Die Opferflamme wird in die Erinnerung zurückgeholt
Zwischen 30’000 und 50’000 Männer und Frauen sollen es am 24. September 1922 gewesen sein, die sich auf dem Wassberg bei Forch zur Einweihung des Wehrmännerdenkmals zusammenfanden. Und beeindruckend war auch die Prominenz aus Politik und Militär.
Der damalige Bundespräsident Robert Haab und der Zürcher Regierungspräsident Ernst Tobler hielten die Festreden. Neben dem gesamten Regierungsrat und zahlreichen bürgerlichen Politikern aus der Region waren auch General Ulrich Wille sowie weitere hohe Offiziere dabei. Sie alle wollten vor der 18 Meter hohen Bronzeplastik in Form einer Flamme der Zürcher Soldaten gedenken, die während des Aktivdienstes im Ersten Weltkrieg verstorben waren.
Initiative der Unteroffiziere
Auf den Tag 100 Jahre später wird es auf der Forch wieder eine Gedenkfeier geben. Organisiert wird sie vom kantonalen Unteroffiziersverband Zürich und Schaffhausen (KUOV ZH und SH). Dessen Vorgängerorganisation, die Unteroffiziersgesellschaft des Kantons Zürich, hatte 1920 die Initiative zum Bau des Denkmals ergriffen. «Wir wollen mit unserer Feier an den Sinn und Zweck des Denkmals erinnern», betont Thomas Amstuz. Der Offizier im Range eines Oberstleutnants präsidiert den KUOV ZH und SH.
«Dieses Denkmal baute das Zürcher Volk als Sinnbild seiner Opfer, die der Weltkrieg 1914-1918 zu des Vaterlandes Schutz forderte», lautet die Inschrift am mehrstufigen Betonsockel, auf dem die Flamme steht. Die Schweizer Armee hatte zwar keine Soldaten durch kriegerische Ereignisse verloren. Aber während des Aktivdienstes starben rund 3000 Wehrmänner durch Unfälle oder an Krankheiten. Alleine während der ersten Welle der spanischen Grippe 1918 kamen pro Tag bis zu 35 Wehrmänner um.
Dankbarkeit als Motivation
Mit den zahlreichen Gedenkstätten, die in den 1920er Jahren vor allem in den Nachbarländern, aber auch in der Schweiz entstanden, sollten die Ideale von Kampf und Opferbereitschaft sichtbar gemacht werden. «Bei uns soll heute die Dankbarkeit im Vordergrund stehen», meint Amstuz.
Für den Unteroffiziersverein ist es nicht zum ersten Mal, dass er zu einer Feier am Wehrmännerdenkmal zusammenkommt. 2018 erinnerte er dort an das Ende des 100 Jahre zuvor beendeten Ersten Weltkrieges. Und 1989 war die Erinnerungsstätte auch einer der Veranstaltungsorte der damals umstrittenen Diamant-Feiern, die zum 50. Jahrestag der Mobilmachung anlässlich des Ausbruchs des Zweiten Weltkrieges stattfanden.
In der Telezüri-Sendung wird die Feier beim Forchdenkmal von 2018 gezeigt.
Um den Geist der Initianten nachzuleben feiert die Standortgemeinde Küsnacht jeweils ihre Bundesfeier beim Forchdenkmal. Zudem wird das Gelände immer wieder für kleinere militärische Anlässe wie Beförderungen oder Fahnenweihen genutzt.
Festreden und Kranzniederlegung
Das Programm, das nun für den 24. September angesagt ist, liest sich ähnlich wie jenes 100 Jahre zuvor. Nach der Besammlung ab 13.30 Uhr und Salutschüssen findet ab 14 Uhr der eigentliche Festakt statt. Zwar wird kein Bundesrat sprechen. Doch mit Regierungspräsident Ernst Stocker (SVP) und Sicherheitsdirektor Mario Fehr (parteilos) werden gleich zwei der höchsten Vertreter des Kantons Zürich das Wort ergreifen.
Eine Erinnerung an die Opferbereitschaft im ersten Weltkrieg
08.11.2018

Denkmal auf der Forch
Das Denkmal auf der Forch erinnert an Wehrmänner, die im ersten Weltkrieg starben. Beitrag in Merkliste speichern Als Vertreter der Armee wird Divisionär Rolf André Siegenthaler, Stellvertreter Chef Operationen und ab Oktober Kommandant der Logistikbasis der Armee, ebenfalls sprechen. Und schliesslich wird Markus Ernst, Präsident der Standortgemeinde Küsnacht und als Brigadier Stellvertreter des Kommandanten der Territorialdivision 2, eine Grussbotschaft ausrichten.
Neben den Ansprachen wird ebenfalls eine Kranzniederlegung stattfinden. Für eine Teilnahme sind laut dem KUOV-Präsidenten auch Traditionsvereine angefragt worden. Auf jeden Fall anwesend sein wird der Unteroffiziersverein Uster. Seine Compagnie 1861, die in Uniformen von anno dazumal auftreten, wird unter anderem die Fahnenwache stellen.
Bescheidener Besucheraufmarsch erwartet
Auch wenn nun ein rundes Jubiläum begangen wird, bleibt Amstuz bescheiden, was den Besucheraufmarsch anbelangt. «Ich hoffe auf 400 bis 500 Teilnehmer. Es sind alle herzlich willkommen.» Da auch ältere Besucher erwartet werden, wird durch die Gemeinschaft Militärmotorfahrer des Kantons Zürich ein Shuttle-Bus hoch zum Denkmal eingerichtet.
Oben wird ein Festzelt aufgestellt, so dass auch bei schlechtem Wetter die Reden im Trocken gehalten werden können. Dort wird den Besuchern gratis eine Wurst mit Brot abgegeben. Und zur Erinnerung an den denkwürdigen Anlass werden alle ein Bierglas mit Logo und erhalten.
Forchbahn gab Ausschlag für Standort
Dass das Wehrmännerdenkmal dort steht, wo es seit 100 Jahren thront, war nicht von Anfang an klar. So hatten sich auf eine Ausschreibung im 1920 neun Gemeinden gemeldet. Die Gemeinden Brütten, Illnau, Kyburg, Regensberg und Russikon fielen ausser Traktanden, da die dort für das Monument vorgesehenen Standorte nur schlecht mit öffentlichen Verkehrsmitteln, sprich Bahn, zu erreichen waren.
Höngg, das damals noch nicht eingemeindet war, kam wegen der grossen Nähe zu Zürich nicht in Frage. So wurde von den damaligen Entscheidungsträgern hervorgehoben, dass dem Denkmal «die landschaftliche Lage» bald genommen würde. Ohnehin kam das «rote Zürich», wo während des Generalstreiks zahlreiche auch gegen die Armee gerichtete Aktionen stattgefunden hatten, nicht in Frage.
Was den Standort auf dem Pfannenstiel anbelangte, wurde ihm fehlende «Würde» angekreidet, da er doch zunehmend belebter werde. Das Pfäffiker Irgenhausen kam deshalb nicht in Frage, weil das römische Kastell nicht mit einem Wehrmännerdenkmal für vereinbar erachtet wurde.
Das Rennen machte der Standort Forch, der vom Präsidenten der Forchbahn ins Spiel gebracht worden. «Der Platz liegt westlich der Forch am Anhang des Wassberges auf einer Höhe von 720 m, ca. 10 Minuten oberhalb der Station Forch und bietet einen prächtigen Ausblick auf die Landschaft und die Berge, dazu noch den See. Der Vorteil ist die Nähe der Stadt, der Seebezirke, des Oberlandes, gute Zufahrt mit der Bahn von allen Seiten …», heisst es im Bericht des Kantonsbaumeisters.
Immerhin steuerte die Forchbahn eine Spende von 7000 Franken an den Bau bei. Dieser kam mit gut 110’000 Franken schliesslich einiges teurer als die ursprünglich veranschlagten 60’000 Franken.
Auf Erweiterung verzichtet
1946, kurz nach dem Zweiten Weltkrieg, wollte der Regierungsrates das Wehrmännerdenkmal erweitern. Gedacht wurde an eine Gedenkwand, auf der die Namen der am Todestage im Kanton Zürich wohnhaft gewesenen und während der Aktivdienste 1914 bis 1918 und 1939 bis 1945 verstorbenen Wehrmänner hätten aufgeführt werden sollen. Umgesetzt wurde diese Idee nicht.
Dagegen wurde 1990 anlässlich einer umfassenden Restaurierung im Innern der Flamme ein Archiv eingerichtet. In diesem finden sich zwei Tafeln mit den Namen aller in den beiden Weltkriegen verstorbenen Soldaten des Kantons Zürich.
Damals war die Bronzeplastik per Helikopter zur Überholung zu einer Metallbaufirma nach Nänikon geflogen worden. Schon 1974 war das Denkmal restauriert und von Rost befreit worden, der sich in der Flamme gebildet hatte. Ventilationslöcher verhindern seither die Bildung von Kondenswasser im Inneren. Allerdings nicht ganz: 2016 musste die Flamme wegen eindringendem Regenwasser erneut repariert werden. Der hohle Betonsockel musste wie 1990 im Jahr 2016 nochmals restauriert werden.