Baumer Schüler mischen Futter, flicken Velos und sortieren Akten
Am Freitagmorgen ging es für die Schülerinnen und Schüler der zweiten Sekundarschule in Bauma nicht ins Klassenzimmer, sondern an die Arbeit. Am fünften Berufswahl-OL durften sie am Morgen in jeweils zwei Betrieben schnuppern.
«Die Schüler haben im Vorfeld Wunschberufe angeben können», sagt Schulleiter Reto Pernisch. «Leider konnten wir nicht für jeden einen passenden Gewerbebetrieb in der Region finden.» So wurden gewisse Schülerinnen und Schüler auch zugeteilt.
Auf dem Bauernhof
Kurz nach acht Uhr treffen Philipp und Eileen auf dem Wellenauhof von Andreas Rüegg ein. Doch ein Schnuppern in einem für sie unbekannten Beruf ist es für die beiden nicht: Philipp wächst auf einem Bauernhof auf und auch Eileen ist bereits mit der Arbeit vertraut.
«Ich helfe oft meinen Nachbarn auf dem Hof», erzählt sie. Für den Einsatz auf dem Bauernhof trägt sie dementsprechend auch die passende Kleidung: festes Schuhwerk und Arbeitshosen.
Geübt legen die beiden Hand an beim Futtermischen. Philipp wagt sich sogar auf den Traktor und bringt den Silo-Ballen zum Futtermischwagen. Im Anschluss helfen er und Eileen Bauer Andreas Rüegg beim Versorgen und Einsammeln von Weidezaunpfählen. Eine ruhige Minute haben sie nicht.
Das gefällt Eileen besonders: «Ich will einen Beruf, bei dem ich viel draussen bin und anpacken muss.» Für sie ist jetzt schon klar, dass sie unbedingt eine Lehre als Landwirtin absolvieren möchte.
Sie hofft fest, dass sie eine Lehrstelle findet. Philipp ist noch etwas offener. «Ich werde auch noch in anderen Berufen schnuppern», sagt er. Beispielsweise als Zimmermann.
In der Velowerkstatt
Janos und Tanisha müssen derweil in der Velowerkstatt von Roy Eisenhut einen Schlauch aus einem Reifen lösen. Das ist gar nicht so einfach. «Knifflig», bezeichnet Tanisha die Aufgabe. Janos hat ebenfalls etwas Mühe. Am Schluss hilft Roy Eisenhut noch nach.
Dann geben die beiden ein bisschen Talk in den Reifen. «Das ist wichtig, damit der Schlauch nicht verklebt», erklärt ihnen der Velo-Mechaniker. Zum Schluss wird der Reifen gepflegt, der Schlauch wieder eingefügt und dann geht es ans Pumpen.
Janos und Tanisha wurden für die Werkstatt zugeteilt, Velomechaniker oder -mechanikerin ist für sie nicht der Traumberuf. «Ich will in den Gartenbau», sagt Tanisha. Sie habe zu wenig Geduld für die feinen Arbeiten, die eine Mechanikerin beherrschen müsste.
Roy Eisenhut zeigt ihnen trotzdem mit viel Geduld, wie man die Schaltung einstellt. Er ist seit Jahren beim Gewerbe-OL dabei. «Einen Lehrling aus Bauma hatte ich bisher aber noch nicht», sagt er.
Einen Einblick in seinen Beruf gibt er jedoch gerne. «Wenn man sich für eine Ausbildung in diesem Bereich entscheidet, muss man Freude an mechanischer Arbeit haben, aber vor allem auch gerne Velo fahren.»
Auf der Gemeindeverwaltung
Beim Eingang des Gemeindehauses stehen um halb elf Eileen, die vorher auf dem Bauernhof war, und ihre gleichnamige Freundin. Sie können nun in der Gemeindeverwaltung einen Einblick in die KV-Lehre erhalten.
Die Mädchen haben aber nicht nur den gleichen Namen. Eileen und Eileen wissen auch, dass sie eigentlich keine Ausbildung im kaufmännischen Bereich machen wollen.
Carina Denz, die Abteilungsleiterin Steuern, nimmt die beiden in Empfang. «Vielleicht kann ich euch den Beruf doch noch etwas schmackhaft machen.»
Für eine Lehre als Kaufmann oder Kauffrau muss man sicher Freude an der Büroarbeit am Computer haben, erklärt sie. «Doch auch Kundenkontakt gehört auf der Verwaltung dazu.»
Nach einer kurzen Einführung müssen die beiden Schülerinnen Akten sortieren und einordnen. Während die wohl zukünftige Landwirtin weiterhin etwas zurückhaltend dasteht, ergreift die zweite Eileen der Eifer.
Schnell holt sie die richtigen Ordner aus dem Gestellt und ordnet die Blätter ins passende Mäppchen. Auch beim Erfassen am Computer will sie unbedingt mithelfen. Trotz Elan – Eileens Traumberuf bleibt aber vermutlich weiterhin Köchin.
