Baumer Freiwillige warten auf Hilfesuchende
Hilfe für die Mitmenschen
Die Gemeinde Bauma baut ein eigenes Freiwilligennetz auf. Genügend Freiwillige sind verfügbar. Doch das Angebot muss zuerst Fuss fassen.
Sei es für Hilfe mit dem Computer, einen Fahrdienst zum Coiffeur oder gelegentliche Besuche: Für diese und viele weitere Hilfeleistungen können Bewohnerinnen und Bewohner von Bauma bei der Gemeinde anfragen. Dann kommt ein freiwilliger Helfer oder eine freiwillige Helferin vorbei.
Möglich macht dies das neue Freiwilligennetz: Die Förderung der Freiwilligenarbeit ist im Baumer Alterskonzept vorgesehen, das 2019 erstellt wurde. «Zuerst hatten noch einige andere Projekte Vorrang», erklärt Manuela Burkhalter (SVP). Sie ist Gemeinderätin und zuständig für das Ressort Gesellschaft.
Zwei Aufgaben
Seit Anfang Jahr laufen nun die Arbeiten für das Freiwilligennetz. «Und da hatten wir einen richtigen Glücksfall», sagt Burkhalter.
Damit meint sie Angela Gander. Sie ist Baumas neue Beauftragte für Alters- und Freiwilligenarbeit.
Gander ist nämlich bereits in der Nachbargemeinde Fischenthal für ein ähnlich ausgestaltetes Freiwilligennetz zuständig. Sie bringt somit viel Erfahrung mit.
In ihrer Aufgabe in Bauma koordiniert sie aber nicht nur das Freiwilligennetz, sondern ist auch Anlaufstelle für Altersfragen. «Eine solche Stelle ist im Pflegegesetz vorgeschrieben», erläutert die Gemeinderätin.
Nicht nur für Senioren
Seit Anfang Jahr hat Angela Gander nun die nötigen Aufbauarbeiten fürs Freiwilligennetz geleistet. «Wir sind jetzt in den Startlöchern», sagt sie.
Wir müssen abklären, in welchen Bereichen sich die Freiwilligen einsetzen möchten.
Angela Gander
Beauftragte für Alters- und Freiwilligenarbeit
Nach einer Informationsveranstaltung im Februar haben sich rund 30 Personen gemeldet, die gerne für ihre Mitmenschen freiwillig etwas Gutes tun wollen.
Mit allen hat Angela Gander ein Erstgespräch geführt. «Wir müssen abklären, in welchen Bereichen sich die Freiwilligen einsetzen möchten, wann sie Zeit haben und wo ihre Stärken sind.»

Die meisten der Freiwilligen sind Frauen, viele sind im Pensionsalter. «Es hat aber auch jüngere berufstätige Leute dabei», betont Gander.
Die Hilfe dürfen nicht nur Seniorinnen und Senioren in Anspruch nehmen. «Auch Menschen vor dem Pensionsalter sind mal auf Unterstützung angewiesen.»
Keine Konkurrenz
Gander ist jetzt dafür zuständig, in Zukunft Helfer und Hilfesuchende zusammenzuführen.
In Bauma übernehmen die Freiwilligen Aufgaben in drei verschiedenen Einsatzbereichen. Es gibt den Besuchsdienst, die Nachbarschaftshilfe, die beispielsweise Hilfe beim Einkaufen oder bei kleineren Reparaturen beinhaltet, und den Fahrdienst.
Die meisten Angebote sind kostenlos. Für den Fahrdienst bezahlen die Klientinnen und Klienten innerhalb des Gemeindegebiets Bauma eine Pauschale, für längere Strecken werden die gefahrenen Kilometer berechnet.
Die Helfer sollen keine Auslagen haben.
Manuela Burkhalter (SVP)
Gemeinderätin von Bauma
«Wir wollen dabei bestehende Angebote ergänzen, nicht konkurrenzieren», betont Gander. So ist zum Beispiel für Fahrten zum Arzt weiterhin der Rotkreuz-Fahrdienst zuständig. «Wenn jemand danach fragt, werde ich natürlich den Kontakt vermitteln.»
Zudem hat sie den Austausch mit den Kirchen, der Pro Senectute und dem Frauenverein gesucht. «Es gibt schon ganz viele tolle Angebote in der Gemeinde.» Das Freiwilligennetz sei eine Ergänzung.
Absolute Verschwiegenheit
Für ihre Einsätze erhalten die Freiwilligen Spesen zurückerstattet. Ausserdem sind sie bei ihren Einsätzen versichert. Für Gemeinderätin Burkhalter ist klar: «Die Helfer sollen keine Auslagen haben.»
Für den Betrieb und den Aufbau des Freiwilligennetzes und der Anlaufstelle für Altersfragen sowie die Umsetzung von diversen weiteren Massnahmen aus dem Alterskonzept will der Gemeinderat bis Ende Jahr maximal 38’000 Franken ausgeben.
Auch ohne Entlöhnung sollen die Freiwilligen die Wertschätzung der Gemeinde spüren. So sind beispielsweise Dankesanlässe, Austauschtreffen und Weiterbildungen geplant.
Gleichzeitig müssen sich die Helferinnen und Helfer auch an Regeln halten. «Ganz wichtig ist die Schweigepflicht», erklärt Angela Gander. Die Helfer dürfen nichts nach aussen tragen.
Hilfe hat Grenzen
Anders sieht es bei den Klientinnen und Klienten aus. Hier ist Weitererzählen sogar gewünscht. Gander und Burkhalter hoffen, dass sich das Freiwilligennetz schnell herumspricht. «Für viele Leute ist die Hemmschwelle am Anfang noch, nach Hilfe zu fragen», meint die Projektleiterin. Mund-zu-Mund-Propaganda ist deshalb sehr wichtig.
Doch die Aufgaben der Freiwilligen haben auch Grenzen: «Wenn jemand dauerhaft auf Hilfe angewiesen ist, müssen andere Angebote ins Auge gefasst werden», betont Manuela Burkhalter. Beispielsweise die Spitex. Umgekehrt können Spitex-Angestellte bei Bedarf auch ans Freiwilligennetz verweisen.
So hoffen Gander und Burkhalter, dass das Freiwilligennetz in Bauma bald Fahrt aufnehmen wird – wie es in Fischenthal bereits der Fall war. «Die Flyer sind gedruckt, jetzt müssen wir das Angebot noch bekannt machen.»
Informationen
Die Anlaufstelle für Altersfragen und Freiwilligenarbeit ist Montag bis Freitag von 9 bis 12 Uhr und 14 bis 17 Uhr unter Telefon 052 397 70 57 erreichbar. Oder per E-Mail freiwilligenarbeit@bauma.ch.
Mehr Informationen findet man unter: www.bauma.ch/nachbarschaftshilfe sowie www.bauma.ch/fahrdienst
