Betreiber verlassen Badi in Fischenthal auf Ende Saison
Es war wie ein Sprung ins kalte Wasser. Ende 2019 haben sich Urs und Angela Gander entschieden, die Führung der Badi in Fischenthal zu übernehmen. «Wir waren beide Quereinsteiger und hatten vorher noch nie in einer Badi gearbeitet», erinnert sich Urs Gander.
Der gelernte Schreiner und Arbeitsagoge wollte sich aber zusammen mit seiner Frau in ein neues Abenteuer stürzen. Angela, eine ausgebildete Sozialpädagogin, übernahm die Pacht des Bistros, Urs wurde Betriebsleiter und Bademeister. Dafür musste er sein bereits vorhandenes Rettungsschwimmbrevet erneuern.
Unterstützung der Familie
Es war ein schwieriger Start im Sommer 2020. Die erste Corona-Welle war gerade vorbei, als die Badi in Steg die Türen öffnen konnte. «Das war ein steiler Einstieg», sagt Angela Gander rückblickend.
Vor allem die ständig ändernden Regeln seien eine grosse Herausforderung gewesen: «Es war so schwierig, sich in diesem Wirrwarr zu orientieren.»
Das spürte sie nicht nur im Betrieb der Badi, sondern vor allem bei der Beiz. Angela Gander hatte bisher noch nie einen Gastronomie-Betrieb geführt. Und ihren Einstieg erlebte sie unter Corona-Bedingungen.
«Es ist wirklich ein Familienprojekt, das wir gemeinsam stemmen.»
Angela Gander, Betreiberin der Badi-Beiz in Fischenthal
Zum Glück konnte sie auf tatkräftige Unterstützung ihrer Familie zählen. Bruder und Schwester hatten sich von Anfang an bereit erklärt, den Ganders zur Seite zu stehen.
Der richtige Zeitpunkt
So übernahm der Bruder, ein gelernter Koch, unter anderem die gastronomische Verantwortung. «Ich hätte noch tausend Ideen gehabt, doch er hat mich wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt», sagt Angela Gander.
Auch heute, in der dritten Saison, arbeiten die Familienmitglieder immer noch mit. «Es ist wirklich ein Familienprojekt, das wir gemeinsam stemmen.» Jeder habe mit seinen Stärken zum Gelingen beigetragen.
«Wir haben drei sehr unterschiedliche und sehr arbeitsintensive Sommer hinter uns.»
Angela Gander
Doch nach drei Jahren ist nun Schluss. Mitte September geht die kurze Ära der Ganders zu Ende. Das Ehepaar hat entschieden, dass es keine weitere Saison in Steg arbeiten will.
«Wir haben diesen Entschluss schon vor der Saison getroffen, damit die Gemeinde genug Zeit hat, Nachfolger zu finden», sagt Urs Gander. Bisher sei jedoch noch niemand gefunden worden.
Drei unterschiedliche Saisons
Jetzt sei der richtige Zeitpunkt, um aufzuhören. «Wir haben drei sehr unterschiedliche und sehr arbeitsintensive Sommer hinter uns», meint seine Frau.
Der erste Sommer war geprägt von der Pandemie, im letzten Jahr regnete es oft. «Und heuer haben wir ein richtiges Feuerwerk zum Abschluss.»
Die warmen Temperaturen und das fast durchgehend gute Wetter sorgen dafür, dass die Badi in Steg immer gut besucht ist. Das bedeutet auch mehr Arbeit für die Ganders – vor allem in der Beiz. «Hier essen nicht nur Badegäste, es ist jeder willkommen», erklärt Angela Gander
«Die Tage sind lang, wir arbeiten pro Tag gut zehn bis zwölf Stunden.»
Angela Gander
Als Badi-Leiter ist Urs Gander bei der Gemeinde Fischenthal in einem Pensum von 70 Prozent angestellt. Ausserhalb dieser Funktion hilft er ebenfalls im Bistro aus.
«Die Tage sind lang, wir arbeiten pro Tag gut zehn bis zwölf Stunden, an mindestens sechs Tagen pro Woche», sagt Angela Gander. Doch beklagen möchte sie sich nicht. «Wir schätzen den Kontakt mit den Gästen sehr. Einige Stammkunden haben wir richtig ins Herz geschlossen.»
Abkühlung gefällig
Etwas Wehmut ist schon vorprogrammiert, wenn die Ganders am 11. September zum letzten Mal in der Fischenthaler Badi im Einsatz stehen. «Wir werden das Zusammensein mit den Menschen sicher vermissen, aber auch die Badi selber», sagt Urs Gander.
Trotz aller Arbeit haben die beiden immer wieder Zeit für einen Sprung ins kalte Nass gefunden: «Zwei bis drei Mal pro Woche, wenn alle Gäste gegangen sind und die Badi leer ist, gönnen wir uns eine Abkühlung.»
Eine längere Ferienpause
Auch nach ihrem Abschied aus der Badi werden die Ganders der Gemeinde Fischenthal erhalten bleiben. Seit letztem Jahr betreut Angela die Alters- und Freiwilligenarbeit, während der Badi-Saison hat sie eine Stellvertretung. Urs ist als Jugendarbeiter engagiert. Im Sommer ist in diesem Bereich weniger los ist.
«Dann wollen wir uns im nächsten Jahr endlich eine längere Ferienpause gönnen», sagt Angela Gander.
Wie es danach weitergeht, wissen die beiden noch nicht. Ob sie nochmals eine Badi führen wollen? Urs Gander sagt dazu mit einem Lächeln: «Ausgeschlossen ist es nicht.»
