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Die Freiwilligen der Igelstation Kollbrunn haben alle Hände voll zu tun

Die Igelstation in Kollbrunn beherbergt zurzeit sehr viele Tiere. Das hat auch mit der aktuellen Trockenheit zu tun.

Elisabeth Bont betreut seit Jahren Igel – nun hilft sie auf der Station in Kollbrunn.

Fotos: Bettina Schnider

Die Freiwilligen der Igelstation Kollbrunn haben alle Hände voll zu tun

Video: PD/Schnitt: Paulo Pereira 

Im April öffnete die Igelstation in Kollbrunn ihre Türen. Ab diesem Moment standen im Tösspark 20 schwarze Wannen für die stachligen Tiere bereit.

Doch lange herrschte Ruhe in der Station. Der Start war für die neu gegründete Igelstation schwierig, wie Vereinspräsidentin Juliette Roder bestätigt. «Zuerst hatten wir keine Tiere und dann vor allem ältere Männchen, die nicht überlebt haben.»

Sie seien alle bereits abgemagert und dehydriert nach Kollbrunn gekommen. «Wir konnten nur noch Palliativ-Care leisten.»

Der Geruch von Katzenfutter

Doch in der Zwischenzeit ist die Station gut gefüllt. Das riecht man sofort, wenn man den Raum im Tösstpark betritt. Der Geruch von Katzenfutter steigt einem in die Nase. Dieses dient als Hauptfutter für die gut 20 Igel, die im Moment in Kollbrunn betreut werden.

«In der Natur fressen Igel vor allem Insekten», erklärt Roder. Auf der Igelstation erhalten sie als Ersatz Katzenfutter mit möglichst tiefem Getreideanteil. «Sie brauchen vor allem Protein aus Fleisch.»

Milch geben und Bauch massieren

In vielen Wannen hat es Jungtiere – die meisten von ihnen mutterlos. Junge Igel können ohne Muttertiere aber nicht überleben, vor allem dann nicht, wenn sie noch ganz klein sind. «Sie müssen normalerweise alle paar Stunden Milch saugen», sagt die Vereinspräsidentin.

Sind die Igel so klein, kommen sie nicht sofort auf die Igelstation, sondern zu einigen freiwilligen Helfern, den sogenannten «Schöppelern.» Sie müssen den Tieren etwa alle zwei Stunden zwar nicht das Fläschchen, aber Milch aus einer Spritze geben – auch in der Nacht.

Man sieht eine Frau ,die einen eingekugelten Igel in der Hand hält.

Das sei sehr anstrengend, betont Roder. Zumal es mit der Flasche noch nicht getan ist. «Man muss den Kleinen anschliessend den Bauch massieren, damit ihre Verdauung angeregt wird.» In der Natur passiere das, wenn die Mutter sie ablecke.

«Schöppeler » gesucht

Die Igelstation Kollbrunn sucht zurzeit Freiwillige, die beim Füttern der jungen Igel helfen wollen. Voraussetzung dafür ist, dass man sich auf die zeitintensive Arbeit einlassen kann und gewillt ist, die Aufgabe zu lernen. Interessierte können sich unter igelstation-kollbrunn.ch melden.

Sind die Igel schwer genug, kommen sie nach Kollbrunn. Hier pflegt man aber nicht nur mutterlose Jungtiere. Manchmal brauchen ganze Igelfamilien Hilfe. Auch erwachsene Tiere, die verletzt oder krank sind, kommen auf die Station.

Alles auf dem Kontrollblatt

Betreut werden sie sie von vier Igelfachfrauen, die jeweils die Tagesverantwortung übernehmen. Hinzu kommen weitere freiwillige Helfer. Insgesamt sind es fast 20 Freiwillige, die sich um das Wohl der Igel kümmern.

Eine der Helferinnen ist Elisabeth Bont. Sie hat vor Jahren als Igel-Pflegerin auf der Igelstation Winterthur begonnen. Diese war damals noch unter der Leitung von «Igelmutter» Erika Heller, welche die Station fünf Jahrzehnte lang leitete.

«Es sind unheimlich alte Tiere, die es schon so lange auf der Welt gibt.»
Elisabeth Bont, Igel-Pflegerin 

Seit April hilft Bont nun in Kollbrunn – und hat hier alle Hände voll zu tun. Sie muss die Wannen reinigen, die Igel wiegen, ihnen Futter und Wasser und manchmal auch Medikamente geben. Damit alle Helferinnen und Helfer informiert sind, trägt sie die wichtigsten Daten und besondere Vorkommnisse in ein Kontrollblatt ein.

Überlebenskünstler und Einzelgänger

Igel haben Bont schon immer fasziniert. «Es sind unheimlich alte Tiere, die es schon so lange auf der Welt gibt», meint sie begeistert. Wissenschaftler gehen davon aus, dass der Igel seit rund 15 Millionen Jahren sein jetziges Aussehen hat.

Man sieht zwei Igel, die in einer schwarzen Wanne, die mit Zeitungspapier ausgelegt ist, schlafen.

Er gilt als wahrer Überlebenskünstler. Trotzdem machen den stacheligen Tieren die zunehmend trockenen und heissen Sommer das Leben schwer. «Es wird für sie anspruchsvoller, Wasser zu finden oder Würmer, weil diese tiefer im Boden sind», erklärt Bont.

«Die Jungtiere kommen zuerst in einem Gehege, damit sie sich an die Natur und deren Gerüche gewöhnen können.»
Juliette Roder, Vereinspräsidentin Igelstation Kollbrunn

Immer häufiger sind sie deshalb auf Hilfe, wie sie die Igelstation Kollbrunn bietet, angewiesen. An diesem Zufluchtsort dürfen sie aber gemäss Roder nicht zu lange bleiben. «Vor allem wenn man eine Gruppe hat, ginge das auf die Dauer nicht gut», meint die Vereinspräsidentin. Denn Igel seien Einzelgänger.

Deshalb sollen sie früher oder später wieder ausgewildert werden – wenn immer möglich an ihrem Fundort. «Die Jungtiere kommen zuerst in einem Gehege, damit sie sich an die Natur und deren Gerüche gewöhnen können.»

Nach rund zwei Wochen sei es dann jeweils so weit. Das Gehege kommt weg und die Stacheltiere werden entlassen – immer mit der Hoffnung, dass sie in ihrem Leben nicht nochmals auf Hilfe der Igelstation angewiesen sind.

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