Sie wollen Fischenthal zum Secondhand-Paradies machen
Pop-up in Gibswil
Aurélie Calland Mischler und Ursula Kägi haben in Gibswil einen Secondhandladen eröffnet. Ob der grossen Nahfrage sind sie nicht überrascht.
Ursula Kägi staunte nicht schlecht, als sie Ende Jahr Bekannten beim Umzug einer Wohngemeinschaft half. «Die hatten so viele Kleider, die sie loswerden wollten.» Oft auch Ungetragenes. «Und sie hätten sie fast weggeworfen.»
Die Gibswilerin entschied sich, die Kleider zu sich zu nehmen, um sie zu verkaufen. Schnell stellte Kägi fest, dass sie gar nicht genügend Kleiderständer für die ganze Ware hatte. So fragte sie ihre Bekannte Aurélie Calland Mischler um Hilfe.
Diese hatte einen Kleiderständer – und gleichzeitig auch eine Idee. «Ich wollte mithelfen, die Ware zu verkaufen.»
Ladenlokal statt Facebook
Zuerst dachte Calland Mischler sie könne das auf einer Online-Plattform machen. Doch als sie die ganzen Kleider sah, hatte sie auf einmal einen anderen Plan. «Wir könnten einen eigenen kleinen Secondhandladen eröffnen.»
Und zwar im «Drossli». So heisst das Beizli in Gibswil, das Ursula Kägi mit ihrem Mann seit 20 Jahren betreibt.
Gesagt, getan. Immer dort, wo einmal in der Woche das «Friitigsbeizli» stattfindet, stehen an den Verkaufstagen nun Kleiderständer zwischen den Tischen. Der Raum nebenan ist ebenfalls voll mit Oberteilen, Hosen oder Schuhen.
Die Preise sind moderat. So kostet zum Beispiel eine Jeans 15 Franken, eine Bluse 10 oder ein Mantel 29.
«Bisher haben wir nur Kleider für Frauen, das Meiste in Grösse 42 und 44», sagt Kägi. Einen grossen Teil der Waren stammt immer noch vom Umzug der WG. Calland Mischler hat ebenfalls noch einige Stücke beigesteuert.
Von Kopf bis Fuss eingekleidet
Kurz vor Weihnachten hat der Secondhandshop im «Drossli» zum ersten Mal die Türen geöffnet. Viel Zeit für Werbung blieb ihnen nicht. «Wir haben auf Whatsapp in unserem Status informiert und in der Gegend Flyer verteilt», sagt Calland Mischler.
Angst, dass niemand erscheinen würde, hatten sie nicht. «Aber wir wussten nicht, wie viele Leute tatsächlich kommen.»
Und auf einmal stand die Kundschaft vor der Tür. «Die ersten beiden Frauen haben wir gerade von Kopf bis Fuss eingekleidet», erinnert sich Kägi lachend. «Beraten im eigentlichen Sinn tun wir nicht, aber wir helfen gerne weiter.»
Bisher haben die beiden Frauen ihren Laden schon mehrmals geöffnet. Manchmal am Dienstag- oder Donnerstagnachmittag, manchmal am Samstag. Den Plan geben sie jeweils vorgängig auf der Website der Gemeinde bekannt.
«Selten neue Kleider gekauft»
«Wir sind sehr zufrieden bisher», resumiert Calland Mischler. «Einmal waren sogar schon sechs Frauen gleichzeitig hier.» Die meisten Kundinnen kommen aus der Gegend und finden dank Mund-zu-Mund-Propaganda ins «Drossli».
Das zeigt den beiden Frauen, dass Secondhandkleidung auch im Oberland im Trend liegt. «‹Vintage› ist im Moment sehr beliebt», sagt Calland Mischler. «In den Städten merkt man das schon seit Jahren.» Sie freut sich, dass sie mit ihrem Laden einen Beitrag zur Nachhaltigkeit leisten kann.
Für Ursula Kägi ist secondhand ohnehin nichts Neues. «Ich habe eigentlich selten neue Kleider gekauft, auch für meine Kinder nicht.» Überrascht ist sie deshalb nicht ob der grossen Nachfrage. «Es ist ja alles gute Ware.»
Ein neuer Laden für Fischenthal
Im Moment nehmen die beiden Frauen keine neuen Kleider an und verkaufen das, was sie haben. Doch Aurélie Calland Mischler hat bereits grosses Pläne.
Das Verkaufslokal im «Drossli» ist nämlich nur temporär. Ab April will Kägi den Raum wieder für Anlässe nutzen.
Calland Mischler möchte dann einen eigenen Secondhandladen eröffnen. Sie hat bis vor kurzem in einem Hort gearbeitet.
Jetzt will sie den Sprung in die Selbstständigkeit wagen. Ursula Kägi wird sie, wenn immer möglich, dabei unterstützen.
Im Moment sucht Calland Mischler aber noch nach einem geeigneten Ladenlokal. Sie hofft, dass sie im Frühling eröffnen kann. «Der neue Laden soll vor allem Kleider für Teenager und Erwachsene verkaufen», stellt sie sich vor.
Sie ist überzeugt, dass sie damit erfolgreich werden kann. «Der Verkauf hier hat gezeigt, dass die Nachfrage nach Secondhandkleidung auch in der Gemeinde Fischenthal gross ist.»