Sie organisiert Hilfsgüter für die Ukraine und Unterkünfte für Flüchtlinge
Das Elend in der Ukraine kennt Ela Szwarc aus Wetzikon aus eigener Erfahrung. Schon lange. Denn Hilfstransporte aus der Schweiz in den Osten des Landes organisiert sie seit 2016.
Sie hat die Transporte in den Donbass wenn immer möglich begleitet. Diese versorgten drei Waisenhäuser im Krisengebiet. Szwarc hat sie oft besucht und gesehen, woran es dort fehlt. Es fehlte an vielem. Doch jetzt ist die Dimension eine ganz andere.
Jetzt stehen die Waisenhäuser nicht mehr. Die Kinder wurden nach Polen gebracht, und in weiten Teilen der Ukraine fehlt es praktisch an allem. Auch in den Nachbarländern, in die sich die Flüchtlingsströme ergiessen, ist die Versorgungslage kritisch.
Szwarc bringt es in zwei Sätzen auf den Punkt: «Die Leute flüchten in Pyjama und Slippers aus ihrem Haus. So kommen sie dann in Polen an.» Schwangere Frauen kommen ohne irgendwelche Babykleider – von Kinderbettchen ganz zu schweigen. Das alles wird nun gebraucht, um zu helfen.
Seit 2014 ehrenamtlich bei Hilfswerk tätig
Szwarc ist in Polen geboren, lebt aber seit 2008 in Wetzikon und arbeitet als Team Leader Master Data Management. Nebenbei ist sie die offizielle Vertreterin des Hilfswerks «Verein der Freunde der Ukraine» mit Sitz im polnischen Warschau.
«Seit 2014 liegt unser Fokus auf der Ost-Ukraine und den dortigen Waisenhäusern.» Dieser Fokus hat sich in den vergangenen Wochen allerdings komplett verschoben.
Jetzt wird versucht, allen irgendwie zu helfen. In der Ukraine jenen, die geblieben sind, vor allem in Polen jenen, die geflüchtet sind – Ende März sollen es laut Schätzungen der UN-Flüchtlingskommissariats 5 Millionen sein, 2,3 Millionen allein in Polen.
«Wir suchten eine Gastfamilie für eine ukrainische Familie, deren Tochter gelähmt ist.»
Ela Szwarc, Vertreterin Hilfswerk «Verein der Freunde der Ukraine»
Und so versucht Szwarc zusammen mit anderen Freiwilligen vom «Verein der Freunde der Ukraine», Unterkünfte zu finden für die Geflüchteten. Sie greift dabei auf ihr Netzwerk zurück und konnte Familien in Portugal, Spanien oder den Niederlanden finden, die zur Aufnahme bereit waren.
Auch in der Schweiz konnte sie mehrere Familien unterbringen. Speziell war die Situation aber vor allem in Portugal: «Wir suchten eine Gastfamilie für eine ukrainische Familie, deren Tochter gelähmt ist.» Gefunden wurde schliesslich eine Ärztefamilie. Szwarc erzählt von mehreren ähnlichen Beispielen.
Dieselben Probleme in anderen Ländern
Und es zeigt sich, wie vielschichtig die Probleme sind, mit denen es die Hilfsorganisation zu tun hat. Einerseits ist da die Frage der Versorgung der vom Krieg Betroffenen, andererseits die Frage, wohin die Geflüchteten nun können. Und beide Fragen stellen sich in mehreren Ländern gleichzeitig – mit immer weiter zunehmender Dringlichkeit.
«Sie helfen, arbeiten, schlafen kaum. Da sind alle voll dabei.»
Ela Szwarc, Vertreterin Hilfswerk «Verein der Freunde der Ukraine»
Entsprechend viel telefonieren Szwarc und andere Mitglieder des Hilfswerks. «Wir lassen niemanden im Stich, meine Telefonnummer ist auffindbar. Wir verbinden alle zumindest mit jemandem, der oder die helfen kann», sagt sie.
Ihre Motivation für diesen Effort? – «Ich helfe den Leuten sehr gern. Das gleiche gilt für die Mitarbeitenden in Polen: Sie helfen, arbeiten, schlafen kaum. Da sind alle voll dabei.»
Gleichzeitig organisiert Szwarc weiterhin Hilfstransporte aus der Schweiz in den Osten. Erst werden die Güter gesammelt, dann verschickt. Von Polen aus gelangen sie in die Ukraine.«Wir brauchen Essen, Essen, Essen»
Wobei in den vergangenen Wochen mehrfach zu hören war, Sachspenden seien weniger sinnvoll als Geldspenden. Denn die Geldspenden können direkt vor Ort zum Kauf jener Güter verwendet werden, an denen es besonders fehlt. «Das», antwortet Szwarc auf die entsprechende Frage, «habe ich anfänglich auch allen gesagt. Aber jetzt fehlt es an allem.» Sachspenden zum Transport in die betroffenen Gegenden sind also dringend nötig.
Essen, Essen, Essen
Der Hauptfokus: «Essen, Essen, Essen. Das ist, was die Flüchtlinge in Polen und die Leute in der Ukraine am dringendsten brauchen. Die Leute in der Ukraine sind am Verhungern.» Also Konservendosen, Thunfisch, Reis, Mehl, Tee, Kaffee, Nudeln und so weiter, Milch sowie Wasser in Flaschen.
Auch Schuhe sind willkommen, denn viele Geflüchtete verfügen nicht einmal mehr darüber. Und Kleider – sie müssen aber in gutem Zustand sein und vor allem: gewaschen.
Waschmaschinen gibt es in der Ukraine entweder nicht mehr, oder es fehlt der Strom, der sie zum laufen bringen würde. Winterkleider seien indes nicht mehr nötig. Der Frühling ist auch in der Ukraine da.
«Wir hatten die Kontakte schon und konnten sehr schnell Transport-Teams organisieren.»
Ela Szwarc, Vertreterin Hilfswerk «Verein der Freunde der Ukraine»
Dass das von ihr vertretene Hilfswerk nicht auf die gegenwärtige Situation ausgerichtet ist, fügt Szwarc gleich selber an. Man hoffe, mehr Helferinnen und Helfer gewinnen zu können, um weiterhin möglichst vielen helfen zu können.
Die Strukturen des Hilfswerks erlauben trotzdem eine schnelle Hilfe. Oder wie Szwarc es sagt: «Wir hatten die Kontakte schon und konnten sehr schnell Transport-Teams organisieren.»
Konvois fuhren sofort nach Kriegsbeginn aus Polen in die Ukraine. «Innert eines Tages hatten wir eine Strategie, wie wir helfen können, wie wir die Leute aus der Ukraine nach Polen holen und sie in den Häusern verteilen.»
Denn anders in der Schweiz, wo vieles vom Staat übernommen wird, sind in Polen die meisten der 2,5 Millionen Flüchtlinge in privaten Häusern untergebracht. «Wir haben eine Datenbank, sind in Kontakt mit Leuten, verbinden, organisieren Transporte. Und die Leute sind sehr hilfsbereit.»
Sammelaktion in Schwerzenbach
Der «Verein der Freunde der Ukraine» verfügt allerdings nicht über viel Geld, um allen zu helfen. «Vor allem nicht, um Flüchtenden die Tickets zu bezahlen.» Wer hilft, hilft unentgeltlich. «Die Kosten steigen aber, etwa für Öl.» Und eben: Es fehle an vielen Gütern in Polen und in der Ukraine. «Darum schicken wir sie.»
Neu hat die Organisation ein Lager in in Schwerzenbach gefunden, in dem alles gesammelt wird. «Es wird uns von den SBB gratis zur Verfügung gestellt, wofür wir sehr dankbar sind.»
Am Sonntag, zwischen 12 und 18 Uhr, wird ein Sammeltag stattfinden, an dem die Güter an die Bahnstrasse 9 gebracht werden können. Transporte nach Polen und sogar direkt in die Ukraine konnten bisher immer organisiert werden.
Es werden Autos gebraucht
Was in der Ukraine übrigens ebenfalls fehlt: Autos. Es gebe nicht genug Ambulanzen, um Verletzte in Spitäler bringen zu können, sagt Szwarc.
Sie hofft nun, dass sich in der Schweiz Spenderinnen und Spender finden, die ein grösseres Auto haben, das sie nicht mehr brauchen. Es könnte in der Ukraine Leben retten.
Überhaupt: «Wenn jemand irgendwas spenden möchte, nehmen wir es gerne. Einfach alles.» Beim Essen sollte jedoch beachtet werden, dass es möglichst lange haltbar ist.
Und das betont Szwarc: «Wir schätzen jegliche Hilfe wirklich sehr.» Gesucht seien auch Chauffeure oder Transportunternehmen, welche die Güter wöchentlich oder alle 14 Tage gratis transportieren können. Ziel sind die Lagerhäuser in Warschau.
Kontakt und Spendenkonto
Allfällige Fragen können gerichtet werden an towarzystwo.przyjaciol.ukrainy@gmail.com Bankverbindung: Bank BZWBK S.A., 12 Branch in Warsaw, in Euro: PL79109010140000000149805020