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Der Dorfmärt hat in Wildberg Fuss gefasst

Täglich kann man sich im Selbstbedienungsladen Dorfmärt Wildberg mit Käse, Fleisch und anderen lokalen Produkten eindecken. Möglich machen das engagierte Wildbergerinnen.

Carmen Schiesser, Präsidentin des Vereins «Dorf Märt Wildberg», vor dem Container, in dem sich der Laden befindet., Vor einem Jahr hat der Verein das Baugesuch eingereicht, im Dezember wurde der Laden eröffnet., Im Dorfmärt kann man sich unter anderem mit Käse, Wurst und Backwaren eindecken.

Fotos: Bettina Schnider

Der Dorfmärt hat in Wildberg Fuss gefasst

Seit letztem Dezember steht auf dem Parkplatz beim Feuerwehrdepot in Wildberg ein mit Holz verkleideter Container. Darin befindet sich der Dorfmärt Wildberg, ein Selbstbedienungsladen. Jeden Tag hat er von sieben Uhr morgens bis acht Uhr abends geöffnet.

Betrieben wird der Märt durch einen Verein. Dieser ist aus der Dofbeiz Wildberg entstanden, die im Sommer 2020 nach wenigen Monaten den Betrieb einstellen musste. «Für die Beiz hatten wir zu wenig freiwilliges Personal», gibt Vereinspräsidentin Carmen Schiesser unverblümt zu.

«Dank viel freiwilliger Hilfe konnten wir die Kosten tief halten.»
Carmen Schiesser, Präsidentin Verein «Dorf Märt Wildberg»

Doch aufgeben wollten Schiesser und zwei Mitstreiterinnen noch nicht – u nd haben mit dem Dorfmärt ein neues Projekt an die Hand genommen.

«Ein Hosenlupf»

Vor einem Jahr hat der Verein «Dorf Märt Wildberg» das Baugesuch für den Container eingereicht und im Dezember den Laden eröffnen können. «Es war ein rechter Hosenlupf», meint Carmen Schiesser. «Wir wollten aber unbedingt den Dorfmärt im Rahmen des Adventsfensters der Gemeinde präsentieren.»

Rund 20’000 Franken haben der Bau und die Einrichtung gekostet. «Dank viel freiwilliger Hilfe konnten wir die Kosten tief halten.» Finanziert wurde der Märt durch Spenden und dem Geld, das nach der Schliessung der Dorfbeiz in der Vereinskasse übrig war. Ebenso haben Vorstandsmitglieder Darlehen gegeben.

Letzten November wurde der Container angeliefert. Quelle: Instagram/dorfmaertwildberg

Für den Unterhalt des Märtes sorgt nun ein kleines Team aus freiwilligen Helferinnen. «Die Feen», wie Schiesser sie bezeichnet. Sie sind dafür zuständig, dass die Waren eingeräumt sind, das Kässeli geleert und der Laden sauber gehalten werden. «Das dauert im Schnitt etwa eine Stunde pro Tag.»

Die Feen backen Kuchen

Besonders am Wochenende muss der Laden im Moment gut bestückt sein. «Dann haben wir sicher die meiste Kundschaft, wenn viele Leute auf den Freddy-Fratzel-Erlebnisweg unterwegs sind.» Dieser beginnt und endet direkt beim Parkplatz, wo auch der Märt-Pavillon steht.

Im Dorfmärt werden diverse Produkte angeboten: von Käse oder Würsten aus Wildberg bis zu Senf oder selbstgebackene Kuchen und Guetzli Für die Backwaren sind wiederum Feen zuständig. «Für die Zutaten erhalten sie Geld, die Arbeit hingegen wird nicht entlöhnt», sagt Schiesser.

«Wir können unseren Umsatz langsam aber stetig steigern.»
Carmen Schiesser

Die Suche nach Lieferanten sei teilweise herausfordernd gewesen. «Bei uns macht man nicht die grossen Umsätze, wir verkaufen nicht sehr grosse Mengen», meint Schiesser. Trotzdem habe man ein gutes Netzwerk aufbauen können.

Zusätzliche Hilfe

Mit dem bisherigen Geschäftsgang ist der Vorstand zufrieden. «Wir können unseren Umsatz langsam aber stetig steigern», sagt Schiesser. Gewinnbringend sei der Märt allerdings noch nicht.

«Das wird vermutlich noch etwas dauern», sagt die Vereinspräsidentin. Erst dann könne man auch die Darlehen an die Vorstandsmitglieder zurückzahlen. «Das ist sicher unser erklärtes Ziel.»

« Wir möchten das Dorf beleben.»
Carmen Schiesser

Doch die Zukunft des Dorfmärts steht und fällt nicht alleine mit den Finanzen. Damit sein Überleben gesichert ist, sind die Feen auf zusätzliche Hilfe angewiesen. «Wir sind immer nach der Suche nach weiteren Mitstreiterinnen oder Mitstreitern.»

Ein Treffpunkt

Um die finanzielle Situation zu verbessern, lassen sich die Vereinsverantwortlichen einiges einfallen. Bereits zwei Mal hat beispielsweise der sogenannte Dorfmärt-Fritig in der Chilestube stattgefunden. Er soll der Bevölkerung die Möglichkeit geben, sich im lockeren Rahmen zu treffen.

«Das Ziel der Beiz war, dass wir einen Dorftreffpunkt haben», sagt Schiesser. «Das wollen wir jetzt mit dem Dorfmärt weiterverfolgen. Wir möchten das Dorf beleben.»

Ausserdem bietet der Anlass für den Verein die Möglichkeit, sein Angebot bekannter zu machen. «Am letzten Anlass haben wir Hochlanderinderwurst als kaltes Plättli aufgetischt.» Diese sei sehr gut angekommen. «Viele meinten, wir sollten sie unbedingt ins Sortiment aufnehmen.»

Skepsis ist verflogen

Schiesser weiss, dass im Dorf viele zu Beginn etwas skeptisch gegenüber dem neuen Dorfmärt waren. «Sie fragten sich vermutlich, wieso es denn so ein Angebot überhaupt brauche.» Schliesslich gebe es ja bereits den kleinen Laden und den Selbstbedienungsautomaten bei der Käserei. 

«Niemand aus dem Vorstand konnte sich auf Erfahrungswerte stützen.»
Carmen Schiesser

Doch das hat sich in der Zwischenzeit geändert. «Wir erhalten viele positive Rückmeldungen», sagt Schiesser.

Ob alles so gekommen ist, wie es sich der Vorstand erhofft hat? «Das ist schwer zu sagen, wir wussten ja gar nicht, was wir erwarten können», meint Schiesser lachend. «Niemand aus dem Vorstand betreibt einen Hofladen und konnte sich auf Erfahrungswerte stützen.»

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