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Die «Zuckerhäx» mags lieber salzig

Alessia Martina steht jeden Tag in der Küche, um zu backen. Die junge Mutter aus Neubrunn möchte nun ihr Hobby zum Beruf machen.

Alessia Martins aus Neubrunn will mit ihren Torten- und Cupcake-Kreationen den Sprung in die Selbstständigkeit wagen.

Foto: Bettina Schnider

Die «Zuckerhäx» mags lieber salzig

Kuchenkreationen aus Turbenthal

Alessia Martins steht jeden Tag in der Küche, um zu backen. Die junge Mutter aus Neubrunn möchte nun ihr Hobby zum Beruf machen.

Alessia Martins Küche sieht auf den ersten Blick aus wie jede andere. Ein Ofen, eine kleine Ablage, viele Schränke.

Doch was sofort ins Auge sticht, ist die Sauberkeit. «Ich muss meine Küche blitzblank halten, wenn ich hier auch für Kunden Kuchen backen will», erklärt die 34-Jährige.

Alessia Martins stellt nämlich in ihrer Wohnung im Turbenthaler Weiler Neubrunn auf Auftrag Torten und Cupcakes her. Sei es eine Einhorntorte für einen Kindergeburtstag oder Cupcakes, die aussehen wie Kakteen.

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Martins ist gerne kreativ. Sie machte eine Ausbildung zur Floristin und arbeitete danach mehrere Jahre in der Pflege.

Hilfe von Youtube

Das Kuchenhandwerk entdeckte sie schliesslich vor zwei Jahren für sich – durch Zufall. «Ich wollte für den zweiten Geburtstag meiner Zwillinge eine spezielle Torte kreieren», erzählt sie. So sei sie auf den Geschmack gekommen.

Sie begann, für Freunde und Familie Torten herzustellen, und entdeckte so ihre Leidenschaft. Frei nach dem Motto: Einfach ausprobieren.

Ein Bekannter, der ausgebildeter Bäcker und Konditor ist, hat ihr einige nützliche Tipps und Tricks verraten. «Von ihm habe ich auch viele Utensilien erhalten.»

Inspiration findet sie auch immer auf Youtube, in verschiedenen Back-Foren und auf der Kurzvideo-Plattform TikTok. «Da habe ich sehr viel gelernt.

Ehrliches Feedback

In der Zwischenzeit hat Martins ihre Stammrezepte gefunden. Zum Beispiel für gute Buttercreme. Sie musste sehr lange herumtüfteln, bis sie mit dem Ergebnis zufrieden war. Am Anfang war die Masse oft zu flüssig.

Ich will, dass meine Torten perfekt aussehen.

Alessia Martina

Tortenbäckerin aus Neubrunn

Aber auch jetzt probiert sie immer noch gerne Neues aus. «Kürzlich wollte ich ein Spinnennetz kreieren», erzählt sie. «Aus Marshmallows.» Das habe auch erst nach einigen Versuchen geklappt.

Die Neubrunnerin ist sehr streng mit sich. Mit guten Ergebnissen gibt sie sich nicht zufrieden.

«Ich will, dass meine Torten perfekt aussehen.» Deswegen tauscht sie sich oft mit ihrem Bekannten aus und fragt ihn nach seiner Meinung. «Er gibt mir immer ehrliches Feedback.»

Die Mutter modelliert, die Kinder kneten

Im vergangenen Jahr hatte die passionierte Bäckerin dann die Idee, dass sie ihre Backkunst nicht nur verschenken, sondern auch verkaufen könnte.

Diese Entscheidung hängt auch mit Veränderungen in ihrem Privatleben zu tun: Martins trennte sich letzten Frühling von ihrem Mann und ist jetzt alleinerziehende Mutter von fast vierjährigen Zwillingen. «Mit dem Verkauf von Kuchen könnte ich mir ein kleines Einkommen sichern», sagt sie.

https://www.instagram.com/p/Cl_XmxsqzeK/?utm_source=ig_web_copy_link

Ausserdem kann sie auch backen, wenn ihre Kinder zu Hause sind. Während die Kleinen in der Stube mit Knete spielen, modelliert die Mutter in der Küche Figuren aus Fondant, einem speziellen Zuckerguss.

Am liebsten stellt Martins Torten für Kinder und Teenager her. «Die sind richtig überladen, fast etwas kitschig. Das gefällt mir.»

Eine salzige Zuckerhexe

Seit sie für Kundinnen und Kunden backt, muss sie mehr Regeln einhalten. Dazu gehört nicht nur die Sauberkeit in der Küche.

«Ich habe getrennte Schränke und Ablagen für unsere Lebensmittel und diejenigen für Kundenaufträge», sagt sie. So wollen es die Vorschriften. Ausserdem musste Martins ihre Tätigkeit beim kantonalen Labor anmelden.

Ihrer Einzelfirma hat sie den Namen «Zuckerhäx» gegeben. Die Idee kam von ihrem Bruder. «An meinem Geburtstag habe ich im Familienkreis gefragt, welcher Name passend wäre», erinnert sie sich.

Dass dieser eine wichtige Backzutat enthält, ist nur schlüssig. Denn Zucker ist in Martins Kreationen wahrlich genug. Doch sie selbst ist keine Zuckerhexe. Im Gegenteil. «Ich mag eigentlich lieber Salziges», gesteht sie. Nach einem Stück Torte oder einem Cupcake habe sie meist genug.

Mund-zu-Mund-Propaganda

Nicht genug bekommen kann sie hingegen vom Kreieren ihrer Werke. Jeden Tag steht sie in der Küche. «Ich backe wirklich täglich.» Das meiste davon aber noch für die Familie und Freunde.

«Im Moment habe ich rund eine Handvoll Aufträge pro Monat», sagt Martins. Aber die Zahl möchte sie in Zukunft steigern.

Manchmal stehe ich bis zu sechs Stunden in der Küche.

Alessia Martins

Die wichtigste Form von Werbung ist für sie Mund-zu-Mund-Propaganda. Sie hat ausserdem einen eigenen Instagram-Account und wirbt in anderen sozialen Netzwerken für ihre Produkte.

Der Traum von der Backstube

Für einen dekorierten Cupcake bezahlt man bei ihr 5.50 Franken, für eine Torte sind die Preise nach Aufwand. Dabei muss man nicht die Kosten für die Zutaten und Materialien, sondern auch Martins Arbeit berücksichtigen.

In einer einzelnen Torte können viele Arbeitsstunden stecken. «Manchmal stehe ich bis zu sechs Stunden in der Küche», sagt Martins. «Schliesslich ist alles Handarbeit.»

Im Tösstal ist sie ihres Wissens die einzige Anbieterin von speziell dekorierten Torten und Cupcakes. Und sie hat einen Traum: Einst will sie nicht mehr in ihrer Küche in Neubrunn backen. «Wenn die Kinder etwas grösser sind, kann ich mir vielleicht eine eigene Backstube mieten.»

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