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«Wertschätzung und Vertrauen sind ganz zentrale Punkte»

Berate Marcel Schutte ist überzeugt, dass Unternehmen Lösungen für den Fachkräftemangel finden können.

Foto: Raj Rana/PD

«Wertschätzung und Vertrauen sind ganz zentrale Punkte»

Experte über Fachkräftemangel

Unternehmen sollen mehr auf ihre Angestellten hören – ohne falsche Versprechen zu machen. Das ist für den Wetziker Unternehmensberater Marcel Schutte ein Weg, um den Fachkräftemangel zu lösen.

Herr Schutte, der Fachkräftemangel scheint auf dem Sorgenbarometer der lokalen Unternehmer ganz weit oben zu sein. Haben sie überhaupt Spielraum, etwas dagegen zu unternehmen?

Es ist sicher so, dass Firmen sich wandeln müssen, damit sie für Arbeitnehmer attraktiv bleiben. Sei es durch Flexibilität im Arbeitsmodell oder mehr Möglichkeiten für Teilzeitarbeit oder Homeoffice. Aber das kann natürlich nicht jedes Unternehmen im gleichen Umfang umsetzen.

Für Fahrpersonal ist Homeoffice genauso wenig möglich wie flexiblere Arbeitszeiten für Pflegefachpersonen im Schichtbetrieb.

Als Arbeitgeber kann man nicht alle Wünsche erfüllen. Aber das ist auch nicht nötig. Viel wichtiger ist, dass man die Anliegen der Mitarbeitenden abholt und ernst nimmt. Das geht auch beim öffentlichen Verkehr oder im Pflegeberuf. Vielleicht besteht zum Beispiel der Wunsch, dass eine Vollzeitstelle auf vier Tage verteilt wird.

Haben Unternehmen zu lange nicht auf ihre Mitarbeitenden gehört?

Das stimmt so sicher nicht. Aber es standen wohl einfach andere Themen im Fokus. Nun gilt es, einen Wandel herbeizuführen. Das Personalwesen muss als strategischer Partner der Geschäftsleitung in jeder Unternehmung fest verankert sein und nicht nur als Administrator gesehen werden. In enger Zusammenarbeit mit der Geschäftsleitung muss mit einem passenden Retention-Management dafür gesorgt werden, dass Mitarbeitende beim Unternehmen bleiben. Denn das ist ein erster wichtiger Ansatz, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken.

Und wie schafft man das?

Die Unternehmen müssen für sich definieren, welche Mittel der Mitarbeiterbindung zur Unternehmenskultur passen. Wertschätzung und Vertrauen sind aus meiner Sicht ganz zentrale Punkte. Beim Bewerbungsprozess ist es zudem wichtig, transparent zu sein. Man muss als Unternehmen nichts vorgeben, was nicht der eigenen Kultur entspricht, nur um Kandidaten zu gewinnen. Das sorgt für unnötige Enttäuschungen, so verliert man die Mitarbeitenden wieder. Wir sind heute in einem Arbeitnehmermarkt, in vielen Branchen können sich die Angestellten ihre Arbeitgeber aussuchen. Da ist es wichtig, einen guten und authentischen Ruf zu haben.

Heisst das, die Arbeitnehmenden diktieren ihre Arbeitsbedingungen?

Darauf sollte es nicht hinauslaufen. Ein Unternehmen kann auch attraktiv sein, ohne dass es alle Wünsche der Mitarbeitenden erfüllt. Ausserdem haben nicht alle Menschen dieselben Bedürfnisse. Es muss zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer passen, es gilt den richtigen sogenannten Cultural Fit zu finden. Manchmal kommt es leider vor, dass Unternehmen Versprechungen machen, die sie gar nicht einhalten können, nur weil sie händeringend nach Fachpersonen suchen. Das ist nicht zielführend und nachhaltig.

Können Unternehmen auch noch anders auf den Fachkräftemangel reagieren?

Die Wirtschaftslage ist unsicher und niemand weiss, was die Zukunft bringt. Der Fachkräftemangel wird jedoch durch Pensionierungen bleiben. Wenn die Unternehmen jetzt nicht diesen Wandel durchlaufen und Strategien erarbeiten, stehen sie später wieder vor demselben Problem und finden keine Fachpersonen.

Zur Person: Marcel Schutte ist Geschäftsführer der Gut Personal Consulting GmbH in Wetzikon. Diese ist spezialisiert auf die Suche von qualifiziertem Fach- und Führungspersonal sowie auf Business- und Karriere Coaching.

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