Schlatter muss selbstgebauten Bike-Park wieder entfernen
Mit einem Mountainbike über die selbst gemachte Schanze springen – diesen Traum wollte sich der Schlatter BMX- und Mountainbike-Fahrer Alessio Tonoli erfüllen. «Die Idee, einen eigenen kleinen Bike-Jump-Park zu bauen, hatte ich schon seit Jahren», erklärt er.
Ende August letzten Jahres entschied er, den Traum zu verwirklichen. «Ich hatte mir in dieser Zeit gerade die Finger gebrochen und durfte für eine Weile nicht Velo fahren», erinnert sich Tonoli. Doch untätig wollte der 22-Jährige nicht bleiben.
Er entdeckte in der Nähe eines Waldstücks in Waltenstein den perfekten Ort für seinen Bike-Park. «Es ist eine Art Waldlichtung, auf der teilweise Kühe grasen», erzählt Tonoli.
Er machte den Eigentümer des Grundstückes ausfindig und fragte auch beim Pächter nach. Da beide mit seinen Plänen einverstanden waren, begann er mit der Arbeit.
Mit Akkuscheinwerfer in der Dunkelheit
Von Hand stellte er einen Rundkurs her mit Kurven und Schanzen. Er habe dabei auf seine eigene Erfahrung zurückgreifen können, erklärt der Schlatter. «Einzelne Sprünge hatte ich schon in der Vergangenheit gebaut.»
Als die Tage im Herbst kürzer wurden, schaffte er sich einen Akkuscheinwerfer an, um auch bei einbrechender Dunkelheit noch schaufeln zu können. So schuftete er jeden Tag nach der Arbeit um die drei bis vier Stunden.
Doch rund zwei Monate später, nach vermutlich über 300 Arbeitsstunden, kam die böse Überraschung: Die Gemeinde informierte Tonoli, dass er den Jump-Park wieder zurückbauen muss. Der Schock sass tief: «Offensichtlich hat mich jemand bei der Gemeinde angeschwärzt», erinnert sich der BMX-Fahrer.
Für die Vorgaben der Gemeinde hat er wenig Verständnis: «Da versuchen junge Leute etwas positives umzusetzen und dann wird es wieder verunmöglicht.»
Gemeinde ohne Spielraum
Die Gemeinde habe jedoch keinen Handlungsspielraum gehabt, betont der Schlatter Bausekretär Richard Staub: «Die Bike-Piste wurde in der Landwirtschaftszone erstellt und ist damit nicht zonenkonform.»
Das Bausekretariat hatte sich beim Kanton informiert und vom Amt für Raumentwicklung die Rückmeldung erhalten, dass eine solche Bike-Piste bewilligungspflichtig ist. «Die Chance auf eine Bewilligung ist aber faktisch nicht gegeben, da die Anlage weder zonenkonform noch standortgebunden ist», erläutert Staub.
Die Gemeinde und Tonoli einigten sich darauf, dass der Park bis Ende 2021 abgebaut werden muss. «So hatte ich immerhin noch die Möglichkeit, etwas weiterzubauen und den halbfertigen Park einzuweihen», sagt Tonoli.
Dazu nutze er seine Kontakte, denn er ist in der BMX-Szene in der Schweiz bestens vernetzt. Seit seiner Kindheit fährt er BMX. Bis er etwa 15 Jahre alt war, nahm Tonoli auch an Rennen teil.
«Mit etwa zwölf Jahren entdeckte ich dann das Freestyle-BMX für mich», erinnert er sich. Und er entschied sich, diese Karriere weiterzuverfolgen. «Die Tricks mit dem Bike sagen mir mehr zu, als einfach in einem Rennen der Schnellste zu sein.»
Er bestreitet immer noch auf professioneller Stufe Wettkämpfe. Ein Profi im wahrsten Sinne des Wortes sei er trotzdem nicht, betont er: «Ich arbeite nebenher in einer Stickerei, in der wir Textilveredelungen machen.»
Ein Video als Andenken
Für die Einweihung seiner Strecke informierte er auf Instagram seine fast 9000 Follower und lud sie ins Tösstal ein. Rund 30 Personen aus der ganzen Schweiz kamen dann im Dezember nach Waltenstein, um die Strecke unter die Räder zu nehmen.
Die Einweihung des Bike-Parks. Quelle: Youtube/ CHAINZ OUT
«Es war eine sehr gesellige Runde und wir hatten viel Spass», betont Tonoli. Doch er hatte lange zittern müssen, ob seine Bahn an besagtem Tag überhaupt befahrbar sei. «Es lag Schnee, der Boden war aufgeweicht und gewisse Sprünge fielen deshalb kurz zuvor noch zusammen.»
Doch mit etwas Improvisation und schweisstreibender Arbeit sei alles möglich geworden. Tonoli filmte diesen Tag der Einweihung und lud einen Zusammenschnitt des Materials auf seinen eigenen Youtube-Kanal. Das Video wurde bisher fast 3000 Mal angeklickt.
Damit bleiben die Erinnerungen an den eigenen Jump-Track zumindest für eine Weile erhalten. Denn der Rückbau ist unumgänglich. «Ich habe aber wegen der Wetterverhältnisse etwas mehr Zeit erhalten, denn ich brauche einen Bagger.»
