Fischenthaler Bankvater der ZKB erwacht auf der Bühne zum Leben
Theater über Johann Jakob Keller
Am 27. März würde Johann Jakob Keller seinen 200. Geburtstag feiern. Auf der Bühne lässt Theatermacher Matthias Peter den Vater der Zürcher Kantonalbank zu Wort kommen.
Johann Jakob Keller (1823-1903) ist einer der bedeutendsten Oberländer des 19. Jahrhunderts. Der Fischenthaler war Gemeindepräsident, Industrieller, Nationalrat – und er gilt als Vater der Zürcher Kantonalbank.
Am 27. März würde Keller seinen 200. Geburtstag feiern. Am kommenden Wochenende lässt der St. Galler Schauspieler Matthias Peter den Bankvater für einmal von seiner Geschichte erzählen.
Peter führt in Fischenthal, der Heimatgemeinde von Keller, und in Uster sein Theaterstück «Nöd lugg loh gwünnt» auf.
Den Aufbruchsgeist spüren
In einem Theatermonolog nimmt Peter die Rolle des Bankvaters ein, der zur Geisterstunde für einmal wieder das Wort ergreifen möchte – so wie er es zu Lebzeiten als Politiker oft getan hat. Keller steigt auf der Bühne aus seinem Porträt, das im Fischenthaler Ortsmuseum hängt.
«Man soll im Stück den Aufbruchsgeist des 19. Jahrhunderts spüren», sagt Peter zu seiner Rolle. «Schliesslich war Keller ein Kämpfer für eine nicht gewinnorientierte, kantonale Staatsbank.» Diese sollte der Landbevölkerung und den weniger reichen Gesellschaftsschichten den Zugang zu Bankgeschäften ermöglichen.
Ein spezielles Lebensmotto
Keller kam im Fischenthaler Ortsteil Lanzenmoos als Sohn eines Kleinbauern und Heimwebers zur Welt. Sein Vater wurde später Tuchhändler und Fabrikherr.
Als das Unternehmen in Schwierigkeiten geriet, musste der junge Johann Jakob seine Ausbildung abbrechen, um beim Wiederaufbau des Geschäfts zu helfen. Später gründete er ein Stickereiunternehmen, eine Spinnerei und Weberei – und startete seine politische Karriere.
Er wurde Gemeindepräsident, Bezirksrichter, Grossrat und Nationalrat. Dieser Werdegang unterstreicht das Lebensmotto von Keller: «Nöd lugg loh gwünnt!» Dieses gibt auch dem Stück von Matthias Peter den Namen.
Fürs Bankjubiläum
Peter hat das Theaterstück im Auftrag des Fischenthaler Ortsmuseums eigentlich für das 150-Jahr-Jubiläum der ZKB geschrieben. Dieses hätte 2020 mit zahlreichen Anlässen und Feiern stattfinden sollen. «Doch Corona hat uns einen Strich durch die Rechnung gemacht.»
Im Herbst 2021 konnte er das Stück nur in Fischenthal und Wetzikon öffentlich aufführen. «Dann kamen bereits neue Corona-Beschränkungen.»
Umso grösser ist bei Peter die Freude, dass er sein Werk erneut auf die Bühne bringen kann – zum 200. Geburtstag des Bankvaters. Insgesamt sind acht Aufführungen geplant, zwei davon im Oberland. «Ich habe das Stück seit den letzten Aufführungen ganz leicht angepasst», erzählt er. Zu viel verraten möchte Peter aber nicht.
Freizügige Briefe an Alfred Escher
Peter hat auch einen familiären Bezug zur Gemeinde Fischenthal. Er hat unter anderem eine Chronik über die Familie Peter von Stralegg verfasst. Ebenso hat er über die Gebrüder Jakob und Heinrich Senn geschrieben. Jakob Senn war ein bekannter Volksdichter.
Keller schreibt sehr freizügig seine Meinung.
Matthias Peter
Schauspier
«In den Tagebüchern der Brüder wird Keller immer wieder erwähnt», sagt Peter. Das habe ihm einige Ideen für sein Stück geliefert.

Doch die wichtigste Quelle für das Theaterstück waren Briefe zwischen Johann Jakob Keller und dem Zürcher Regierungsrat Alfred Escher (1819-1882). Keller bewunderte Escher zunächst – und kritisierte ihn später öffentlich für seine politische Macht. «Keller schreibt sehr freizügig seine Meinung», meint Peter zu den Briefen.
Nur etwas ist erfunden
Peter hat viel Zeit in die Recherche investiert. Sein Stück bezeichnet der Schauspieler und Publizist als historisch akkurat. Einzig die Sprechsituation hat Peter frei erfunden.
Denn Keller hält auf der Bühne nicht einfach ein Selbstgespräch. Er spricht auch zum Dichter Jakob Senn und zum Industriellen Johannes Schoch, die jedoch selber nicht zu Wort kommen. Ihre beiden Porträts hängen nämlich ebenfalls im Fischenthaler Ortsmuseum.
«Das hält das Stück lebendig», meint Peter. «So kann man richtig eintauchen in Kellers Zeit.»
Zwei Aufführungen in der Region
Matthias Peter spielt «Nöd lugg loh gwünnt» am Samstag, 25. März, um 19 Uhr im Gasthaus Blume in Fischenthal. Der Eintritt ist frei, es gibt eine Kollekte.
Am Sonntag, 26. März, findet um 10.30 Uhr eine Theatermatinee in der Stadt- und Regionalbibliothek Uster statt. Der Eintritt ist ebenfalls gratis.
