Die Frau an der Spitze des Spitals Uster
Sacha Geier
Seit dem 1. Januar hat der Spital Uster eine neue Verwaltungsratspräsidentin. Sie hat einen medizinischen Hintergrund und ist gleichzeitig Unternehmensberaterin.
Sacha Geier ist keine Frau, die um den heissen Brei herumredet. Die Verwaltungsratspräsidentin des Spitals Uster verwendet keine Floskeln, spricht nicht in blumigen Worten. Sie sagt über sich: «Ich bin sehr strukturiert und kann gut Prioritäten setzen.» Ihr Tag beginnt um 4.30 Uhr und endet gegen 22 Uhr.
Die 53-Jährige mit den langen Locken weiss, was sie will. Das war schon immer so. «Mir war bereits als Kind klar, dass ich Ärztin werden will», sagt sie. «Ich habe immer meine Puppen verarztet.» Sie lacht, wird aber gleich wieder ernst. Sie habe ihren Weg zielstrebig verfolgt – gegen den Willen des Vaters. Er fand, dieser Beruf sei nichts für Frauen.
Jobangebot aus den USA
Das Studium in Basel finanziert die gebürtige Münchensteinerin selbst. An den Wochenenden arbeitet sie beim Roten Kreuz, in den Winterferien begleitet sie Skilager. Sie macht den Facharzt sowohl in Anästhesie als auch in Intensivmedizin.
«Wenn man einen Partner an der Seite hat, der seinen Teil der Verantwortung übernimmt, ist alles möglich.»
Sacha Geier über Arbeitsteilung in der Kindererziehung
Zwei Jahre nach ihrer klinischen Ausbildung zieht sie weiter nach New York, wo sie vor allem in der Herzanästhesie tätig ist. Ihr Mann, ein Maschineningenieur, begleitet sie. Das warfür Geier der richtige Moment zum Heiraten.
Es ist eine Entscheidung, die sie nie bereut. «Er ist die Liebe meines Lebens», sagt sie. Nächstes Jahr sind sie seit 30 Jahren zusammen, ihre gemeinsame Tochter wird dieses Jahr 12. Geier muss sich nie zwischen Kind und Karriere entscheiden. «Wenn man einen Partner an der Seite hat, der seinen Teil der Verantwortung übernimmt, ist alles möglich.»
Betriebswirtschaftlichen Ausbildung
Nach zwei Jahren in den Staaten kehrt das Paar zurück. Als Oberärztin im Berner Inselspital fällt ihr immer mehr auf, wie gross der Graben zwischen der Verwaltung eines Spitals und dem medizinischen Fachpersonalist.«Wir verstehen uns nicht, sprechen nicht die gleiche Sprache.» Diese Lücke will sie schliessen. Also absolviert sie berufsbegleitend eine Ausbildung in Betriebswirtschaft.
«Das half mir, die Verwaltung besser zu verstehen», sagt sie heute. Bei ihrer anschliessenden Tätigkeit als Chefärztin im Kantonsspital Glarus kommt ihr das entgegen. So habe sie dazu beitragen können, das Kantonsspital Glarus in eine AG umzuwandeln.

Vier Jahre später macht sich Geier selbständig und gründet ihre Firma «Next Change». Mit dieser berät sie Betriebe des Gesundheitswesens und propagiert dabei das sogenannte Change und Lean Management, zu Deutsch «schlankes Managament».
Entgegen der weit verbreiteten Auffassung, dass es dabei einzig um Kosteneffizienz geht, sagt Geier: «Sparen ist nicht das höchste Ziel.» Vielmehr gehe es um eine Zusammenarbeit aller Abteilungen, um gemeinsame Werte, ein gemeinsames Führungsverständnis und den Patienten als Kunden.
Von Heiden nach Zürich
Die eigene Firma rückt vorübergehend etwas in den Hintergrund, als Sacha Geier 2017 als Direktorin in die Klinik am Rosenberg in Heiden berufen wird. Sie übernimmt in turbulenten Zeiten: Das 15-köpfige Orthopäden-Team hatte geschlossen die Klinik gewechselt, ausserdem hatten mit einer Ausnahme alle Anästhesieärzte gekündigt. Die Fallzahlen lagen einen Drittel unter den Höchstzahlen. Geier schafft den Turnaround.
«Hier wird im Operationssaal nicht rumgeschrien. Das ist in dieser Branche keineswegs eine Selbstverständlichkeit.»
Sacha Geier
Nach zweieinhalb Jahren wechselt sie als medizinische Direktorin in die Klinik Hirslanden, führt mit der Corona-Taskforce durch die Pandemie und nutzt die Zeit, um die Klinik zu digitalisieren.
Anfang 2022 beschliesst sie, die Hirslandengruppe zu verlassen und sich wieder vermehrt ihrer Firma zu widmen und auch mehr Verwaltungsratsmandate anzunehmen. Dafür hatte sie im 2017 extra den CAS Verwaltungsrat an der HSG St. Gallen gemacht.
Heute sitzt Sacha Geier in vier Verwaltungsräten, seit dem 1. Januar ist sie Verwaltungsratspräsidentin des Spitals Uster, das sie vorher kaum gekannt hat. In den ersten Wochen ihrer Tätigkeit sei sie fast täglich hier gewesen, habe viele Gespräche geführt. «Ich will verstehen, was dieses Spital ausmacht, was seine Geschichte ist, wo wir stehen.»
Positiver Umgangston
Von der hiesigen Unternehmenskultur ist sie begeistert. «Es ist das erste Mal, dass ich sehe, dass der Chefarzt Anästhesie zusammen mit dem Chefarzt Innere Medizin und dem Chefchirurgen Hand in Hand arbeiten.»
Ausserdem lobt sie die Motivation der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und den Umgangston. «Hier wird im Operationssaal nicht rumgeschrien, man ist freundlich miteinander. Das ist in dieser Branche keineswegs eine Selbstverständlichkeit.»
Aber auch in Uster sei das medizinische Personal an der Grenze seiner Belastbarkeit angelangt. «Ich verstehe, dass das Gesundheitspersonal die Nase voll hat», sagt Geier. «Wichtig ist, dass auch die Mitarbeitenden in die Zukunft miteinbezogen werden. Sie wissen, wo das Unternehmen krankt und sollen mitgestalten dürfen.»
Zur strategischen Ausrichtung des Spitals Uster und zur Zusammenarbeit mit anderen Kliniken will sich Geier noch nicht äussern. Klar ist: Der Kanton fordert vom Spital Uster bis zum 31. Mai 2025 den Nachweis einer nachhaltigen Kosteneffizienz und Wirtschaftlichkeit. Der Kostendruck wird noch zunehmen, die Prozesse müssen weiter optimiert werden.
Einsatz von künstlicher Intelligenz
ine Hilfe sieht Sacha Geier im Einsatz von künstlicher Intelligenz. «Im Hirslanden haben wir etwa ein Monitoringtool eingeführt, das Alarm schlägt, wenn sich ein sturzgefährdeter Patient im Bett bewegt», erzählt sie. «So muss das Personal nicht ständig zur Kontrolle in dieses Zimmer, sondern nur, wenn Gefahr droht.» Dies erlaube es, die Fachkräfte dort einzusetzen, wo sie auch wirklich benötigt werden.
Als Ärztin praktiziert Geier seit über zehn Jahren nicht mehr. Fehlen tut es ihr nicht. «Ich habe in den USA so viele Nachtschichten geleistet das reicht für ein ganzes Leben.» Alles habe seine Zeit. «Ich war zuerst klinische Ärztin, dann habe ich Spitäler geführt und jetzt abreite ich als professionelle Verwaltungsrätin.»
Es ist der Ort, an dem sie denkt, momentan am Meisten erreichen zu können. «Wir haben in der Schweiz ein gutes Gesundheitswesen und müssen ihm Sorge tragen.» Zum Schluss betont sie, dass ihr Leben nicht nur aus Arbeit bestehe. «Ich verbringe Zeit mit meiner Tochter, ich reise sehr gern, koche, tanze zusammen mit meinem Mann Salsa, betreibe viel Sport, lese und spiele Klavier.»