Wetziker Kunstszene zeigt sich der Öffentlichkeit
Ende dieser Woche ist es soweit. In Wetzikon öffnen auf einen Schlag 33 Künstlerinnen und Künstler am 2. und 3. September erstmals ihre Ateliers für die Öffentlichkeit. Den Event hat die seit 20 Jahren aktive Hobby-Künstlerin und Inhaberin des Ateliers Farbenfroh, Tünde Kirstein, initiiert.
Kirstein möchte den Kulturbetrieb und den Austausch zwischen den Kunstschaffenden in Wetzikon fördern. Deshalb war sie Ende des letzten Jahres an Christophe Rosset, den Kulturbeauftragten der Stadt Wetzikon herangetreten. «Es gibt unheimlich viele begabte Künstlerinnen und Künstler in dieser Stadt, die in der Öffentlichkeit etwas unter dem Radar fliegen», sagt Kirstein.
Diese will sie in Zusammenarbeit mit der Stadt ins Licht rücken. «Der Zuspruch der Stadt war sofort da. Daraufhin haben wir gemeinsam mit einem Rundmail hunderte von Leuten angeschrieben.»
So seien in Zusammenarbeit mit Zürioberland Kultur und der Stadt Wetzikon, die den Anlass mit je 4000 Franken unterstützen, die Tage der offenen Ateliertüren entstanden. Der Zürcher Oberländer stellt eine Künstlerin und zwei Künstler im Kurzbeschrieb vor, die in diesem Rahmen ihr Schaffen präsentieren werden.
Benjamin Siegrist
Steinbildhauer-Atelier (Boldstrasse 8, Wetzikon)
Benjamin Siegrist ist seit 2004 gelernter Steinbildhauer und hat seine Ausbildung beim renommierten Steinbildhauer und Künstler Jürg Stäheli in Stein am Rhein abgeschlossen. Seit 2010 kreiert er in seiner Werkstatt in Kempten bei Wetzikon Grabsteine und Skulpturen. Dort stellt er all seine Werke aus, wenn manche von diesen nicht gerade an einer Ausstellung, wie zurzeit an der «openArt»-Ausstellung in Roveredo im Tessin, präsentiert werden. «Aus dem Material und dem Charakter eines Steins können sich symbolträchtige Formen entwickeln. Erst in Stein gehauen, können diese wiederum eigene Bedeutungen suggerieren», sagt Siegrist.
Barbara Faissler
Foto-Atelier (Schönaustrasse 15, Wetzikon)
Die freischaffende Fotografin Barbara Faissler ist seit 30 Jahren in ihrem Metier tätig und widmet sich unter anderem der klassischen Auftragsfotografie. Die Faszination mit Licht zu zeichnen, erfülle sie immer wieder von neuem. Künstlerisch beschäftigt sie sich aktuell mit einem neuen Projekt, das an den zwei Tagen der offenen Ateliers im Zentrum steht. Dabei geht es mitunter um zerfallene Pflanzen, die in einem anderen Element eine Wiedergeburt erfahren. «Es ist eine faszinierende Umwandlung und Neuentstehung totgeglaubter Pflanzenfasern», sagt Faissler. Dabei entstehen malerische und detailreiche Gebilde.
Pius Morger
Klangskulpturen-Atelier (Schönaustrasse 17, Wetzikon)
Pius Morger widmet sich einer ganz besonderen Kunst. Er stellt Klangskulpturen her. Dabei beschäftigt ihn immer die Frage: Wie kann ich über einen akustischen Moment auf subtile Weise einen Ort oder Raum prägen? Seine Klangskulpturen entwirft Morger am Computer und überträgt dabei die Form mittels Relieftechnik auf einen Kern. Zum Schluss würden sich die hohlen Figuren im akustischen Sinne als perfekte Resonanzkörper eignen, die der Künstler mit speziellen Lautsprechern in Schwingung bringt. «Jede Skulptur hat ihren eigenen Klang und ist speziell auf die Form abgestimmt», erklärt Morger. Wie dieser Entstehungsprozess funktioniert, wird der Künstler dem Publikum in seinem Atelier vorführen.
Eine neue Plattform
Der Kulturbeauftragte von Wetzikon, Christophe Rosset, sieht den neuen Anlass als Chance, die bildende Kunst in Wetzikon auf eine neue Ebene zu hieven. «In der Vergangenheit ist es vielleicht etwas unkoordinierter abgelaufen. » Nur ab und an seien wenige Ateliers geöffnet gewesen.
Die 33 offenen Ateliers kämen nun gemeinsam mit den Künstlerinnen und Künstlern im Verbund daher und würden eine grosse Wirkung hinsichtlich der Kultur in Wetzikon erzielen. Deshalb habe die Stadt das neue Projekt auch so gerne unterstützt.
«Auch Schulklassen werden einige Ateliers besuchen. So werden sich jüngere Generationen künftig vielleicht mehr für die Kultur begeistern», sagt Rosset. Insgesamt sei der Anlass eine einmalige Möglichkeit, hinter die Kulissen der Kunstschaffenden zu blicken, die während der Corona-Pandemie beinahe komplett von der Bildfläche verschwanden.
Die 33 Kunstateliers haben am Freitag, 2. September von 17 bis 20 Uhr und am Samstag, 3. September von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Genauere Informationen zu allen Künstlerinnen und Künstlern, deren Websites und einen Ortsplan finden Sie hier.
