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Gesellschaft

Blaueierschwimmen findet zum letzten Mal in Uster statt

Mit dem Rückzug von Organisator Harald Müller soll auch die Ära des Blaueierschwimmens in Uster enden.

Noch einmal wird der Ustermer Sprungturm beim diesjährigen Blaueierschwimmen im Zentrum stehen.

Archivfoto: Christian Merz

Blaueierschwimmen findet zum letzten Mal in Uster statt

Nach 19 Jahren ist Schluss

Am Ostermontag wird im Strandbad Niederuster voraussichtlich zum letzten Mal nach blauen Eiern geschwommen. Organisator Harald Müller zieht sich zurück und nennt mehrere Gründe für den Entscheid.

Auch in diesem Jahr werden sich am Ostermontag hartgesottene Schwimmerinnen und Schwimmer in den kalten Greifensee stürzen. Mit einem Ziel: blau gefärbte Eier vom 20 Meter entfernten Sprungturm zu holen. Das Blaueierschwimmen in Uster ist für viele zu einer lieb gewonnenen Ostertradition geworden.

Vor 19 Jahren hatte Harald Müller die Idee für den Anlass. Die diesjährige Ausgabe wird für ihn zur Dernière. Und nicht nur das: Es soll auch gleich das letzte Blaueierschwimmen in Uster sein. Mehrere Faktoren führten zu diesem Entscheid.

Kostenanstieg und fehlende Helfer

«Ich habe keine Lust mehr», sagt Harald Müller. Die organisatorischen Hürden wurden zuletzt immer grösser. Bewilligungen mussten eingeholt, Verkehrskadetten und die Seerettung aufgeboten werden. Die ganze Planung koordiniert Müller jeweils in seiner Freizeit.

Vor allem aber stiegen die Kosten. 2500 Franken sind es inzwischen pro Ausgabe. Harald Müller finanziert diese durch Sponsoren, eine Beteiligung an den Kioskeinnahmen und kulante Partner. «Am Schluss resultiert eine schwarze Null», sagt er. Profit sollte der gesellige Anlass allerdings nie abwerfen. Gab es einen Gewinn, spendete Müller diesen an wohltätige Organisationen.

Harald Müller, Organisator des Blaueierschwimmens, vor dem Sprungturm in der Badi Niederuster.
Harald Müller ist Gründer und Organisator des Blaueierschwimmens im Greifensee.

Bei der letztjährigen Ausgabe – der ersten nach der Corona-Pandemie – fehlten zudem Helferinnen und Helfer. Nur durch den kurzfristigen Einsatz der Mitglieder des Drachenbootclubs Greifensee Dragons konnte das Blaueierschwimmen überhaupt stattfinden.

Platzproblem und Terminkollision

Immerhin gab es eine Konstante: Seit der ersten Durchführung im Jahr 2004 findet der Osteranlass im Strandbad Niederuster statt. «Die Infrastruktur ist hier ideal», findet Harald Müller. Doch damit soll nun eben Schluss sein.

Sicht auf die Badi Niederuster mit Sprungturm.
Zum Sprungturm und wieder zurück: Für Harald Müller ist die Infrastruktur im Strandbad Niederuster ideal.

Lange hatte das Blaueierschwimmen die Badi für sich – bis vor vier Jahren. Seither stehen in den Wintermonaten drei grosse Holzfässer und zwei Jurten der Sauna am See auf dem Badi-Areal. Die Saunainfrastruktur ist eingezäunt. Der Zaun versperrt den Weg von See und Garderoben zum Kiosk, der wichtigen Einnahmequelle am Blaueierschwimmen.

Bisher lief der Saunabetrieb jeweils bis Ende März. Ab dem kommenden Jahr soll er gemäss Harald Müller verlängert werden. Und die Ostertage fallen 2024 ausgerechnet auf das letzte Märzwochenende. Dadurch kommt es zu Platzproblemen und zur Terminkollision mit dem Blaueierschwimmen. Mit den Saunabetreibern habe er Gespräche geführt, aber keine Lösung gefunden, sagt Müller.

Harald Müller betont, dass er nichts gegen die Sauna am See hat – im Gegenteil. «Das Projekt macht den See attraktiver.» Er sieht aber keine Möglichkeit mehr, das Blaueierschwimmen weiterhin in der Ustermer Badi durchzuführen.

Es entfällt der schöne Moment, wenn nach dem Event alle Leute glücklich sind.

Harald Müller, Organisator Blaueierschwimmen

Michaela Pfister betreibt die Sauna am See zusammen mit Mario Monn. Auf Anfrage zeigt sie sich überrascht. Sie wäre prinzipiell offen für eine Zusammenarbeit mit Harald Müller gewesen. «Für interessierte Gäste hätten wir ein spezielles Angebot ausarbeiten können», sagt sie. Hinzu komme, dass die Sauna am See auch ab 2024 jeweils Ende März schliessen werde, danach folge der Abbau.

Absperrungen in der Badi Niederuster wegen der Sauna am See.
Ein Zaun umgibt in den Wintermonaten die Holzfässer der Sauna am See.

Zu einer direkten Terminkollision wäre es also nur in wenigen Ausnahmefällen gekommen. Besonders im kommenden Jahr sah es nicht günstig aus. Michaela Pfister ist sich aber sicher: «Mit einer guten Planung hätte das Blaueierschwimmen auch in Zukunft hier stattfinden können.»

Für Harald Müller ist klar, dass die Ära des Blaueierschwimmens in der Badi Niederuster enden wird. Er hofft nochmals auf besonders viele Teilnehmende am kommenden Ostermontag, schaut aber auch mit gemischten Gefühlen auf «seine» letzte Ausgabe: «Einerseits kann ich künftig an Ostern auch mal weg, andererseits entfällt der schöne Moment, wenn nach dem Event alle Leute glücklich sind.»

Das Blaueierschwimmen findet am Ostermontag, 10. April, ab 14 Uhr im Strandbad Niederuster statt. Neben den blauen Eiern gibt es für die Teilnehmenden Eierlikör und Eiersuppe, die von einem umgebauten Drachenboot ausgeschenkt werden. Einschreiben kann man sich bereits ab 12 Uhr. Die Teilnahme ist kostenlos.

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