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Gesellschaft

Sie machen die Spinnerei zum Versuchslabor

Die Halle der alten Spinnerei in Kollbrunn soll einst einer Überbauung weichen. Vorher verwandelt die Theatergruppe Fahrwerk.ö! das leere Gebäude in eine Testwelt für das Leben der Zukunft.

Die Theatergruppe Fahrwerk.ö! probt in der leeren Halle der alten Spinnerei., Das Ensemble lebt zusammen in Wohnwagen auf dem Parkplatz des Areals., Amada Reichmuth begleitet die Produktion als «oeil extérieur».

Foto: Bettina Schnider

Sie machen die Spinnerei zum Versuchslabor

Vor der neueren Halle auf dem Areal der ehemaligen Spinnerei in Kollbrunn stehen im Moment einige Zirkuswagen. Hier hausen jedoch nicht Artisten, sondern Schauspielerinnen und Schauspieler.

Zwölf junge Frauen und ein Mann aus der Deutschschweiz nehmen hier an einem Ferienprojekt mit der zehnköpfigen Theatergruppe Fahrwerk.ö! teil. Sie arbeiten, proben und leben während zwei Wochen zusammen auf dem Parkplatz des Spinnereiareals.

Als Ort für ihre Darbietung haben sie sich die Halle nebenan ausgesucht. Hier war bis vor einigen Jahren ein Möbelladen und später ein Spezialgeschäft für Trachtenmode beheimatet.

Der alte Laden wird zur Testwelt

Nun wird die Halle zum Versuchslabor für ein besonderes Experiment. «Unser Stück ‹Error› basiert auf der Idee, dass wir unseren Lebensstil ändern müssen, sonst geht die Erde unter», erklärt Theatermacherin Amada Reichmuth.

«Wir bringen nur sehr wenige Requisiten mit.»
Amada Reichmuth, Theatermacherin

Die ehemalige Verkaufsfläche wird damit zur Testwelt für ein zukünftiges menschliches Dasein. Wer jetzt aber ein aufwändiges Bühnenbild erwartet, der wird enttäuscht werden.

Grundidee wird weiterentwickelt 

«Wir bringen nur sehr wenige Requisiten mit», sagt Reichmuth, «sondern nutzen vor allem, was der Raum uns zur Verfügung stellt.» So wird beispielsweise ein Einbauschrank an der Wand zur Wohnkapsel für die BewohnerInnen der Testwelt.

Das Stück entwickelt die Gruppe im Verlauf des Projekts. «Das Kernteam gibt nur eine Grundidee vor», sagt Reichmuth.

«Wir können uns selber beteiligen, es wird uns nicht alles vorgegeben.»
Silja Marz, Teilnehmerin 

Sie selbst ist beim Projekt «Error» sogenanntes oeil extérieur , also das Auge von aussen. «Ich führe nicht die Regie, sondern bringe punktuell Anstösse», erklärt sie ihre Aufgabe.

Gesellschaftskritisch, und trotzdem komisch

Viele der Teilnehmenden des Ferienprojekts haben bereits Erfahrung mit dem Leben in der fahrenden Theatergruppe. «Ich bin bereits zum siebten Mal dabei», sagt etwa die Winterthurerin Flurina Gerber.

Ihr hat es bisher so viel Spass gemacht, dass sie auch ihre Kollegin Silja Marz zur Teilnahme überzeugen konnte. Dem Neuling gefällt besonders, wie aktiv die jungen Schauspielerinnen und Schauspieler im Projekt involviert sind. «Wir können uns selber beteiligen, es wird uns nicht alles vorgegeben», sagt sie.

Auf dem Foto sieht man drei junge Frauen, die auf einer Treppe vor einem Wohnwagen sitzen.

Dem stimmt auch die 18-jährige Fabienne Schibli aus Rutschwil zu, die zum vierten Mal beim Fahrwerk.ö! mitmacht. «Wir entwickeln gemeinsame eine Idee weiter», sagt sie begeistert.

Bis Ende Woche hat das Ensemble noch Zeit, ihrem Experiment in der alten Spinnerei den letzten Feinschliff zu verpassen. Dann wird die Halle für drei Aufführungen zum Testlabor für das Leben der Zukunft.

Auch wenn das Theater durchaus gesellschaftskritische Elemente aufnimmt, will die Gruppe trotzdem nicht die Moralkeule schwingen, wie Amada Reichmuth betont. «Das Stück hat sicher ernste Elemente, trotzdem bleibt genug Platz für Komik.»

Fahrwerk.ö! führt sein Stück  «Error» an folgenden drei Daten auf: 

Donnerstag, 20. Oktober, 19.30 Uhr
Freitag, 21. Oktober, 19.30 Uhr
Samstag, 22. Oktober, 19.30 Uhr

Die Aufführungen finden im ehemaligen Kokon Lifestyle-Haus an der Tösstalstrasse 9 in Kollbrunn statt. Ab 18 Uhr gibt es jeweils Speis und Trank. (bes)

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