Der Dachs – ein mysteriöser Oberländer Waldbewohner
Der Dachs ist nachtaktiv. Deshalb wissen die wenigsten Menschen, was dieses Tier überhaupt so treibt. Obwohl er in unmittelbarer Nähe wohnt, kriegt ihn kaum jemand zu Gesicht – und doch bergen Begegnungen mit Menschen die grösste Gefahr für das Tier.
Dachse im Oberland
Wie die kantonale Jagdverwaltung mitteilt, leben rund 500 Dachse im Oberland. Dabei handelt es sich um Schätzungen. Simon Meier, Bezirksobmann der Oberländer Jagdreviere, weiss, dass die Tiere vorwiegend in der Dunkelheit unterwegs sind, was die Zählung der Tiere deutlich erschwert.
«Mit genügend Abstand ist es durchaus möglich, Dachse zu beobachten. So fühlen sie sich auch nicht vom Menschen gestört», sagt Meier. Dachse orientieren sich stark mit ihrem Geruchssinn. Wenn der Wind gut stehe und man sich ruhig verhalte, seien Beobachtungen am besten möglich.
Die Dachsburg
Im Verhältnis zu seiner Grösse bringt der Dachs ein beachtliches Gewicht auf die Waage. Seine Statur wirkt pummelig, doch sein massiger Körper und die dazugehörigen kurzen Beine deuten auf sein Leben unter der Erdoberfläche hin.
Fühlen sich die Dachse an einem Standort wohl, bleibt der Bau über mehrere Jahrzehnte im Familienbesitz und wird über Generationen hinweg bewohnt und ausgebaut. Dies natürlich nur, wenn es der Untergrund auch zulässt. Der geeignete Boden ist schräg und sandig. Um den Dachs vor Neugierigen zu schützen, möchte Meier nicht sagen, wo Dachsbauten im Oberland zu finden sind.
Der Bau kann über Jahre eine beachtliche Grösse erreichen. Eine solche Ausdehnung ermöglicht auch die Nachbarschaft mit anderen Wildtieren, wie etwa mit dem Fuchs, der sich gerne im selben Bau einnistet.
Die jeweiligen Eingänge seien aber gut zu unterscheiden, meint Meier. «Die Eingänge, die Dachse benutzen, gleichen einer glatten Rutschbahn und sehen sehr ordentlich aus. Auch weist die Dachslatrine, das sind viele kleine Löcher, in denen er das Geschäft errichtet auf den Dachs hin.»
Auf Nahrungssuche
Sie halten sich nicht nur in ihrem markierten Territorium auf. Durch Hunger und Neugierde getrieben, legen sie täglich mehrere Kilometer zurück, sagt Meier. Der Dachs frisst Insekten und weitere Kleintiere, die sich nachts in der obersten Erdschicht aufhalten. «Es ist gut möglich, dass der Dachs den Garten nach Regenwürmern umgräbt und Löcher hinterlässt», erklärt er.
Das Tier schreckt nicht vor Grenzen zurück, die der Mensch angelegt hat, wie etwa einem Gartenzaun, während er jene seiner Artgenossen durchaus respektiert. Landwirtschaftliche Kulturen stehen auf seinem Speiseplan ebenfalls weit oben. «Ein Dachs ist ein Allesfresser», schlussfolgert Meier. Auf Nahrungssuche kann er deshalb auch grossen Schaden in Rebbergen oder Maisfeldern anrichten.
Die Gefahr lauert auf der Strasse
Ausgewachsene Exemplare hätten nicht viele Feinde. «Seine grösste Gefahr ist wohl das Auto», sagt der Fachmann. Wenn ein Dachs tot am Strassenrand liegt, ist das leider einer der wenigen Situationen, ihn tagsüber zu sichten.
In der Dunkelheit sind nachtaktive Tiere schlecht sichtbar. Oder erst, wenn es bereits zu spät ist: Sie werden vom Scheinwerferlicht des Autos geblendet und bleiben deswegen oft mitten auf der Strasse stehen.
Vor allem in den Monaten April und Mai ist die Fallwildzahl gross, teilt die kantonale Jagdverwaltung mit. Dann, wenn die Jungen aus ihren Bauten kriechen. Jährlich sterben laut Jagdverwaltung zwischen 80 und 100 Dachse durch den Strassenverkehr im Oberland. Ab November würde die Zahl aber massiv zurück gehen, wenn die Tiere ihre Winterruhe abhalten.
Was tun bei einem Wildunfall
– Warnblinker anschalten und Ruhe bewahren
– Unfallstelle mit Warndreieck sichern
– Unfälle mit Tieren sind meldepflichtig: Polizei (117) anrufen, diese bietet allenfalls Wildhüter auf
– Sich vom verletzten Tier fernhalten, dieses steht unter Stress und kann gefährlich sein
– An der Unfallstelle auf die Polizei warten
Quelle: mobiliar.ch