Social Media und die Stadtpolizei Uster
Am nächsten Montag, dem 11.7., führt die Stadtpolizei Uster einen Twitter-Halbmarathon durch – man beachte das Datum. Während zwölf Stunden bietet die Polizei einen Einblick in ihren Alltag und ihre laufenden Einsätze.
Seit rund vier Jahren ist sie schon auf verschiedenen Plattformen im Internet aktiv. Twitter ist nur einer von vier Accounts, der von der Ustermer Polizei geführt wird. Sie besitzt ein Profil auf Facebook, Linked-In und seit gut einem Jahr noch auf der Plattform Tik Tok.
Bei der Stadtpolizei Uster gäbe es keine Mitarbeitenden, die sich nur um Social-Media-Kanäle kümmern würden, sagt Andreas Dambach, der stellvertretende Kommandant. «Das Team setzt sich aus Mitarbeitenden aller Bereiche zusammen. Diese machen die Arbeit im Nebenamt», erklärt er. Es fehle dem kleinen Polizeikorps an den nötigen Ressourcen für eine Medienstelle.
«Unsere Profile ersetzen nicht den Notruf.»
Andreas Dambach, stellvertretender Kommandant
Für die Polizei ist es nicht Pflicht, in den sozialen Medien präsent zu sein. Dennoch ist es laut Dambach ein verstecktes ‹Muss›. «Wir müssen mit den gesellschaftlichen Entwicklungen mitgehen», erklärt er. «Das heisst, wir müssen dort präsent sein, wo sich auch die Bevölkerung aufhält.»
Im Austausch mit der Bevölkerung
«Auf Social Media können wir nicht mehr verzichten», meint Andreas Dambach. Die Interaktion mit der Bevölkerung ist für beide Seiten von Vorteil.
Die Leute hätten einen schnellen und direkten Zugang zu Informationen. Von Vorteil sei zudem, dass Personen nicht an den Schalter müssten, Meldungen anonym absetzen oder schnell ein Foto zustellen könnten. «Der einfache Zugang bringt aber auch die Erwartungshaltung mit sich, eine rasche Antwort zu bekommen», meint er.
Die Wahrnehmung, dass die Polizei auch mal offline sei, hätten die Leute nicht. Für sie sei die Polizei immer 24 Stunden am Tag erreichbar. «Unsere Profile ersetzen aber nicht den Notruf», sagt Dambach.
« Auch Falschmeldungen » , sagt Dambach, « verbreiten sich teilweise rasend schnell. Die Polizei muss mit der laufenden Überwachung der Social-Media-Kanäle diese entdecken und rauf rasch reagieren können. »
Beispielsweise als Blaualgen am Greifensee auftauchten und gleichzeitig Hunde gestorben sind. «Wir mussten schnellstmöglich reagieren, damit sich das Gerücht von vergifteten Ködern nicht weiter ausbreitete. Glücklicherweise hat sich unsere Meldung auf Social Media so schnell verbreitet, dass nach zwei Stunden wieder Ruhe eingekehrt ist.»
Gezielt erstellte Beiträge
Die Profile, die die Stadtpolizei Uster auf den verschiedenen Plattformen besitzt, sind jeweils auf unterschiedliche Zielgruppen zugeschnitten. Ersichtlich ist dies an den Beiträgen, die hochgeladen werden.
Auf Twitter veröffentlicht sie Kurzmeldungen und aktuelle Informationen. Auf Facebook hingegen steht das Storytelling mehr im Fokus. Die Geschichten sind längerfristig interessant, es werden Anlässe, Verkehrskonzepte sowie Statistiken hochgeladen.
Linked-In ist der Unternehmens-Account und ist dazu da, neue Mitarbeitende anzuwerben und das Unternehmen vorzustellen. Die veröffentlichten Kurzvideos auf Tik Tok sollen derweil Jugendliche ansprechen. Sie dienen der Prävention und Information.
Dass die Stadtpolizei Uster nun aber im Internet mit einem Profil präsent ist, bedeutet also nicht, dass sie gezielt nach Verstössen im Netz sucht. Es sei keine Online-Patrouille, die bei Internetkriminalität eingreife.
Zwischenfazit für Tik Tok
Der Account ‹Youstercops› existiert seit rund einem Jahr auf Tik Tok und wird vom Jugenddienst geführt. « Dafür braucht es Leute, denen diese Arbeit Spass macht », meint er. Denn für den Kanal würden einige freie Stunden draufgehen. Sei es, um die Videos zu erstellen oder, um mit den Jugendlichen in Kontakt zu treten.
So will die Stadtpolizei Uster die Jugendkriminalität senken
12.06.2021

Online-Patrouille auf TikTok
Die Stadtpolizei Uster setzt im Kampf gegen die steigende Jugendkriminalität neu auf die Social-M Beitrag in Merkliste speichern Heute kann der stellvertretende Kommandant ein positives Zwischenfazit ziehen. Für die kleine Stadtpolizei Uster sei es ein grosser Erfolg, dass Videos im Schnitt 150’000 mal angeschaut würden.
@youstercops Bei häuslicher 👊🏻 Gewalt => Hole dir unbedingt Hilfe‼️#fyp #fürdich #polizei #cops #switzerland #uster #häuslichegewalt ♬ Lautlos – Mario Novembre
Es gäbe jedoch wichtigeres als Views und Followerzahlen. «Das wichtigste für uns ist die Interaktion mit den Jugendlichen und die funktioniert», sagt Dambach.
Es gehe darum, dass Botschaften und Themen an Jugendliche heran gebracht werden könnten. Dies auf eine Art und Weise, dass Jugendliche schnell und ohne zusätzlichen Aufwand konsumieren können. «Jugendliche schreiben uns Dinge im Vertrauen, die sie uns nicht direkt ins Gesicht sagen könnten.»
Grenzen für die Polizei
Alle Beiträge unterstehen dem vier-Augen-Prinzip. «Die Richtlinien für eine Polizeistation, was sie im Netz veröffentlichen darf und was nicht, sind etwas strenger als jene für Privatpersonen, weil wir mehr im Fokus stehen.»
Es werden beispielsweise keine Personendaten veröffentlicht. Das Amtsgeheimnis muss respektiert werden, keine ermittlungsrelevanten Informationen werden bekannt gegeben; auch keine Bilder, die Personen gut erkennbar zeigen. Politische Botschaften dürfen auch nicht veröffentlicht werden, denn die Polizei ist ein neutrales Unternehmen.
Am Montag kann die Bevölkerung die Arbeit und Einsätze der Polizei unter dem Hashtag #PT117_22 aktiv auf Twitter mitverfolgen. Der Twitter-Halbmarathon beginnt um 06.00 Uhr und endet um 18.00 Uhr.