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Räuber vertreibt alle Dohlen von der Burg Uster

Nur noch vereinzelte Dohlen werden in Uster gesehen. In der Stadt wurde deshalb vermutet, dass ein Marder die Vogel-Kolonie aus der Burg Uster vertrieben hat. Dieser Verdacht hat sich nun bestätigt.

Unklar bleibt , ob die Dohlen im nächsten Frühjahr wieder in der Burg nisten. , Seit 1991 befinden sich Nistkästen auf dem Dachboden der Burg. Probleme mit dem Marder gab es bisher nie - bis heute., Normalerweise lebt in der Burg Uster eine ganze Kolonie von Dohlen. Doch nun sind nur noch vereinzelte Vögel zu sehen. , Damit die Dohlen während ihrer Brutzeit nicht gestört werden, bleibt die Terrasse in dieser Zeit geschlossen.

Foto: Mara Schneider

Räuber vertreibt alle Dohlen von der Burg Uster

Margrit Enderlin lebt seit jeher in Uster. In ihrem Garten steht ein Kirschbaum, dessen Früchte von den Vögeln geliebt werden. insbesondere von den Dohlen. Doch nun fehlen nicht nur die Früchte, sondern auch die Tiere.

Die Vögel flogen bisher von ihrer Kolonie in den Nachbarsgarten von Margrit Enderlin. Die Dohlen und ihre Kolonie waren schon immer in der Burg Uster heimisch. Jetzt sind sie dort nur noch vereinzelt. Enderlin vergleicht das Ende der Kolonie mit dem Tod der Raben aus dem London Tower. «Wenn eine stirbt ist das ein Trauerspiel für die ganze Stadt. So ist es auch hier», sagt die 86-Jährige.

In der Stadt wird nun gemunkelt, dass etwas mit ihnen passiert ist. «Der Verdacht hat sich bestätigt, dass ein Marder die Dohlen aus der Burg Uster vertrieben hat», sagt Iris Scholl. Sie betreut seit Ende der 1990er-Jahre die Vögel. 

Marderverbiss festgestellt

Den Marder selbst habe sie nicht gesehen, doch alles deute darauf hin. «Wir haben Marderkot bei den Nistplätzen gefunden», erklärt sie. Ein toter Altvogel lag angefressen in einem Nest. Die meisten, zwei Wochen zuvor noch belegten, Nester waren wieder leer. 

«Vor der nächsten Brutzeit werden Wildkameras angebracht, um herauszufinden, wie der Marder zu den Nestern kommt»
Iris Scholl, Betreuerin der Dohlen-Kolonie

Während der Jungenaufzuchtzeit der Marder, die sich mit jener der Dohlen überschneidet, dürfen Marder nicht gejagt werden. Sie dürfen jedoch vergrämt werden, damit sie den Ort meiden. Aus diesem Grund wurde nun Vergrämungsmittel rund um die Nistkästen ausgelegt. «Der bittere Duft hält die Marder fern.» Letztes Jahr, als der Marder zum ersten Mal bemerkt wurde, gab es noch keine gravierenden Vorfälle.

«Wir müssen noch genau herausfinden, wo der Marder heraufkommt, damit wir ihm den Zugang zu den Nestern verbauen können», sagt die erfahrene Betreuerin der Dohlen. 

«Vor der nächsten Brutzeit werden deshalb Wildkameras angebracht, um herauszufinden, wie der Marder genau zu den Nestern kommt», erklärt Scholl. Während der Brutzeit, April bis anfangs Juni, gehe sie die Nistkästen drei Mal kontrollieren. Nicht zu oft, betont sie, denn die Vögel würden durch zu häufige Besuche leicht gestört.

Auf das Gebäude angewiesen

Hans Stopper war geschockt, als er gehört habe, dass die Dohlen-Kolonie von einem Marder dezimiert wurde. Der heute 81-Jährige hat sich im Januar 1991 als Vorstandsmitglied der Gesellschaft für Natur- und Vogelschutz Uster dafür eingesetzt, dass die Dohlen im Dachboden der Burg in Nistkästen brüten können. Zuvor hätten sie ihre Nester teilweise an ungünstigen Stellen gebaut. Teile des Nests sind oftmals runtergefallen.

Nistkästen seit 1991: Da Dohlen Höhlenbrüter und somit auf dunkle Nistplätze angewiesen sind, appellierte Hans Stopper 1991 an den Stadtrat. Das Vorstandsmitglied der Gesellschaft fürt Natur- und Vogelschutz Uster forderte, dass die Burg nicht mehr beleuchtet würde, da das Licht die Brut der Vögel beeinträchtige. Als Kompromiss wurden von den Naturschützern 15 Nistkästen gebaut. Diese wurden auf dem Dachboden der Burg so aufgestellt, sodass die Burg weiterhin beleuchtet werden konnte. Die Lichteinstrahlung wurde derweil so errichtet, dass sie die Vögel nicht stört. (mas)

Nun wird zusammen mit der Stadt Uster nach einer Lösung gesucht, um den Marder in Zukunft von der Dohlen-Kolonie fernzuhalten. «Der Marder ist ein sehr guter Kletterer. Doch es ist uns immer noch ein Rätsel, welchen Weg er gewählt hat», sagt Stopper. «Schliesslich ist die Burg sehr hoch.»

Dohlen-Nistkästen in der Burg Uster, Dachboden, 1991

Falls die übrig gebliebenen Dohlen nun aus Uster verschwinden würden, täten sich die nistplatztreuen Vögel auf der Suche nach einem neuen Ort schwer. «Dohlen leben in Kolonien», erklärt Stopper. «Auf dem Land würden sie sich in einer Felswand einnisten. Doch hier in der Stadt sind sie auf ein grosses Gebäude angewiesen, das viele Nistplatzmöglichkeiten bietet.»

Wenige Vögel übrig

Der Marder-Angriff hat den Dohlennachwuchs auf der Burg Uster massiv geschädigt. Erfolgreich gebrütet haben dieses Jahr nur drei Dohlen-Paare, während es normalerweise bis zu 20 sind. Aktuell lebt da nur noch ein halbes Dutzend Vögel.

Unklar bleibt , ob die Dohlen im nächsten Frühjahr wieder in der Burg nisten. «Wir wissen nicht, ob sie sich überhaupt fortpflanzen können, weil wir ihr Geschlecht nicht kennen», sagt Stopper. «Hoffen wir, dass die Vögel nächstes Jahr zurückkommen.»

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