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Ein Tösstaler ist Herr über das Eisfeld der Zürcher Swiss Life Arena

Eismeister Markus Frauenknecht arbeitet für die ZSC Lions. Sein Herz schlägt aber für einen anderen Club.

Die Zamboni hat es Frauenknecht besonders angetan.

Foto: Bettina Schnider

Ein Tösstaler ist Herr über das Eisfeld der Zürcher Swiss Life Arena

Eismeister Markus Frauenknecht

Am Steuer der Eismaschine im neusten Eishockey-Stadion der Schweiz sitzt ein Sternenberger. Markus Frauenknecht sorgt dort seit Herbst für ideal präpariertes Eis. Auch wenn er in der ZSC-Arena arbeitet: Sein Herz schlägt für einen anderen Klub.

«Mit 60 Jahren noch einen Nati-A-Vertrag unterschreiben, das kann nicht jeder von sich behaupten», scherzt Markus Frauenknecht, während er mit schnellen Schritten durch die Katakomben der Swiss Life Arena in Zürich Altstetten läuft.

Das Eishockeystadion ist erst letzten Oktober eröffnet worden. Seit dann arbeitet Frauenknecht hier als Eismeister – und damit auch für den National League Club ZSC Lions. «In der modernsten Eishockey-Arena Europas», ergänzt er sofort – der Stolz ist ihm dabei deutlich anzuhören.

Seine neue Stelle beschert dem Sternenberger immer wieder Herausforderungen: «Als ich zum ersten Mal in der neuen Arena bei einem ZSC-Spiel das Eis reinigen musste, war ich schon etwas angespannt», gesteht er.

«Eine wichtige Aufgabe»

Und das, obwohl der gelernte Maurer und ehemalige Lastwagenchauffeur seit über 22 Jahren als Eismeister tätig ist. Zuerst in Wetzikon, später in Dübendorf. Dort war er zuletzt sogar Betriebsleiter.

«Aber 12’000 Plätze hatte es in Wetzikon und Dübendorf halt nicht.» Frauenknecht will es deshalb an wichtigen Spielen besonders gut machen. «Es gibt wohl nichts Schlimmeres, als wenn die Schiedsrichter das Eis nach der Pause nicht gleich freigeben können, weil es noch zu nass ist.» Das heisst, die Reinigung verlief nicht wie geplant.

Und wenn während einem Spiel ein Bandenelement kaputtgeht, steigt der Puls schnell an. Denn auch dann sind die Eismeister gefragt: «Wir müssen das dann möglichst schnell reparieren, während alle Augen und Kameras im Stadion auf uns gerichtet sind.»

Das sei nicht immer einfach. «Gehört aber einfach dazu», relativiert er. «Wir haben eine wichtige Aufgabe.»

Auch im Sommer

In Zürich arbeitet Frauenknecht nicht nur bei Spielen der ersten Mannschaft. Insgesamt sechs Eismeister sind in der Arena tätig, die zwei verschiedene Eisfelder umfasst.

Man sieht einen Mann bei der Eisreinigung.
Markus Frauenknecht arbeitet seit letztem Herbst als Eismeister in der Swiss Life Arena der ZSC Lions.

Das Aufgabengebiet der Eismeister ist breit. «Wir sind nicht nur für das Eis und die Banden zuständig, sondern auch für den Unterhalt der Maschinen», erklärt er. Ebenso übernehmen sie kleinere Reparaturarbeiten, beispielsweise an den Sitzen.

Und auch im Sommer haben Eismeister zu tun. «Vielleicht ist es dann etwas ruhiger, aber die Anlage muss trotzdem unterhalten werden.»

Eine spezielle Maschine

Doch die Hauptaufgabe bleibt, für gutes Eis bei Trainings und Spielen zu sorgen. Und natürlich: Das Reinigen der Eisfläche mit der Maschine. Diese trägt die obere Eisschicht ab und sorgt mit frischem Wasser dafür, dass wieder eine glatte Oberfläche entsteht.

Drei solche Maschinen stehen in den Katakomben der Swiss Life Arena. Eine davon, für Laien unscheinbare weisse Eisbearbeitungsmaschine, hat es Frauenknecht besonders angetan. «Das ist jetzt eine echte Zamboni», erklärt er fachmännisch, während er daneben steht und auf die Plakette an der Maschine zeigt.

«Der Begriff Zamboni wird oft falsch für einfach irgendeine Eismaschine verwendet», betont er mit Nachdruck. Dabei bezeichnet er nur Maschinen des gleichnamigen amerikanischen Herstellers. «In Nordamerika sind sie weit verbreitet. In der Schweiz und in Europa leider fast eine Seltenheit.»

Die Zamboni ist einfach Kult.

Markus Frauenknecht

Eismeister

Auch in der Swiss Life Arena wird Frauenknechts geliebte Zamboni nicht sehr oft eingesetzt. «Es ist eher eine Maschine für den Notfall», sagt er. Sie sei schon etwas älter und deshalb «sehr mechanisch». Auch der Unterhalt sei technisch anspruchsvoll.

Das stört Frauenknecht nicht, im Gegenteil. «Die Zamboni ist einfach Kult», schwärmt er. Anfang Februar durfte er sie sogar für die Eisreinigung bei einem Länderspiel der Schweizer Hockey-Nati gegen Finnland verwenden. «Das war ein spezieller Moment.»

Sein Herz schlägt für einen anderen Club

Dass Frauenknecht heute als Eismeister arbeitet, ist kein Zufall. Er ist schon seit seiner Kindheit grosser Eishockeyfan. Doch das ZSC-Lions-Logo auf seinem roten Arbeitspulli erzählt nicht die ganze Wahrheit. «Natürlich unterstütze ich den ZSC», sagt er diplomatisch. «Aber mein Herz schlägt seit meiner Jugend für den EHC Biel.»

Einen persönlichen Bezug zum Seeland hat er aber nicht. Frauenknecht ist in Auslikon aufgewachsen. «Mein Bruder war Langnau-Fan», erinnert er sich. Und als Biel 1975 den Aufstieg schaffte, habe er ihm gesagt: «Das sind jetzt die Besten.» Seither ist die Fan-Liebe besiegelt.

«Ich wollte deshalb auch unbedingt an einem Spiel gegen Biel im Einsatz sein», erklärt er. Auch an diesem trug er seinen roten Lions-Hoodie. «Darunter hatte ich aber natürlich ein Biel-T-Shirt an.»

Der Traum von Nordamerika

Die Arbeitstage in der Arena können lang werden. Manchmal muss über Nacht fast das ganze Eis abgetragen und neu aufbereitet werden. «Damit es nicht trüb wird und man die Werbung gut sieht», erklärt der Eismeister.

Ausgleich zu dieser oft anstrengenden Arbeit in Zürich findet Frauenknecht zu Hause in Sternenberg. Hier wohnt er seit 19 Jahren und spielt unter anderem Alphorn in der Alphorngruppe Sternenberg.

Ausserdem ist er seit seiner Jugend passionierter Amateurfunker. 2004 hat er dafür sogar eine Prüfung abgelegt. Und darf damit in die ganze Welt funken.

Man sieht einen Mann beim Funken auf einem schneebedeckten Berg.
In seiner Freizeit ist Frauenknecht Funker, manchmal auch von einem Berggipfel.

«Es ist natürlich ein tolles Erlebnis, wenn man es bis nach Australien schafft», sagt er. Dabei sollte Frauenknecht eigentlich versuchen, nach Kanada oder in die USA zu funken – vielleicht zu einem anderen Eismeister.

Denn er hat einen grossen Traum: «An einem NHL-Spiel das Eis zu reinigen, natürlich mit einer Zamboni.» Wie realistisch dieser Wunsch ist, will Frauenknecht aber nicht einschätzen.

Doch auch in der Swiss Life Arena steht in gut drei Jahren ein Ereignis an, auf das sich der Sternenberger jetzt schon freut. Die Eishockey-WM 2026, die in Zürich und Fribourg ausgetragen wird. «Das wird dann mein letzter grosser Einsatz vor der Pensionierung.»

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