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Gesellschaft

«Manchmal musste ich einen Satz fünfzehnmal sagen»

Die Hauptrolle im Film «Hotel Sinestra» wird von einer 13-Jährigen auf Schweizerdeutsch eingesprochen. Ira Müller lernte einige Tricks, um die Aufnahmen authentisch klingen zu lassen.

Ira Müller war stolz, als sie den Trailer zum ersten Mal sah., Im Film verschwinden plötzlich alle Eltern spurlos., Das Tonstudio im Seefeld fand Ira ganz angenehm., Ira muss eigentlich Hausaufhaben machen.

Foto: Eleanor Rutman

«Manchmal musste ich einen Satz fünfzehnmal sagen»

Mitten im Sommer sass Ira Müller in einem Tonstudio in Zürich und schaute auf einen Bildschirm mit verschneiten Landschaften. Sie durfte den Weihnachtsfilm «Hotel Sinestra» vertonen, der im bündnerischen Val Sinestra spielt  – eine  holländisch-schweizerische Koproduktion.

Am Anfang habe es sich ungewohnt angefühlt, alleine mit einem Regisseur und einem Tontechniker in einem Studio-Keller zu sitzen, erzählt Ira.

«Über Kopfhörer hat mir sogar noch ein zusätzlicher Mann Sprechtipps gegeben.» Dieser Sprach-Coach wurde speziell aus Deutschland zugeschaltet, dem Mekka für Film-Synchronfassungen.

Filmstill, Mädchen liest in einem geheimen Buch

Über den Bildschirm konnte Ira verfolgen, wie die Hauptfigur im Film spielte und in der Originalsprache auf Holländisch betonte. «Mit der Zeit habe ich sogar angefangen, holländisch zu verstehen», schmunzelt sie.

Manchmal musste sie auch einfach atmen oder ein kurzes «Autsch» rufen. Auf der Leinwand hat die 13-Jährige jeweils zwei Balken aufeinander zulaufen sehen. «Wenn sich die Balken trafen, durfte ich mit Sprechen beginnen.»

Zu Beginn sei das neu gewesen, doch dann ging es immer besser. «Wenn ich etwas Falsches gesagt habe, haben wir einfach unterbrochen und nochmals angefangen. Die Leute waren mega nett.»

Schwieriger Zungenbrecher: Den Fluch vom Brunnen brechen

Oft habe es direkt bei der ersten Aufnahme geklappt. «Manchmal musste ich einen Satz aber auch fünfzehnmal sagen.» Darunter gab es einen schwierigen Zungenbrecher: «Mir müend de Fluech vom Brunne bräche.»

Da habe sie sich ein paar Mal verhaspelt. Auch wenn sie jetzt den Trailer zum Film schaut, hört sie den leichten Versprecher noch immer heraus und muss schmunzeln.

Jetzt sitzt die Gymischülerin an ihrem Schreibtisch und macht Hausaufgaben. Sie muss einen isometrischen Würfel zeichnen und ausmalen. Für die Sprachaufnahmen fehlte Ira gleich in ihrer zweiten Schulwoche in der neuen Klasse für ein paar Tage.

Nur ihre besten Freundinnen wussten, warum sie von der Schule dispensiert war. «Ich wollte es nicht allen sagen, das wäre mir peinlich gewesen», sagt sie.

«Ich habe einfach versucht, mich in die Person rein zu versetzen und die Gesichtszüge zu kopieren»
Ira Müller, Schülerin

Emotionen zu spielen fiel ihr leicht. «Wenn ich zum Beispiel wütend klingen sollte, habe ich einfach an etwas gedacht, was mich auch im echten Leben wütend macht.» Aber ein bisschen geübt habe sie schon.

Da ihr Vater als professioneller Schauspieler arbeitet, hat er ihr bei der Vorbereitung helfen können. «Ich habe einfach versucht, mich in die Person rein zu versetzen und die Gesichtszüge zu kopieren», sagt sie.

Schon Schauspiel-Erfahrung gesammelt

Ira bringt selber schon einen kleinen Erfahrungsschatz zum Thema Schauspiel mit: Als Zehnjährige hat sie einen Werbespot gedreht, im Schultheater das Schneewittchen gespielt und fürs Kinderfernsehen Zambo ein Kochvideo realisiert.

Von der Sprecherrolle hat sie von ihrem Vater gehört. Ob sie auch einmal professionelle Schauspielerin werden will, verneint sie. «Spielen ist schon toll, aber wenn man im Casting nicht genommen wird, verdient man auch kein Geld.»

Schauspielern als Hobby kann sie sich jedoch gut vorstellen. Viel lieber möchte die Pferdenärrin Tierärztin werden.

«Es war schon etwas komisch, meine eigene Stimme zu hören und dazu ein anderes Gesicht auf der Leinwand zu sehen»
Ira Müller

Den Film hat Ira letztes Wochenende bei der Vorpremiere sehen dürfen. Sie freute sich, endlich auch die anderen Sprecherinnen und Sprecher in real kennenzulernen.

«Mein Schweizer Film-Mami Fabienne Hadorn kannte ich schon aus etlichen Hörspielen.»

Eigenartig fand sie es dennoch. «Es war schon etwas komisch, meine eigene Stimme zu hören und dazu ein anderes Gesicht auf der Leinwand zu sehen», sagt sie.

Zwei Freundinnen und ihre Mutter haben sie nach Zürich ins Kino Arena begleitet. «Zum Glück hat der Film auch meinen Freundinnen gefallen.»

Der Film Hotel Sinestra startet am 8. Februar in den Schweizer Kinos. Die elfjährige Ava ist mit ihren Eltern und anderen Familien in den Weihnachtsferien. Doch die Erwachsenen wissen alles besser. So wünscht sich Ava eines Abends einfach ihre nervigen Eltern weg. Und siehe da: Am nächsten Morgen sind alle Erwachsenen spurlos verschwunden. Die Kinder finden das zu Beginn noch lustig, schliesslich wollten sie doch ihre Ruhe haben. Doch als der Strom ausfällt und das Essen langsam knapp wird, wünschen sich die Kinder ihre Eltern zurück. Doch so einfach geht das nicht: Sie müssen erst das Rätsel lösen und den Fluch des Brunnens brechen. Eine leichtfüssig amüsante Komödie für die ganze Familie, wie der Kino-Trailer verspricht.

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