Migros Bauma spendet kaum mehr Lebensmittel für Bedürftige
Verein stellt Verteilaktion ein
Der Verein «Aufgetischt statt weggeworfen» kann keine Lebensmittel mehr in Bauma verteilen. Er erhält nicht mehr genügend Ware von der Migros.
Seit 2019 verteilt der Verein «Aufgetischt statt weggeworfen» (ASW) übriggebliebene Lebensmittel an Armutsbetroffene. Jeden zweiten Montagabend konnten rund 20 Personen diese beim Alten Landi abholen. Der grösste Teil der Ware ging an Familien.
Doch damit ist jetzt Schluss. «Wir mussten die Verteilaktionen einstellen, da wir schlichtweg nicht mehr genügend Lebensmittel hatten, damit sich der freiwillige Einsatz lohnt und die Bezüger auch etwas davon haben», sagt Karin Götz. Sie ist Regionalleiterin von ASW Bauma/Tösstal und sitzt ausserdem im Baumer Gemeinderat (parteilos).
Der Verein hat bisher regelmässig Lebensmittel von der Bäckerei Voland, Natürli Saland und der Migros Bauma bezogen. «Im Sommer hat der Filialleiter der Migros gewechselt und auf einmal hatten wir viel weniger Lebensmittel zum Verteilen», erläutert Götz.
Auf Anfrage habe die Migros dem Verein mitgeteilt, dass es fast keine Lebensmittel zum Spenden gebe. «Das ist für uns schwer nachvollziehbar.»
99 Prozent der Lebensmittel verkauft
Die Genossenschaft Migros Ostschweiz hingegen verteidigt die Filiale. «In der Migros Bauma ist die Menge an Lebensmitteln, die bis zum Erreichen des Haltbarkeitsdatums nicht verkauft werden konnte, dank sehr guter Sortiments- und Mengenbewirtschaftung seit einiger Zeit stark rückläufig», erklärt Mediensprecher Andreas Bühler.
Das sei ein Verdienst des Filialleiters und seiner Mitarbeitenden. «Das Team der Migros Bauma erzielt damit einen Spitzenplatz im Vergleich aller Migros-Filialen in der Ostschweiz», erklärt er.
Dass die Lebensmittel nun im Abfall statt bei «Aufgetischt statt weggeworfen» landen, bestreitet er. «Insgesamt können fast 99 Prozent all unserer Lebensmittel verkauft, an Mitarbeitende abgegeben oder an gemeinnützige Organisationen gespendet werden.»
Keine Alternative
Bei Karin Götz bleibt die Skepsis trotzdem. Sie betont, dass sie nicht vom Grossverteiler erwarte, dass er extra Lebensmittel für den Verein produziere. «Wir nehmen natürlich das, was übrig bleibt.»
Es gehe darum, Foodwaste zu reduzieren und bedürftige Menschen zu unterstützen. «Dass wir nun fast gar nichts mehr erhalten, erscheint uns einfach etwas komisch», sagt Götz.
Die Lebensmittel in anderen Gemeinden zu beziehen, sei für den Verein keine Option: «Da ist der Aufwand viel zu gross.»
Eine Zusammenarbeit mit den übrigen Läden in Bauma sei ebenfalls nicht möglich. «Denner hat uns sporadisch Waren geben können, ist jedoch zu klein und Volg hat ein anderes Konzept.»
Für die betroffenen Personen sei das Wegfallen von «Aufgetischt statt weggeworfen» deshalb ein herber Verlust. «Es gibt in Bauma kein vergleichbares Angebot und die meisten unserer Bezügerinnen und Bezüger haben kein Auto», erklärt die Regionalleiterin.
Eine Karte für Bedürftige
Die Bäckerei Voland, die bisher ebenfalls Lebensmittel an «Aufgetischt statt weggeworfen» gespendet hat, möchte ihr Engagement aber fortsetzen – vorerst ohne den Verein.
«Wir haben uns schon vor Jahren überlegt, ob wir nicht eine eigene Karte abgeben wollen», sagt Inhaber René Schweizer. Damit könnten Personen mit wenig Geld kurz vor Ladenschluss Brot zu stark vergünstigten Preisen beziehen.
Leider sei es nicht so einfach, die Bedürftigkeit von Personen abzuklären. «Wir müssen natürlich schauen, dass auch die Richtigen eine solche Karte erhalten.»
Doch Abklärungen hierzu laufen. Ob und wann Voland die Karte einführen kann, weiss Schweizer noch nicht.
Weniger Foodwaste
Für den Voland-Geschäftsführer hat die vergünstigte Abgabe von Lebensmitteln zwei Vorteile: «Zum einen können wir einen Beitrag für ärmere Menschen leisten und verringern gleichzeitig Foodwaste.»
Letzteres störe den Bäckermeister besonders: «Mich reuen weggeworfene Lebensmittel.»
Deshalb bietet er auf der App «Too Good To Go» in allen Filialen vergünstige Überraschungspäckli an, die kurz vor Ladenschluss abgeholt werden können. Die Filialen in Laupen und Wald spenden ausserdem Lebensmittel an «Tischlein deck dich».
Coop als neue Chance?
Möglicherweise kann auch die Bäckerei Voland dereinst wieder mit «Aufgetischt statt weggeworfen» zusammenarbeiten. «Wir haben die Verteilaktion im Moment eingestellt, doch den Verein lösen wir noch nicht auf», betont Regionalleiterin Karin Götz.
Sie hofft, dass in naher Zukunft wieder Lebensmittel an Bedürftige aus Bauma verteilt werden können. «Vielleicht können wir dann ja mit Coop zusammenarbeiten», hofft sie. Doch wann der neue Laden in Bauma fertig ist, steht noch in den Sternen.
