«Ich habe am liebsten Schnellschüsse, so kommt man vorwärts»
Vor 36 Jahren hatte Richard Kägi seinen ersten Tag als Brunnenmeister in Turbenthal und war in dieser Funktion für die Trinkwasserversorgung verantwortlich. «Man hat mir damals gesagt, dass das gar nicht so viel zu tun gebe», erinnert er sich heute lachend.
«Ich müsse nur einmal pro Woche die Blätter beim Messgerät wechseln und einmal monatlich mit den Kindern einen Spaziergang zu den Quellen unternehmen.» Das hat Kägi überzeugt, diese Aufgabe zu übernehmen.
Angestellt bei der Gemeinde Turbenthal war aber nie. «Ich war immer Brunnenmeister auf Mandatbasis», erklärt er. Das sei einfach historisch so gewachsen.
«Gröber veraltet»
Für die letzten fast vier Jahrzehnte war Kägi für die Wasserversorgung in Turbenthal zuständig – und hatte ein breites Tätigkeitsfeld. Als er angefangen hatte, war das Leitungsnetz in Turbenthal bereits, wie er sagt, «gröber veraltet». Den grössten Teil hatte man während der Kriegsjahre gebaut.
«Mit meinen Ideen bin ich nie angestanden.»
Richard Kägi, Turbenthaler Brunnenmeister
Schnell realisierte Kägi, dass das Netz gut unterhalten werden muss. Und das bedeutet auch, dass er als Brunnenmeister selber anpackt. «Ich habe te ils Reservoire alleine saniert», erinnert er sich. Und wenn irgendwo eine Leitung brach, war er als erster zur Stelle, um eine Notversorgung einzurichten.
Gleichzeitig hat er auch die stetige Sanierung der Leitungen vorangetrieben. «Ich habe mit fünf Gemeinderäten zusammengearbeitet und mit allen verstand ich mich gut.» Diese hätten zwar haushälterisch gedacht. «Aber mit meinen Ideen bin ich nie angestanden.»
Aufwändige Bürokratie
Über die Jahre hat sich Kägis Aufgabenbereich stetig verändert. Es kam auch immer mehr Büro-Arbeit dazu. «Vor allem die Planung von Bauprojekten ist nicht zu unterschätzen», betont er. Auch die Ansprüche an die Qualitätssicherung der Wasserversorgung.
Dazu kam, dass Turbenthal 2008 drei kleinere Wasserversorgungsgenossenschaften auf dem Gemeindegebiet übernommen hatte. Dadurch wurden für Kägi die Wege länger. «Wenn ich für einen Kontrollgang nach Schmidrüti muss, dann dauert das seine Zeit.»
«Es war vielleicht schon damals verboten, aber das hat niemanden gekümmert.»
Richard Kägi
Ebenso seien die administrativen Prozesse langwieriger und komplizierter geworden. Mehr Stellen seien involviert. «Sobald ich heute nach Zürich anrufe, geht’s los», sagt er und meint damit die Bürokratie beim Kanton.
Bewilligung am Telefon
Kägi mag es aber lieber unkonventionell. «Wenn ich heute an gewisse Dinge aus der Anfangszeit zurückdenke, die würde ich heute bestimmt nicht mehr so machen.» Ein Loch in einer Schutzzone graben – wieso nicht? «Es war vielleicht schon damals verboten, aber das hat niemanden gekümmert.»
Dieser hemdsärmeligen Art ist er trotz aller Regeln und Anforderungen bis heute treu geblieben. Als sich im Rahmen der Kreiselsanierung eine Leitungssanierung ergab, handelte er sofort. Nur gerade zwei Wochen hatte man Zeit, das Projekt zu realisieren. «Ich habe am liebsten Schnellschüsse, so kommt man vorwärts.»
Die Bewilligung aus Zürich für die Sanierung habe er am Telefon erhalten. «Erst im Nachhinein haben wir die Pläne und alle Unterlagen eingereicht, für die Ablage.» So mag es Kägi, möglichst einfach und unkompliziert.
Lehrgeld beim Gmeiwerch
Doch diese Herangehensweise bedeutet nicht, dass Kägi nachl ässig war. Er hat auch die eine oder andere Lektion lernen müssen. 1998 gab es beispielsweise einen Defekt beim Grundwasserpumpwerk beim Gmeiwerch. Es folgte eine aufwändigere Sanierung und die Gemeinde war auf Trinkwasser von ausserhalb angewiesen.
«Ich bin sehr froh, hatte ich als Quereinsteiger diese lange Einführungszeit.»
Patrick Rusterholz, neuer Brunnenmeister in Turbenthal
«Vorher war ich immer der Überzeugung, dass wir ohnehin genügend Wasser haben», gibt Kägi zu. Wenn irgendwo ein wenig versickere, sei das nicht so schlimm.«Damals habe ich meine Philosophie geändert: Wir brauchen ein dichtes Netz.»
Diese Einstellung will er auch seinem Nachfolger Patrick Rusterholz auf den Weg geben. Dieser ist seit Oktober bei der Gemeinde Turbenthal angestellt.
Rusterholz hat in den letzten Monaten die wichtigsten Handgriffe von Kägi gelernt. «Ich bin sehr froh, hatte ich als Quereinsteiger diese lange Einführungszeit.»
Auch wenn Kägi nun in den Ruhestand geht, wird er Rusterholz vielleicht doch das eine oder andere Mal mit seinem grossen Know-how zur Seite stehen. «Aber nur wenn es wirklich nötig ist», betont der neue Brunnenmeister.
Neuer Brunnenmeister, neues Fahrzeug
Da Kägis Nachfolger Patrick Rusterholz bei der Gemeinde angestellt ist, braucht er im Gegensatz zu Kägi ein Fahrzeug der Gemeinde. Der Gemeinderat hat im Februar einen Kredit von 67’000 Franken dafür bewilligt.
Der bestellte VW-Transporter ist in der Zwischenzeit verfügbar, der Innenausbau jedoch noch nicht ganz abgeschlossen.
«Es ist für mich ein Anliegen, dass der neue Brunnenmeister über ein modernes und anständiges Arbeitsmittel verfügt», sagt der zuständige Gemeinderat Heinz M. Schwyter (parteilos). Das gehöre sich so.
