Längst hat man sich im Tösstal an die Tibeter Mönche in ihren roten Roben gewöhnt, man begegnet ihnen manchmal in der S-Bahn oder beim Einkaufen. Und jedes Kind weiss: Sie kommen vom Tibet-Kloster in Rikon.
Es ist eine gute halbe Stunde Fussmarsch vom Bahnhof Rikon zum Tibet-Institut und es geht steil bergauf. Das weckt romantische Vorstellungen von einem beschaulichen Leben im Einklang mit der Natur, unterbrochen von meditativen Sitzungen. Und manch westliche Interessierte haben sich dabei auch schon gedacht, hier eine persönliche Zeremonie, sei es eine Hochzeit oder Taufe, abzuhalten.
Philip Hepp, der Kurator des Tibet-Instituts, winkt ab: Tatsächlich erhält er regelmässig solche Anfragen. Das Institut hat aber eine andere Aufgabe: Es dient hauptsächlich der Seelsorge und der Pflege der Kultur Tibets der Tibeter-Gemeinde in der Schweiz, die rund 8000 Menschen umfasst.
Schwierige Integration
Die Vorgeschichte des 1968 eröffneten Institutes ist interessant. Der spätere Entwicklungshelfer Toni Hagen (1917 – 2003) studierte 1961 und 1962 für das Internationale Komitee vom Roten Kreuz IKRK die Möglichkeit, in Nepal Flüchtlinge aus Tibet anzusiedeln. Zurück in der Schweiz wirkte er am Vorschlag an den Bundesrat mit, ein Kontingent von 1000 Flüchtlingen aufzunehmen, was dann auch geschah.

