Die 25-Millionen-Villa des bayrischen Pharma-Patrons
Eigentlich ist Stäfa keine klassische Goldküstengemeinde. Aber das folgende Immobilienangebot lässt so manche Küsnachter oder Erlenbacher Villa alt aussehen. So wird für eine «zeitlos elegante Villa im gehobenen Landhausstil» mit 180-Grad-Seesicht eine neue Eigentümerin oder ein neuer Eigentümer gesucht.
Das Haus verfügt unter anderem über einen 200 Quadratmeter grossen Wellnessbereich mit Gegenstromhallenbad, Jacuzzi, Lounge, Fitness- und Massageraum, Sauna, Garderobe und einen sichtgeschützten Aussenbereich. Ein Personen- und ein Autolift, der auch «sehr grosse Fahrzeuge» in die Tiefgarage transportiert, sowie ein «überdurchschnittliches» Sicherheitssystem sind ebenfalls Teil der Immobilie.
Angeboten für 25 Millionen – oder mehr
Zudem gibt es einen 24 Meter breiten Seeanstoss «mit lauschig gestaltetem Seeeinstieg». Angeboten wird dieses Haus «mit einem zarten Hauch nostalgischer Noblesse» derzeit auf der Website des Immobilienunternehmens Ginesta. Insgesamt verfügt das Gebäude über 8,5 Zimmer und eine Wohnfläche von 452 Quadratmetern. Das Grundstück ist «nur» 1559 Quadratmeter gross. Aber: «Die parkähnliche und mit einer Bewässerungsanlage ausgestattete Gartenanlage wurde geschickt in diverse Bereiche unterteilt.»
Doch wer das Bijou an der Seestrasse 116 erwerben will, muss tief in die Tasche greifen: Ginesta hat das Traumhaus in einem Preissegment von 25 Millionen Franken und mehr eingeordnet.
Arzneimittel produziert
Überhaupt auf den Markt gekommen ist das Haus, weil sein Eigentümer Johannes Franz Burges im Alter von 82 Jahren am 14. Oktober 2021 gestorben ist. In Bayern war Burges kein Unbekannter: Er führte über fünf Jahrzehnte die Hermes Group, der vier Firmen mit Standorten in Bayern und Österreich angehören. Er wandelte diese vom regionalen Mittelstandsunternehmen zu einer internationalen Firma um.
Hergestellt werden unter dem Dach der Hermes Group Produkte vom Kräutertee über rezeptfreie Medikamente bis zum Blasenpflaster. Burges war 25 Jahre lang Vorstandsvorsitzender des Bundesverbands der Arzneimittelhersteller. Die Familie Burges soll im Jahr 2020 über ein Vermögen von einer Viertelmilliarde Euro verfügt haben, wie der Liste der «1000 reichsten Deutschen» in der Zeitschrift «Bilanz» zu entnehmen ist. Beheimatet ist die Familie Burges in Pullach im Isartal, einem Vorort von München.
Früher Bezug zur Schweiz
Klar ist, dass Burges offensichtlich sehr diskret in Stäfa gelebt hat. Gut vernetzte und im Dorf verwurzelte Stäfner schütteln bei der Nennung seines Namens nur ratlos den Kopf und bekunden, dass sie noch nie von ihm gehört hätten.
Licht ins Dunkel bringt ein Anruf nach Bayern. «Er hat das Grundstück gekauft und für viel Geld ein schönes Anwesen errichtet», erzählt sein Sohn Johannes Burges junior, der in Pullach ein IT-Unternehmen betreibt. «Vor knapp zwölf Jahren ist mein Vater nach Stäfa gezogen.» Besonders wichtig sei ihm gewesen, dass das Haus nach aussen nicht protzig wirke. Technisch sei es aber auf hohem Niveau.
Einen Bezug zur Schweiz lässt sich früh im Leben des Verstorbenen feststellen. Er habe in seiner Jugend das Lyceum Alpinum in Zuoz besucht und danach an der Universität Zürich Volks- und Betriebswirtschaftslehre studiert, sagt Burges junior.
Liebhaber des Zürichsees
«Am Zürichsee zu leben, war ein Traum meines Vaters. Er hat die ländliche Umgebung geliebt», erinnert er sich. Aber auch die Nähe zu Zürich, das im internationalen Vergleich doch eher beschaulich sei, habe ihn gereizt. Die meiste Zeit wohnte Johannes Burges, der dreimal verheiratet war, allein in Stäfa. Seine Schwester habe aber teilweise beim Vater gewohnt und diesen begleitet.
Die Familie will das Haus nicht behalten, weil ihr Lebensmittelpunkt in Deutschland ist. Dass der Verkauf für eine solch hohe Summe glückt, davon kann man ausgehen. So lässt Johannes Burges junior durchblicken, dass sich schon einige Interessenten gemeldet hätten. Namen will er aber nicht nennen.
Johannes Burges junior, der zwei Geschwister hat, ist selbst übrigens auch kein Unbekannter. Er war vor einigen Jahren in den Medien, weil er gemeinsam mit einem Kollegen in einem Propellerflugzeug in 80 Tagen um die Welt geflogen ist und darüber ein Buch geschrieben hat.
Geldsegen für Stäfa
Dass ein Grundstück, das nicht in einer klassischen Goldküstengemeinde liegt, für einen solch hohen Preis angeboten wird, lässt aufhorchen. «Ein Preis von 25 Millionen Franken oder mehr ist schon aussergewöhnlich», sagt auch der Zolliker Immobilientreuhänder Martin Hirs. «Ein Haus mit Seeanstoss und viel Privatsphäre ist aber eigentlich immer im zweistelligen Millionenbereich angesiedelt.» Die Preise von Topliegenschaften, die weiter oben am Zürichsee liegen, würden sich zudem auch denjenigen von Liegenschaften näher bei Zürich angleichen. Vermögende ausländische Zuzüger seien oft bereit, hohe Preise zu zahlen.
Für die Gemeinde könnte ein Grundstückverkauf noch bedeutsam werden. Je höher der Preis, desto höher die Einnahmen durch die Grundstückgewinnsteuern. Die Steuern beziehen sich dabei nicht auf die gesamte Verkaufssumme, sondern rein auf den Gewinn. Bei einem Gewinn von 10 Millionen würde beispielsweise eine Summe von über 3 Millionen in die Gemeindekasse fliessen. Es ist also durchaus wahrscheinlich, dass sich Stäfa über Einnahmen in siebenstelliger Höhe freuen kann.
Philippa Schmidt