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Ehemaliger Hinwiler Lehrer veröffentlicht Gedichtband

Jahrelang hat sich Basil Schader der deutschen und albanischen Sprache gewidmet. Kürzlich veröffentlichte der ehemalige Hinwiler Lehrer seinen eigenen, barocken Gedichtband, wobei er brandaktuelle Themen aufgreift – und es ihm um mehr als Schafe geht.

Der 70-jährige Basil Schader hat ein Gedichtband verfasst., Es handelt sich um Schäferdichtung - eine beinahe ausgestorbene Gattung. , Das Ortsmuseum in Hinwil war einst der Wohnort des Dichters.

Foto: Andreas Stutz

Ehemaliger Hinwiler Lehrer veröffentlicht Gedichtband

Das Ortsmuseum in Hinwil weckt Erinnerungen bei Basil Schader. Früher hat er einmal in einem Teil dieses Flarzhauses gewohnt. Wie er heute dort auf einem Sofa sitzt, sieht Schader ohne Zweifel so aus, wie man sich einen Professor vorstellt. Seine weissen und vom Wind etwas zerzausten Haare umrahmen sein schmales Gesicht und die runde Brille. Das Klischee der Zerstreutheit erfüllt der 70-Jährige hingegen keineswegs. Er drückt sich gewählt aus – und weiss genau, was er tut.

Seine letzte grössere Tätigkeit, das Dichten, hat nun in Form eines Gedichtbands namens «Wo man sich noch Gevatter sagt» den Weg in die Buchhandlungen geschafft. Damit rundet er die Liste seiner früheren Publikationen ab, darunter Wissenschaftliches, Lehrmittel und Übersetzungen aus dem Albanischen.

Bevor Basil Schader zweimal doktorierte, in Germanistik und Albanologie, hatte er sich zum Primarschullehrer ausbilden lassen. Von 1976 bis 1981 unterrichtete er am Schulhaus Mätteli in Hinwil. «Diese Zeit war etwas ganz Besonderes für mich. Ich habe nur gute Erinnerungen an sie. An viele meiner damaligen Schülerinnen und Schüler denke ich noch jetzt», sagt der ehemalige Lehrer.

«Die Schelte des kleinen Rehs»

In den 90-er Jahren vertiefte er sich neben seiner Lehrtätigkeit als Sprachdidaktiker in den Bereich der interkulturellen Pädagogik. Er lernte Albanisch und leitete für die Pädagogische Hochschule Zürich Kooperationsprojekte auf dem Balkan.

Seit er pensioniert sei, habe er die Zeit gefunden, ein Projekt zu realisieren, das er schon länger mit sich herumgetragen habe. Vor der Kulisse der Schäferei spricht er in 45 Gedichten die unterschiedlichsten Themen an, oft auch mit einem Augenzwinkern. «Sie decken das ganze Spektrum von Feinsinn, Tiefsinn, Trübsinn und Unsinn ab.» Nicht selten habe er die Einfälle für ein Gedicht unter der Dusche gehabt und dann stunden- oder tagelang daran gefeilt.

In seinen Versen ironisiert Basil Schader zuweilen auch den eigenen Schreibprozess, lässt Lämmer und andere Tiere über Absurdes oder Ernsthaftes sprechen und übt Gesellschaftskritik. So beispielsweise im Gedicht «Die Schelte des kleinen Rehs», in dem ein Reh einen Wildhüter als Totschläger bezeichnet. «Du leidest nicht Hunger, du tötest allein // aus abart’ger Freude, Tiermörder zu sein», lautet ein Teil davon.

Bühnenbild Schäferei

Aber nicht nur das Verhältnis zwischen Tier und Mensch behandelt Schader mit Worten. In seinen Zeilen findet sich auch Pessimismus in Bezug auf die Menschheit und deren Umgang mit der Umwelt: 
 

«Warum denn sei dem Mensch vergönnt noch weit’re Zeit,
wo alles er zerstört, und allzu vieles schon
durch seine Schuld verschwand? Er schafft ja nichts als Leid.»

 

Gedicht mit Titel «Terzine wider die Menschlichkeit» von Basil Schader

Obwohl einige Passagen durchaus von Humor geprägt sind, sei es ihm ein Anliegen gewesen, die Leserinnen und Leser nicht nur zum Schmunzeln zu bringen, sondern auch zum Denken anzuregen.

Und natürlich sei die Welt der Hirten angesichts der durchindustrialisierten Landwirtschaft längst nicht mehr die Idylle, die sie in der Antike und im Barock vielleicht einmal gewesen sei. «Dementsprechend wird die Schäferdichtung gewiss auch nicht mehr trendy werden», weiss Schader. Aber: «Vor dieser Kulisse kann sich alles Mögliche abspielen, von Liebeslyrik bis Zeitkritik und zu Derbem und Zotigem.»

Die häufig vorkommenden Lämmer aber fände er ganz einfach «herzig». Zuhause habe er eine ausufernde Sammlung von Plüsch-Schafen.

Illustratorin öffnet Tür zum Verleger

Bei der Verwirklichung seiner Idee bekam Schader Unterstützung  von der Grafikerin Barbara Müller, mit der er schon diverse Projekte realisiert hat. «Ohne zu wissen, dass er einen ganzen Gedichtband verfasst, habe ich ihm zum Geburtstag ein Grundlayout für einige Gedichte geschenkt», erinnert sie sich. Darauf habe Schader ihr den Auftrag für die gesamte Illustration gegeben.

Dichter Basil Schader und Grafikerin Barbara Müller im Ortsmuseum Hinwil.

Müller sei ausserdem die «Türöffnerin» bei der Verlagssuche gewesen, da sie schon länger für den Verleger, Bernd Zocher aus Grüningen, gearbeitet habe.

Dass es schwierig gewesen sei, einen Verleger zu finden, überrascht Schader kaum. «Lyrik ist heutzutage sowieso schon ein schmales Rinnsal», meint er. «Und bei barocker Schäferdichtung wird die Luft vollends dünn.»

Nächste Publikationen geplant

«Wo man sich noch Gevatter sagt» habe guten Anklang gefunden. «Ich habe gar nicht damit gerechnet, aber manche Gedichte wurden sogar in einer Schulklasse vorgelesen.» Vor allem lautmalerische Gedichte eignen sich gut für ein jüngeres Publikum – mit Ausnahme von wenigen, wie er sagt. Dabei zeigt er mit dem Finger auf eines mit dem Titel «Dralle pralle Busen-Ballen» und schmunzelt.

Der 70-Jährige denkt nicht daran, sich nun auf seinem neusten Werk auszuruhen. Übersetzungen aus dem Albanischen und Kurztexte über die Schweiz seien bereits am Entstehen, ein weiterer Gedichtband angedacht.

Das Gedichtband von Basil Schader  «Wo man sich noch Gevatter sagt. Bukolische Gedichte», Verlag Zocher&Peter, ist für 24 Franken erhältlich. 

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