Skilift Ghöch in Bäretswil spricht man von einer durchzogenen Saison. «Wir hatten dieses Jahr 13 Betriebstage, konnten aber nur den Ponylift laufen lassen», sagt Ernst Steiger. «Der Mastenlift war die ganze Zeit ausser Betrieb.»
Steiger ist Präsident des Vereins, der den Skilift betreibt. Die Anlage liegt auf 1060 Metern über Meer und ist damit die höchstgelegene im Kanton.
Das hat dieses Jahr aber wenig genützt. «Es ist wirklich blöd gelaufen», meint der Vereinspräsident.
Im vergangenen Jahr konnte man auf dem Ghöch dafür 32 Tage lang Ski fahren. Für einen rentablen Betrieb braucht es 30 Tage. Finanziell sei man immer für zwei schlechte Saisons gerüstet.
Der vergangene Winter zählt eindeutig zu den schlechteren. «Ich bin froh, dass der Lift überhaupt in Betrieb war.»
Möglich war dies letztlich auch nur dank einer neuen Anschaffung: einer Schneelanze für Kunstschnee. Diese kommt vor allem im unteren Teil beim Ponylift zum Einsatz, dort, wo alle abbremsen.
Nach einer schlechten Saison kommt auch wieder eine gute.
Ernst Steiger, Präsident Skilift Ghöch
Der Vorstand hat nach einer Saison Bilanz gezogen. «Auch wenn wir Wasser- und Energiekosten berücksichtigen, lohnt sich die Beschneiung.» Genaue Zahlen will Steiger nicht nennen.
Die Schneelanze sei denn auch eine Investition in die Zukunft. Klar ist: Ans Aufhören denkt man im Ghöch nicht – auch wenn die Winter in der Tendenz wärmer und schneeärmer werden. «Solange wir können und jeder alles gibt, ist der Betrieb möglich.»
Denn am Skilift wird niemand bezahlt. Gut 20 Personen engagieren sich ehrenamtlich. «Auch für die Beschneiung sind Leute teils spät in der Nacht hochgefahren, um zu kontrollieren, ob alles funktioniert.»
So lässt sich der Betrieb weiterhin stemmen. Denn dieses Jahr steht wieder eine grössere Investition an. Sie müssten einen Mast ersetzen. Das kostet gut 15’000 Franken.
Auf die Frage, wie lange man im Ghöch noch Ski fahren könne, wagt der Vereinspräsident keine Prognose. «Wir müssen damit leben, dass es wohl immer weniger Schnee gibt», meint er. Dennoch zeigt er sich positiv: «Nach einer schlechten Saison kommt auch wieder eine gute.»
Skilift Sitzberg: Ein richtig mühsamer Winter
Auf gut 800 Metern über Meer befindet sich der Skilift Sitzberg im Weiler von Turbenthal und Fischingen TG. Seit 2006 wird er vor einem Verein betrieben.
In der vergangenen Saison war Skispass in Sitzberg aber nur an vier Tagen möglich. «Dieser Winter war richtig mühsam», sagt Michael Lauener. Der Landwirt aus Rengerswil ist seit letztem Jahr Vereinspräsident. «Es haben oft nur fünf Zentimeter Schnee gefehlt, um den Lift in Betrieb nehmen zu können.»
Immerhin hat man nun eine Schneewalze, die an einem Schneetöff befestigt ist. «So können wir die Piste präparieren, wenn es für die grosse Maschine zu wenig Schnee hat.»
Klagen will er trotz der schlechten Saison nicht. «Bei einem Skilift auf dieser Höhe weiss man, dass man es nicht immer ‹tschäddere laa› kann.» Vor drei Jahren, in der Saison 2019/2020, lief der Lift keinen einzigen Tag.

«In den letzten beiden Jahren hatten wir hingegen gute Saisons.» Gut, das heisst im Pirg: etwas mehr als zehn Tage Betrieb. Im Winter 2020/2021 waren es sogar 22 Tage und im vergangenen Winter 19.
Und trotzdem: Mit dem Ticketverkauf allein lässt sich der Aufwand nicht stemmen. Erst kürzlich wurde die Steuerung des Lifts ausgetauscht. Für rund 10’000 Franken.
Zum Vergleich: Eine Tageskarte kostet 5 Franken für Kinder und Fr. 7.50 für Erwachsene.
Ohne Idealismus kann man sowieso aufhören.
Michael Lauener, Präsident Skilift Sitzberg
Der Verein muss die Betriebskosten mit anderen Einnahmen decken. So zum Beispiel mit einem «Öpfelchüechli»-Verkauf am Hutziker Märt oder dem Raclette-Plausch im Februar. Ausserdem gibt es einige Gönner.
Bisher lassen sich die Kosten decken. An Profit denkt hier sowieso niemand. «Wir machen es, weil wir Freude daran haben – und für die Kinder.» Rund 25 Freiwillige sind bereit, sich für den Skilift zu engagieren. «Ohne Idealismus kann man sowieso aufhören.»
Auch Lauener macht sich Gedanken, wie es weitergeht. «Aber solange wir noch etwas Schnee haben und Leute, die sich engagieren wollen, machen wir weiter.»
