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Gesellschaft

In Bubikon wird der Natur zuliebe Saatgut transplantiert

Birdlife Schweiz feiert ihr 100-jähriges Bestehen mit 100 Naturschutzprojekten. Eines davon befindet sich in Bubikon auf dem Anwesen des Schauspielerpaars Daniel Rohr und Hanna Scheuring.

Am frühen Morgen sind die Arbeiten schon in vollem Gange: Die artenreiche Wiese in Wetzikon wird gemäht., Anschliessend wird das gemähte Gras eingesammelt und nach Wetzikon gebracht., Dabei wird ein kleiner Fleck Gras stehen gelassen, damit die Tiere nicht von heute auf morgen ihre Nahrungsquelle verlieren., Der brachen Fläche wurde zuvor die oberste Schicht abgetragen, um sie von Unkraut zu befreien., Eine Fläche von rund vier Aren wird mit dem gemähten Gras bedeckt., Die Transplantation: Das Gras wird gleichmässig auf der Fläche verteilt. Dann lässt man es einfach liegen., Auch Rohr und Scheuring helfen mit - jedoch auf ihre eigene Art., Das Gras wird nun einfach liegengelassen. Bald wird wieder gemäht, denn vor allem Anfangs braucht die Fläche viel Pflege.

Fotos: Mara Schneider

In Bubikon wird der Natur zuliebe Saatgut transplantiert

Ein Traktor fährt vor, hält vor einem Grundstück und schüttet mehrere Kilogramm gemähtes Gras auf eine brachgelegte Fläche in Bubikon ab. Das Grundstück gehört den beiden Schauspielenden Daniel Rohr und Hanna Scheuring. Die beiden sind nirgends zu erblicken – für das Projekt sind sie jedoch massgebend.

Eine Handvoll Menschen hat sich derweil versammelt und verfolgt das Geschehen. Unter ihnen befindet sich auch Raffael Ayé, Geschäftsführer von Birdlife Schweiz. Die Organisation feiert dieses Jahr ihr 100-jähriges Bestehen. Doch die Festlaune sei getrübt: «Unserer Organisation geht es Bestens. Die Natur hingegen braucht Hilfe.»

Von Spender und Empfänger

Aus diesem Grund werden 100 Naturschutzprojekte durchgeführt, die nicht die Organisation, sondern die Natur vom Jubiläum profitieren lassen. Eines dieser Projekte ist die Direktbegrünung in Bubikon. Ayé vergleicht das Projekt mit einer Transplantation. «Der Patient ist die Natur.»

Das Gras stammt von einer artenreichen Wiese in Wetzikon. «Die Spenderwiese wurde gemäht, woraufhin dann das Saatgut nach Bubikon transportiert und auf der brachgelegten Fläche ausgebreitet wurde», sagt Ayé. Der Vorteil der Direktbegrünung bestehe darin, dass Pflanzenarten und Insekten dabei sind, die in einer gekauften Mischung fehlen würden.

Wie auch beim Menschen dürfen Spender- und Empfängerfläche nicht zu verschieden sein. Es handelt sich bei der Spenderfläche um einen Standort mit ähnlichem Boden, der zudem noch sehr artenreich ist. Ayé erklärt: «Die Spenderfläche befindet sich bestenfalls innerhalb eines Kilometers. Dann passt die Genetik der Pflanzen zu den lokalen Bodenstrukturen und den klimatischen Verhältnissen. Die Transplantation kann optimal gelingen.»

Artenvielfalt fördern

Die 100 Projekte entstehen alle in Zusammenarbeit mit Sektionen von Birdlife Schweiz. Die Direktbegrünung in Bubikon ist nur eines von vier, das gemeinsam mit dem lokalen Naturschutzverein Bubikon Wolfhausen entstanden ist.

«Es gibt immer weniger Hecken. Weniger Blumenwiesen. Dadurch verschwinden die Tiere», erklärt Franziska Angele, Co-Präsidentin der lokalen Naturschutzvereins Bubikon Wolfhausen, ihren Willen sich für die Umwelt zu engagieren.

Da man aber nicht nur reklamieren könne, müsse man eben selber Hand anlegen. Das Ziel des Vereins sei es, die Tiere wieder zurückzuholen. «Es ist doch viel schöner, wenn es lebt.» Mit den beiden Schauspielern hätten sie die passende Umgebung für eines der Projekte gefunden.

Gegärtnert wird in der Freizeit

Während das Gras gleichmässig auf der Fläche verteilt wird, kommt auch das Schauspielerpaar aus ihrem alten Bauernhaus, um auf den letzten Metern selbst noch Hand anzulegen. Die beiden sind selber Mitglied im lokalen Naturschutzverein und waren sofort bereit, bei sich zu Hause die biologische Vielfalt zu fördern.

Daniel Rohr und Hanna Scheuring in Bubikon.

Es sei schliesslich nicht das erste Mal. In den letzten Jahren hat sich auf dem Anwesen und rundherum schon sehr viel getan. Eine Trockensteinmauer bietet durch ihre Schichtenstruktur einen idealen Rückzugsort für Insekten und Kleintiere. Es gibt Sandlinsen für Bienen, denen durch ein Bienenhotel noch nicht geholfen ist. Oder Asthaufen, die wiederum Unterschlupf, Nahrung und Lebensraum bieten.

Ein neuer Schützling

Obwohl man die transplantierte Fläche nun so belässt, ist die Arbeit noch nicht getan. Tizian Frey, Leiter des Fachbereichs Naturschutz der SKW, einer Bubiker Renaturierungsfirma, erklärt, dass die zu entstehende Grünfläche vor allem zu Beginn viel Pflege benötige. «Sie ist wie ein Kleinkind.»

In der nächsten Zeit muss das Gras, sobald der Erdboden nicht mehr zu erblicken ist, gemäht werden. Das dürfte für das Schauspielerpaar jedoch kein Problem sein. Neben der Schauspielerei verbringe Daniel Rohr sehr viel Zeit im Garten. Und wenn jemand von der Natur erzähle, höre er immer genau zu. «Ich verhalte mich dann wie ein kleiner neugieriger Junge», witzelt er.

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