Bezirk Hinwil

Bezirk Pfäffikon

Bezirk Uster

Tösstal

Themen

Specials

Services

ZO Portale

Abo

Gesellschaft

«Nur in der Ruhe kann man gut töpfern»

Anne-Marie Kiener töpfert in Fischenthal in ihrem Keller.

Foto: Bettina Schnider

«Nur in der Ruhe kann man gut töpfern»

Töpferin aus Fischenthal

Anne-Marie Kiener betreibt in Fischenthal eine eigene Töpferei. Bei ihr ist alles reine Handarbeit, eine elektrische Töpferscheibe sucht man vergebens.

Bettina Schnider

Es war während einer Ferienreise vor über 40 Jahren, als die junge Kindergärtnerin Anne-Marie Kiener die Töpferei für sich entdeckte. «Wir waren mit dem Zelt in Zentralfrankreich unterwegs», erinnert sie sich.

«Dort entdeckten wir viele abgelegene Potéries und kleine Wochenmärkte mit selbst getöpferten Sachen.» Sie kaufte sich einen Teekrug mit Tassen, der immer noch in Gebrauch ist.

Als sie wieder zurück in der Schweiz war, war für Kiener klar: «Das will ich unbedingt auch lernen.» Getöpfert hatte sie vorher erst einmal in der Sekundarschulzeit.

Ein Töpfer-Paradies

Sie fasste den Entschluss, Kurse bei der Migros-Klubschule in Oerlikon zu besuchen. «Das hat mir aber nicht so gepasst», erzählt die heute 65-Jährige. «Die Kurse waren zu kurz und die Zeit reichte kaum, um ein Objekt fertig machen zu können.»

Der Kindergärtnerin, die gerne kreativ mit ihren Händen tätig ist, machte das wenig Freude. Sie wollte das Handwerk intensiver ausüben.

Eine neue Lösung war schnell gefunden: Ein Mitglied der Kindergartenkommission von Kieners damaliger Arbeitsstelle im Zürcher Unterland, bot ebenfalls Kurse an. «Bei ihr habe ich privat Unterricht genommen, und es war wie das Paradies für mich.» Kiener hatte ihre Passion gefunden.

Töpfern als Therapie

Vor rund 30 Jahren zog sie mit ihrer Familie nach Fischenthal. Im Keller ihres Wohnhauses richtete sie sich ein kleines Töpferstudio ein.

Zuerst töpferte sie vor allem für sich. Als ihr Mann vor 27 Jahren starb, war es für sie wie eine Therapie. «Ich war viel im Keller und habe Halt gefunden in der kreativen Arbeit. Ich konnte zu Hause arbeiten und für meine drei Kinder da sein.»

Etwa ein Jahr später stellte sie ihre Arbeiten zum ersten Mal aus. Und zwar auf Einladung des Fischenthaler Ortsmuseums. Diese Ausstellung war ein Erfolg.

«Auf einmal war das Interesse nach einem Kurs da, einige Leute haben mich richtig bestürmt», sagt sie heute mit einem Lachen. «Im Tösstal gab es vorher noch kein solches Angebot.»

Alles von Hand

Und so brachte Kiener den ersten Interessierten das Töpfern näher. Töpfern, das ist für sie reine Handarbeit. «Ich arbeite ohne elektrische Töpferscheibe», erzählt sie mit Nachdruck.

«Ich bin keine ausgebildete Töpferin, die Geschirr in Serienarbeit herstellt.» Mittlerweile sei sie aber so geübt, dass Tassen und Krüge leicht und dünn, wie von der Scheibe gedreht, entstehen.»

Zudem ist Töpfern mit einer Scheibe eine grosse logistische Herausforderung: «Es spritzt und ist nass, das kann ich nicht gut in meiner Töpferei durchführen.» Ausprobiert hat sie es aber schon. «Es macht auch Spass, es ist einfach ein anderes Paar Schuhe.»

Trocknen, brennen und nochmals brennen

Bis heute gibt Kiener regelmässig Kurse und töpfert immer noch selber. Ihre Werke verkauft sie auf Märkten in der Region. Ausserdem hat sie im Wintergarten ein eigenes kleines Verkaufslokal eingerichtet.

Dort verkauft sie getöpferte Gebrauchsgegenstände wie Schüsseln oder Backformen. Aber auch saisonale Dekorationen für Haus und Garten sind immer im Angebot. «Reich wird man dadurch aber nicht. Töpfern, das ist und bleibt ein Hobbyjob.»

Man sieht eine Frau in einer Ausstellung von Töpferwaren.
Kiener in ihrer Ausstellung im Wintergarten.

Im Moment findet man in Kieners Ausstellung diverse weihnächtliche Objekte– ganz im Gegensatz zur Werkstatt. Dort stehen die Zeichen schon auf die nächste Jahreszeit.

Da Töpfern sehr aufwändig sei, müsse sie jeweils schon kurz vor Weihnachten wieder an Ostern denken, erklärt sie. «Das fertige Objekt muss zuerst trocknen, dann roh gebrannt und in einem nächsten Schritt mit Glasur bemalt nochmals gebrannt werden.»

Kiener besitzt in ihrem Keller einen eigenen Brennofen. In diesem kann sie die Stücke bis auf zirka 1300 Grad erhitzen – eine kostspielige Angelegenheit.

«Zum Glück habe ich Sonnenkollektoren auf dem Dach, sonst wäre der Betrieb des Ofens noch teurer.» Doch gebrannt wird erst, wenn genügend Objekte beisammen sind.

In der Rühe liegt die Töpfer-Kraft

Kiener gibt weiterhin Kurse in ihrem Atelier. Das Interesse daran sei in den letzten Jahren aber gesunken. «Es gibt zwar immer wieder Interessenten, doch heute ist das Angebot an Freizeitmöglichkeiten sehr gross. Viele trauen sich diese Fähigkeit auch nicht zu, was sehr schade ist.»

Kiener gibt ihr Know-how immer noch gerne weiter. «Es gibt immer wieder neue Gesichter, die das Töpfern für sich entdecken.»

Und es sei immer wieder schön zu sehen, wie Leute bei der Tätigkeit richtig entspannen und die Zeit vergessen können. «Nur in der Ruhe kann man gut töpfern», ist sie überzeugt.

Trotz allem Elan denkt Kiener langsam ans Aufhören. In Zukunft wird sie vermutlich weniger Märkte
besuchen und ihr Kursprogramm reduzieren.

«Nicht von heute auf morgen», meint sie beschwichtigend. «Ich gebe mir noch einige Jahre, um herunterzufahren. Solange ich immer noch motiviert bin und gesundheitlich ‹zwäg›, freue ich mich ab jedem Töpferinteressierten bei mir im Atelier.»

Die Weihnachtsausstellung von Anne-Marie Kiener an der Oberhofstrasse 5 in Fischenthal hat bis am 24. Dezember jeweils am Freitagnachmittag von 13.30 bis 18 Uhr sowie am Samstag von 9.30 bis 12 Uhr geöffnet. Mehr Informationen findet man auf Kieners Website.

Abo

Möchten Sie weiterlesen?

Liebe Leserin, lieber Leser

Nichts ist gratis im Leben, auch nicht Qualitätsjournalismus aus der Region. Wir liefern Ihnen Tag für Tag relevante Informationen aus Ihrer Region, wir wollen Ihnen die vielen Facetten des Alltagslebens zeigen und wir versuchen, Zusammenhänge und gesellschaftliche Probleme zu beleuchten. Sie können unsere Arbeit unterstützen mit einem Kauf unserer Abos. Vielen Dank!

Ihr Michael Kaspar, Chefredaktor

Sie sind bereits Abonnent? Dann melden Sie sich hier an

Digital-Abo

Mit dem Digital-Abo profitieren Sie von vielen Vorteilen und können die Inhalte auf zueriost.ch uneingeschränkt nutzen.

Sind Sie bereits angemeldet und sehen trotzdem nicht den gesamten Artikel?

Dann lösen Sie hier ein aktuelles Abo.

Fehler gefunden?

Jetzt melden.

Kontakt

Inserieren

Abo

Services

Über uns