«In den letzten Wochen ging nochmals die Post ab»
Die Ära des Kollbrunner «Frohsinns» geht zu Ende. Wo bis Anfang Monat die Gäste speisten, stapelten sich vom letzten Donnerstag bis Mitte dieser Woche Gegenstände wie Dekorationsartikel oder Tischtücher. Alle angeschrieben mit einem Preisschild.
Das ganze Lokal war vollgestellt. Alles, was die beiden Pächter einst für das Restaurant angeschafft hatten, stand zum Verkauf.
Ein Herzensprojekt geht zu Ende
Gegen Barzahlung konnte man die begehren Stücke ergattern. «Es war mein Ziel, möglichst wieder einiges Geld reinzuholen, dass ich mit dem Restaurant in den letzten beiden Jahren verloren habe», erklärt Wirt Peter Lüthi.
Er hatte das Restaurant Frohsinn zusammen mit seiner Partnerin Sanja Sirovina vor rund zweieinhalb Jahren eröffnet.
Mit grossen Hoffnungen für den «Fröhse»: Sie wollten das Lokal im Zentrum von Kollbrunn wieder zu einem Treffpunkt machen. «Schliesslich bin ich in der Gemeinde aufgewachsen und hier verwurzelt», sagt Lüthi. Es sei ein Herzensprojekt gewesen.
«Es lief von Anfang an super und wir waren sehr zufrieden.»
Peter Lüthi, ehemaliger Wirt des «Frohsinn» in Kollbrunn
Er und Sirovina waren beide Quereinsteiger, Lüthi arbeitete vorher als Maurer. Doch er hatte sich bereits einen Namen als Organisator und Koch für diverse Anlässe des Turnvereins gemacht.
Die beiden Gastro-Neulinge setzten ihr ganzes Herzblut in ihr neues Restaurant. Zu Beginn mit grossem Erfolg: «Es lief von Anfang an super und wir waren sehr zufrieden», betont Lüthi.
Verluste jeden Monat
Doch das hielt nicht lange an. Und so kam es, dass sie im Herbst 2021 den Pachtvertrag bereits wieder kündigten. «Das ganze Umfeld, es hat einfach nicht mehr gepasst», begründet Lüthi betrübt den Entscheid.
Und das just zu einer Zeit, wo die beiden bereits mit den Auswirkungen von Corona zu kämpfen hatten. Für das Pächterpaar bedeutete die Pandemie eine fast zweijährige Durststrecke. «Entweder war das Restaurant ganz geschlossen oder wir mussten zig Auflagen einhalten oder Zertifikate kontrollieren», erinnert sich der Wirt.
Wirte des «Frohsinn» in Kollbrunn hören auf
23.11.2021

Ziel ist ein neues Restaurant
Die jetzigen Wirte des Restaurant Frohsinn in Kollbrunn haben gekündigt. Beitrag in Merkliste speichern Es sei eine sehr schwierige Zeit gewesen. «Jeden Monat haben wir unter dem Strich einen Verlust eingefahren.» Das musste Lüthi mit seinen privaten Ersparnissen ausgleichen.
Auch das sei ein Grund, wieso er nun versucht habe, möglichst viel aus dem eigens angeschafften Inventar zu verkaufen.
«Das Interesse war grösser als angenommen», erklärt er. Gewisse Gegenstände konnten auch via Whatsapp oder Instagram einen Käufer finden.
Begehrte Dekoration
Ursprünglich wollte Lüthi den Verkauf nur bis am vergangenen Samstag durchführen. Doch er entschied sich, die Aktion noch um einige Tage bis Mitte dieser Woche zu verlängern.
Besonders zu Beginn kamen auch viele Personen vorbei, die ein eigenes Gastrounternehmen führen. «Sie interessierten sich vor allem für Geschirr oder Küchenutensilien.»
«Seit die Corona-Massnahmen gefallen sind, war das Lokal wieder so gut besucht wie zu Anfangszeiten.»
Peter Lüthi
Aber auch ehemalige Gäste und andere Interessierte haben die Aktion genutzt, um ein letztes Mal im «Fröhse» vorbeizuschauen. «Besonders beliebt waren bei ihnen die vielen Dekorationsartikel, die meine Partnerin Sanja angeschafft hat», sagt Lüthi. Besteck und anderer Kleinkram sei ebenfalls sehr beliebt gewesen.
Ein neuer Versuch in der Stadt
Den «Frohsinn» aufzugeben, stimmt Lüthi dennoch wehmütig. Eigentlich sei es jetzt eine Schliessung zur Unzeit, gesteht er. «Seit die Corona-Massnahmen gefallen sind, war das Lokal wieder so gut besucht wie zu Anfangszeiten.»
Daher freut es ihn sehr, dass er das Abschlussfest in seinem Restaurant ohne jegliche Pandemie-Auflagen feiern konnte. «In den letzten Wochen ging nochmals die Post ab.»
Nun müssen sich Peter Lüthi und Sanja Sirovina Gedanken darüber machen, wie es für sie weitergehen soll. Die beiden können sich gut vorstellen, ihr Glück nochmals in der Gastronomie zu versuchen. Sie haben bereits einige Lokale, vor allem im städtischen Bereich, angeschaut.
«Leider sind die Preise für die Übernahme einer Pacht sehr hoch.»
Peter Lüthi
Denn das Paar kehren Kollbrunn den Rücken. Es verlässt seine Wohnung oberhalb des Lokals und zieht in die Stadt Winterthur. «Weg vom Tal», meint Lüthi. Das biete die Möglichkeit für einen Neuanfang.
«Leider sind die Preise für die Übernahme einer Pacht sehr hoch.». Deshalb sei er noch nicht fündig geworden.
Alles, was Lüthi und Sirovina nicht an den Mann oder die Frau bringen konnten, dürfen die zwei bei einer Freundin zwischenlagern. «Und dann können wir die Dinge hoffentlich wieder gebrauchen, wenn wir an einem anderen Ort starten.»
Zukunft noch unklar
Was aus dem jetzigen Restaurant Frohsinn wird, ist weiterhin unklar. Mitte Februar sagte Mitinhaber Hansruedi Jucker, dass mehrere Optionen geprüft werden. Aktiv nach einem Pächter gesucht habe man aber nicht.
Neuigkeiten über die Zukunft des Restaurants gibt es noch keine, erklärte jüngst Mirco Jucker, Sohn von Hansruedi Jucker. «Es sind weiterhin verschiedene Optionen offen.» (bes)
