Turbenthaler Dorfsammlung wird zum regionalen Museum
Geschichte des Tösstals bewahren
Im Schaudepot Risi lagern wichtige Gegenstände aus der Geschichte Turbenthals. Bald wird die Sammlung grösser – und öffentlich zugänglich.
Ein alter Feuerwehreimer aus Leder oder ein schön bemaltes Doppelbett: Das sind nur zwei von gut 3000 Objekten, die der Museumsverein Turbenthal im Depot in der ehemaligen Zivilschutzanlage Risi lagert.
«In den letzten drei Jahren haben wir die Sammlung saniert und unsere Objekte ins künftige Schaudepot gebracht, erklärt Anne Caroline Liechti. Die Museumsfachfrau ist seit 2020 für die Sammlung zuständig.
Die Gegenstände werden hier nach Themen geordnet, inventarisiert und eingelagert.«Wir gehen nach dem neu erstellten Sammlungskonzept vor», sagt Liechti. «Dabei müssen wir teilweise auch Objekte aus der Sammlung entlassen.» Dies geschehe, wo immer möglich, in Rücksprache mit der Person, die das Objekt einst übergeben habe.
Eine regionale Sammlung
Konkret heisst das, die Sammlung soll Objekte zu drei Oberthemen beinhalten. Es geht um die Ortsgeschichte von Turbenthal, die wirtschaftliche Entwicklung der Region und die Sozialgeschichte des Tösstals.
Denn die Sammlung im Schaudepot Risi soll bald nicht mehr nur Objekte aus Turbenthal beheimaten. «Ziel ist, dass die Sammlung regionaler ausgerichtet wird», erklärt Liechti.
Im Depot Risi, das der Museumsverein selber renoviert hat, braucht er nicht den ganzen Platz für seine Sammlung. «Deshalb können wir hier auch anderen Museen Räume zur Verfügung stellen», sagt Liechti.
Bei Bedarf hilft die Museumsfachfrau, die Objekte korrekt zu lagern und zu inventarisieren. «Möglich ist Unterstützung beim Strukturieren und Inventarisieren der Sammlungen, sowie beim Einlagern im Schaudepot.»
Fast eine ganze Schuhmacherei
Der Museumsverein Turbenthal kürzlich vom Kanton für das Projekt rund 90’000 Franken als Beitrag für ein sogenanntes Transformationsprojekt erhalten. Diese Gelder waren Teil der Corona-Hilfen für Kulturinstitutionen und sind dazu da, sich strukturell neu auszurichten und Publikum zu gewinnen.
Das Depot Risi soll nämlich nicht einfach eine geschlossene Sammlung bleiben. Schon lange ist klar, dass daraus ein «Schaudepot Tösstal» wird, das an bestimmten Tagen für Interessierte geöffnet wird. Auch Führungen für Gruppen und Workshops Schulklassen sind vorgesehen.

Im September ist die Eröffnung geplant. «Wir wollen Geschichte greifbar machen», sagt Liechti. Deshalb sei es auch so wichtig, nicht einfach wahllos möglichst viele Einzelstücke zu sammeln.
«Wir haben beispielsweise viele Objekte aus einer ehemaligen Schuhmacherei – fast eine ganze Werkstatt», erzählt sie. «Damit wird es möglich sein, in den Arbeitsalltag des Schuhmachers vor achtzig Jahren einzutauchen.»
Bessere Vernetzung
Um diese regionale Objektsammlung zu koordinieren, hat Wolfgang Wahl das Forum Tösstaler Kulturerbe ins Leben gerufen. Der Historiker und Präsident der Ortsmuseumskommission will, dass sich Kulturinstitutionen besser vernetzen.
«Es geht aber nicht nur um die Sammlung im Depot Risi, sondern auch um einen Austausch von Informationen, anstehenden Projekten und Tipps», erklärt er. Die erste Sitzung des Forums ist Mitte Februar geplant.
Die Tösstaler Geschichte kann man nicht verstehen, wenn man nur das Tösstal anschaut.
Wolfgang Wahl
Präsident Ortsmuseumskommission Wila
Dazu gehören Tösstaler Institutionen wie der Museumsverein Turbenthal, die Ortsmuseumskommission Wila, die Chronikkommission Bauma und die Arbeitsgruppe Ortsmuseum Fischenthal.
Nicht dabei sind die Gemeinden Wildberg und Zell. «In Wildberg gibt es keinen Verein oder eine Kommission, die sich mit der Ortsgeschichte befasst», erklärt Wahl. Und die Gemeinde Zell sieht sich bei der Kulturzusammenarbeit als Teil der Region Winterthur.
Nicht nur im Tösstal
«Aber die Tösstaler Geschichte kann man nicht verstehen, wenn man nur das Tösstal anschaut», betont Wahl. Deshalb sind auch die Institutionen aus Hittnau, Bäretswil, Weisslingen und Wald in der Gruppe vertreten.
Wolfgang Wahl hofft, dass durch das Forum mehr Synergien zwischen den Institutionen genutzt werden können. Auch für künftige Ausstellungen.
Er hat da bereits eine Idee: «Als Nächstes auf dem Plan steht eine Ausstellung zu Bernern im Tösstal.»
Das Tösstal und das Zürcher Oberland waren vor über 100 Jahren nämlich Einwanderungsgebiet von Bernern, weil das dortige Erbrecht nicht allen ein Auskommen ermöglichte, Land und Höfe im Oberland billig waren und gute Käser Arbeit fanden.
Welche Familien und Schicksale waren damit verbunden? Und wie ist die Situation heute? «Hier wollen wir zusammen forschen und das Gefundene vermitteln.»
