Die Sportstars von morgen lernen jetzt in Dürnten
Mit drei Klassen von Bubikon nach Dürnten – die private Sportschule von Claude Keller und Mathias Müller ist umgezogen. Was noch im Sommer eine Baustelle war, ist jetzt eines der modernsten Tenniszentren mit Indoor-Golfanlage und neuem Schulraum. Anfangs Oktober wurde die Halle mit grossem Fest offiziell eröffnet.
Die Schulzimmer sind jedoch bereits seit August belebt. Drei Klassen, je eine pro Sekundarstufe, drücken jeweils morgens die Schulbank.
«Wir haben neu sechs Schulzimmer, statt nur drei», schwärmt Mathias Müller. Er ist eine Hälfte des Teams, welche die Sportschule Dürnten vor rund sechs Jahren auf die Beine gestellt hat.
Der 46-Jährige Sekundarlehrer ist selber auch sportlich engagiert und hat 23 Schweizer Meistertitel im Rennkajak vorzuweisen.
Dank der Verdoppelung der Unterrichtszimmer könne man bald zwei Klassen mehr unterrichten. In den kleinen, modernen Schulzimmern im Neubau ist Platz für rund 16 Kinder. Sportler, aller Art seien willkommen, nicht nur Tennisbegeisterte.
Entscheidung muss warten
Dass die Option Sportschule wichtig ist, davon ist Müller überzeugt. Oft bietet die Regelschule keine geeigneten Umstände für junge Leistungssportler. «Kinder werden viel zu früh gezwungen, eine Entscheidung zu treffen.»
« Wir wollen diese Entscheidung möglichst lange hinaus zögern. »
Mathias Müller, Mitinhaber und Geschäftsführer der Sportschule Dürnten
Gegen Ende der Primarschule, wenn sowohl schulischer Druck wie auch Aufwand zunehmen, sei oft kein Platz mehr für Leistungssport – «Eine wichtige Konstante, die den Kindern weggenommen wird, mit fatalen Folgen für die Entwicklung», meint Müller.
«Wir wollen diese Entscheidung möglichst lange hinaus zögern.» Eine endgültige Wahl zwischen Schule und Sport könne so erst dann getroffen werden, wenn die Sportler reifer sind und eher wissen, was aus ihnen werden soll.
Neuen Fokus setzen
Da die Schüler nur morgens Unterricht haben, können sie am Nachmittag ihrem zeitintensiven Trainingsplan nachgehen. «Wenn die Kinder am Abend nachhause kommen, haben sie alles erledigt: Schule, Sport, sogar Hausaufgaben.»
Die grosse Tennishalle mit blauem US-Open Belag grenzt direkt an das kleine Schulhaus. Schüler können nachmittags ohne lange Umwege trainieren und verlieren keine Zeit. «Das sind optimale Umstände, um in Sport und Schule zu brillieren», sagt Müller.
Dass durch den halbtägigen Unterricht fachliche Einbussen entstehen, bestreitet er vehement. «Indem wir Fächer wie Kunst, Musik und Kochen aus dem Stundenplan nehmen, ist es möglich, relevante Themen fokussiert in 25, statt 36 Schulstunden, zu vermitteln.»
Der modifizierte Stundenplan ermögliche sogar die Einführung neuer Fächer. «Mentaltraining und Lerntechnik sind bei uns von zentraler Bedeutung und fix im Stundenplan verankert.» Das würde in Regelklassen zu kurz kommen.
Für alle, die wollen
Profitieren von diesem System sollen vor allem junge Sporttalente. «Grundsätzlich sind wir für all diejenigen da, die in ihrem Sport so richtig Gas geben wollen.»
Man verlange aber nicht Topleistungen zu jedem Zeitpunkt. Ein Tief im Sport gehöre dazu. «Talentförderung ist auch wichtig, wenn das Talent da ist, der grosse Erfolg aber noch nicht», sagt Müller.
« Wir wurden förmlich überrannt. »
Mathias Müller, Mitinhaber und Geschäftsführer der Sportschule Dürnten
Wichtig sei allein die Einstellung der Schüler. «Alle unterschrieben am Anfang ein Commitment. Darin geht es um Respekt für seine Mitmenschen, das Material und sich selber.» Für Alkohol und Rauchen sei ebenfalls kein Platz. «Unsere Schüler sollen durch und durch Sportler sein.»
Wenn alles stimmt, stehe die Sportschule Dürnten Kindern aus allen Sportarten offen. «Bei uns sind natürlich viele Tennisspieler, aber auch einige Exoten, wie Kletterer, Motocross-Fahrer oder Schachspieler», zählt Müller auf.
«Wir wurden förmlich überrannt.» Die Schule habe nie Werbung gemacht. Trotzdem platzte sie vor dem Umzug aus allen Nähten. «Zwischenzeitlich führten wir sogar Wartelisten.»
Der Grund sei eindeutig: öffentliche Sportschulen sind nur für Sportler zugänglich, die in ihrem Jahrgangsranking bereits top sind . Für andere Sporttalente bleibe oft nur die Regelschule. «Das darf nicht sein», erklärt Müller sehr engagiert.
Eigene Stipendien verteilen
Wenn man den Geschäftsführer der Privatschule fragt, ob die Sportschule denn nur für Topathleten mit dem nötigen Kleingeld sei, beginnt er begeistert zu erzählen: «Nein, das war uns von Anfang an enorm wichtig.»
Trotzdem, ein Schuljahr in der Privatschule kostet einen Sportler rund 26’000 Franken. Das Tennistraining am Nachmittag kostet für die wöchentlichen zwölf Stunden zusätzlich fast 10’000 Franken jährlich.
Um aber zu verhindern, dass gute Athleten wegen Geld verloren gehen, habe die Schule letztes Jahr eine eigene gemeinnützige Stiftung gegründet. «Im August konnten wir bereits ein Stipendium an eine Sportlerin vergeben. Darauf sind wir stolz.»