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Gesellschaft

Diese Wilemerin wagt mit Hundedecken den Sprung in die Selbständigkeit

Claudia Wullschläger aus Wila näht für ihr Leben gern. Doch nicht primär für Menschen, sondern für deren vierbeinige Lieblinge. Nun will sie ihr Hobby zum Beruf machen.

Claudia Wullschleger stellt Unikate aus Stoff her – vor allem für Vierbeiner., Ihre Stube gleicht bereits einem Nähatelier. Hier schneidet sie ein Schnittmuster für ein Katzen-Tipi zu., Auch ihre beiden Hunde Giuli (links) und Gino kommen in den Genuss, zum Beispiel mit selbstgenähten Hundemänteln.

Fotos: Bettina Schnider

Diese Wilemerin wagt mit Hundedecken den Sprung in die Selbständigkeit

Wer das Wohnzimmer von Claudia Wullschläger in Wila betritt, findet sich in einem Nähatelier wieder. Auf dem Esstisch liegt ein grosses Stück Stoff bereit – und auf diesem Schnittmuster.

Am Boden lagern in Kisten viele weitere Stoffe. Die Nähmaschine, das Hauptarbeitsins­trument von Wullschläger, steht auf einem Beistelltischchen.

«Das Nähen wurde immer mehr zur Nebenbeschäftigung.»
Claudia Wullschläger, Näherin aus Wila

Alles scheint seinen festen Platz zu haben, trotzdem ist das Nähparadies noch sehr jung. Erst vor gut einem Jahr hat Wullschläger diese Leidenschaft wieder für sich entdeckt – obwohl sie ihr eigentlich in die Wiege gelegt wurde.

«Meine Mutter hat alle unsere Kleider immer selber genäht», erinnert sie sich. Sie tat es ihr zunächst gleich. «Doch ich wurde älter, stieg ins Berufsleben ein, und das Nähen wurde immer mehr zur Nebenbeschäftigung.»

Hundemäntel nach Mass

Geändert hat sich das im letzten Frühjahr. Wullschläger durch­lebte eine schwierige Phase, sie verlor wegen der Corona-­Krise ihren Job als Buchhalterin.

Das Nähen entwickelte sich vom Zeitvertreib zum grossen Hobby und schliesslich zur Hauptbeschäftigung. Wullschläger stellte aber nicht in erster Linie Stücke für sich her, sondern für ihre Hunde Gino und Giuli.

Den Anfang machten massgeschneiderte Hundemäntel. «Da ich zwei Mischlinge besitze, passen ihnen die Modelle ab Stange nicht.» Also griff die Näh-Enthusiastin zum Massband, zeichnete ein eigenes Schnittmuster und setzte sich an die Nähmaschine.

Auch für Herrchen und Frauchen

Und die Ideen wurden immer zahlreicher. Wullschläger begann, auch noch Decken und Knochen aus Stoff herzustellen. Sie erweiterte stetig ihre Produktpalette und nähte fortan auch Stücke für Herrchen und Frauchen. «Zum Beispiel Sitz­säcke für das Handy oder kleinere Taschen.»

Claudia Wullschläger steht in ihrem Büro. Auf dem Gestell hinter ihr erkennt man viele Hundedecken. Sie hält eine Decke in der Hand.

Wullschlägers Arbeit ist immer auch ein Prozess des Ausprobierens, wie bei den gefütterten Hundedecken. Zuerst verwendete sie dafür herkömm­liches Füllmaterial. Doch das verklumpte beim Waschen. «Als Hundebesitzerin weiss ich, dass man diese Decken regelmässig waschen muss.»

Seither verwendet Wullschläger Schaumstoff­flocken. Ein grosser Sack davon steht in ihrem Büro. «Das gibt zwar immer eine riesige Sauerei beim Befüllen, aber es lohnt sich.»

«Ich musste schnell feststellen, dass es viel Zeit braucht, wenn man alles allein machen muss.»
Claudia Wullschläger

Mit der Zeit konnte sie die genähten Stücke nicht mehr behalten oder in ihrem Umfeld verteilen. Also begann sie damit, in Facebook-Gruppen Werbung dafür zu machen und die Produkte zu verkaufen. «Bisher aber erst in einem überschaubaren Rahmen», erklärt sie.

Der Traum vom eigenen Laden

Doch nun hat Wullschläger grössere Pläne. Sie arbeitet an einer Website, damit sie ihre Unikate einfacher an den Mann und die Frau bringen kann. «Ich musste schnell feststellen, dass es viel Zeit braucht, wenn man alles allein machen muss.»

Momentan gibt die Näherei ein kleines Nebeneinkommen für Wullschläger. Das möchte die Wilemerin bald ändern. «Es wäre schön, wenn ich mein Hobby zum Beruf machen könnte.»

Sie träumt davon, ein Nähatelier zu besitzen und dort ihre selbst gemachten Produkte zu verkaufen. «Ich bin davon überzeugt, dass Leute die Qualität meiner Produkte schätzen.» Ausserdem seien Hundemäntel nach Mass eine Marktlücke.

Noch viele Ideen

Bis es aber so weit ist, wird Wullschläger weiterhin im Wohnzimmer und im Büro arbeiten. Die Ideen werden ihr so schnell nicht ausgehen. Immer noch steht regelmässig ein grosses Paket vor ihrer Haustür mit weiteren Stofflieferungen.

Kürzlich hat sie Schnittmuster für Katzen-­Tipis entdeckt und hat angefangen, solche herzustellen. «Und dann gibt es noch Körbchen, die in die typischen Ikea-Regale passen.» Ein weiteres Projekt, das sie in Kürze angehen will.

Nachmittage der offenen Tür

Von Freitag bis Sonntag lädt Claudia Wullschläger zu Nachmittagen der offenen Tür in ihrem Atelier an der Tösstalstrasse 44 in Wila ein. Vor Ort können Einzelstücke erworben oder Produkte bestellt werden. Mehr Informationen erhält man unter Telefon 076 526 15 90.

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