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Der beste Begleithund der Schweiz kommt aus Bauma

Jessica Roth und ihr Hund Scar sind bereits Schweizermeister. Jetzt haben sie ein neues Ziel vor Augen.

Jessica Roth aus Bauma mit ihrem Golden Retriever Scar in Hittnau beim Training.

Foto: Mirjam Müller

Der beste Begleithund der Schweiz kommt aus Bauma

Jessica Roth und Scar

Jessica Roth und ihr Hund Scar sind letztes Jahr Schweizer Meister in der Kategorie Begleithunde geworden. Jetzt haben sie ein neues Ziel vor Augen.

Wenn Jessica Roth ihrem Hund Scar ein Kettenhalsband umlegt, dann weiss er genau: «Jetzt ist Zeit zum Arbeiten.»

Scar ist nämlich nicht irgendein Hund, sondern zusammen mit seinem Frauchen letztjähriger Schweizer Meister in der Kategorie Begleithunde (BH).

Dort zeigte der Golden Retriever sein Können in vier verschiedenen Kategorien.

Begleithundeprüfung

Bei der Begleithundeprüfung gibt es drei verschiedene Stufen. Auf der höchsten findet die Schweizer Meisterschaft statt.

Fährtenarbeit: Der Hund muss eine Trittspur absuchen und gelegte Gegenstände anzeigen.

Unterordnung: Der Hund und der Hundeführer müssen verschiedene Übungen absolvieren und dabei als harmonisches Team auftreten. Wie beispielsweise Fussarbeit, Stellungen (Sitz, Platz, Steh) oder Apportieren.

Führigkeit: Hier geht es um Teamarbeit. Der Hund muss bei Übungen Bereitschaft zeigen, mit dem Hundeführer zusammenzuarbeiten. Dabei wird viel Wert auf die Arbeit auf Distanz gelegt.

Revier: Der Hund muss eine Fläche in maximal zehn Minuten absuchen und Gegenstände herbeibringen.

Der Erfolg kommt nicht von ungefähr. Der sechsjährige Rüde und Jessica Roth haben lange auf diesen Moment hingearbeitet.

Ein Arbeitstier

Dass die beiden ein harmonisches Team sind, merkt man sofort, wenn man Scar und Roth beim Training in Hittnau zuschaut. Er reagiert auf ihre Kommandos, dreht sich nach Aufforderung oder springt über ein Hindernis.

Seit Sommer 2016 lebt Scar bei der Baumerin und ihrem Partner. «Wir haben ihn in England geholt», erzählt sie. Denn er ist ein spezieller Golden Retriever.

Für Laien ist schnell erkennbar: Sein Fell ist viel dunkler als bei der beliebten Familienhunderasse. Das liegt daran, dass er nicht aus der Show-, sondern aus der sogenannten Arbeitslinie kommt.

Diese Hunde sind sportlicher und muskulöser als ihre Artgenossen und gelten als temperamentvoller.

Hunde-«ADHS»

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Für sie war klar, dass sie einen Hund will, mit dem sie auch Prüfungen absolvieren kann. «Meine vorherige Hündin Chiara war überhaupt nicht dafür geeignet», erzählt die Hundehalterin lachend.

Zu dieser ersten Hündin kam die Baumerin, als sie 13 Jahre alt war. «Ich wollte unbedingt einen Hund», erinnert sie sich. Sie versprach ihren Eltern damals, dass sie allein für diesen sorgt.

Mit Chiara absolvierte Roth auch die erste Stufe der Begleithundeprüfung. Doch Feuer fing das Duo nicht. «Ihr hat es niemals so viel Spass gemacht wie Scar.»

Ein volles Programm

Ganz anders Scar. Er war gut eineinhalbjährig, als für ihn die erste dieser Prüfungen anstand. Ein Jahr später erreichte er die nächste Stufe und bestand mit seinem Frauchen die erste Prüfung in der höchsten Kategorie Anfang 2019.

Damals trainierte Roth noch mit einer externen Trainerin. «Dann wurde es aber schwierig, die Kurse mit der Arbeit zu verbinden», sagt sie. Und so übernahm sie das Zepter für die Ausbildung des Hundes ganz. Das bedeutete mehrere Stunden Training pro Woche.

Zudem nahm das Duo nach Corona, als Wettkämpfe wieder erlaubt waren, an mehreren Prüfungen pro Jahr teil. Denn: «Man muss drei Prüfungen bestehen, damit man zur Schweizer Meisterschaft zugelassen wird.»

Keine Bestrafungen

Das klingt nach einem vollen Programm. Doch Jessica Roth ist sich sicher, dass Scar mit mindestens so viel Freude bei der Sache ist wie sie: «Man merkt sofort, es macht ihm Spass. Sonst würde er nicht so gut mitmachen.»

Bestrafungen bei Fehlern gibt es keine. «Ich arbeite nur mit positiver Bestätigung», betont die Hundehalterin. So bekommt Scar eine kleine Belohnung, wenn er eine Übung richtig absolviert.

Zudem ist er nicht immer im Arbeitsmodus. Selbst wenn die beiden trainieren, hat Roth immer ein Spielzeug dabei, mit dem sich der Hund austoben darf.

«Wir haben nun das Höchste erreicht.»

Jessica Roth, Hundehalterin aus Bauma

Diese Herangehensweise hat sich ausbezahlt. Letzten November belegten Roth und «Scarab of Saturn», so der Zuchtname von Scar, den ersten Platz bei der Schweizer Meisterschaft (SM) in Altbüron.

Ein letzter Wettkampf

«Ich war sehr, sehr stolz – und bin es immer noch», sagt die ausgebildete Pflegefachfrau. Doch seit diesem Erfolg nimmt sie es etwas lockerer. «Wir haben nun das Höchste erreicht.»

Eine erneute SM-Teilnahme strebt sie deshalb nicht an. Nicht zuletzt, weil sie auch beruflich sehr ausgelastet ist. Zurzeit absolviert sie die Zusatzausbildung im Bereich Intensivpflege.

Da bleibt nicht mehr so viel Zeit fürs Training. Trotzdem will Roth, dass Scar die Übung behält. «Etwa zwei Stunden pro Woche liegen weiterhin drin», erklärt sie. Denn dieses Jahr will sie mit dem Hund noch an der Retriever-Schweizer-Meisterschaft starten. Dort dürfen, wie der Name schon sagt, nur Retriever mitmachen.

«Dort schafften wir es bisher auf den zweiten und dritten Platz», sagt Roth ehrgeizig. Dieses Jahr soll es zum Titel reichen.

Es wird vermutlich Scars letzter Wettkampf sein. Dann geht er in den Ruhestand. Ganz auf die faule Hundehaut wird er sich aber nicht legen können, wenn es nach seiner Besitzerin geht: «Auch in Zukunft will ich ihn noch fordern, einfach nicht an Wettkämpfen.»

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