Ein Trio führt die Egger Hochwacht weiter
Zwei Tage ist es her, seit die Schlüssel übergeben wurden, jetzt wird in die Hände gespuckt. Von aussen wirkt die altehrwürdige Hochwacht zwar, als liege sie noch im Winterschlaf, im Lokal herrscht an diesem Morgen aber emsiges Treiben.
Materialien und Dokumente sind auf den Tischen ausgebreitet, Bier-, Wein- und Materiallieferanten geben sich die Klinke in die Hand. Dementsprechend sind der neue Geschäftsführer Michal Polak, Küchenchef Zaki Abdullah und der Chef de Service Ricardo Bernardino gefordert.
Die drei sind quasi als Schicksalsgemeinschaft zusammengekommen, um den Betrieb auf der Hochwacht weiterzuführen und die daran hängenden 15 Arbeitsplätze zu retten. Nach einer einmonatigen Pause werden sie das Traditionslokal am 1. Februar wieder öffnen.
Die Initiative des Küchenchefs
Dass es praktisch nahtlos weitergeht, ist nicht selbstverständlich. Nachdem der langjährige Wirt Fredi Jost seinen Pachtvertrag nach 22 Jahren per Ende 2021 gekündigt und der Kanton als Besitzer die Notwendigkeit einer umfassenden Sanierung der 115-jährigen Liegenschaft erkannt hatte, war die unmittelbare Zukunft in der Schwebe gelegen.
Auf der Hochwacht endet eine Epoche
17.09.2021

Egger Restaurant schliesst Ende Jahr
Seit gut zwei Jahrzehnten führen der Wirt Fredi Jost und sein Geschäftsführer René Heiz das Resta Beitrag in Merkliste speichern Es war der Küchenchef Abdullah, der schliesslich die Idee äusserte, weiterzumachen. 20 Jahre lang hatte er für Fredi Jost gearbeitet, zehn Jahre lang sogar selbst im Gebäude gewohnt.
Er erinnert sich: «Eine sofortige Sanierung war für den Kanton kein Thema. Also fragte ich im Sommer nach, ob es möglich wäre, das Restaurant weiterzuführen. Es hat ja niemand etwas davon, wenn es leer steht.»
Geschäftsführer aus Egg
Da ihm der Kanton positive Signale aussandte, begann er sich um eine Lösung zu bemühen. Ein Mitarbeiter in der Küche stellte den Kontakt zu Michal Polak her.
Der in Egg wohnhafte Immobilienbewirtschafter kennt die Hochwacht als regelmässiger Gast, ausserdem hatte er in den 2000er-Jahren in verschiedensten Funktionen in den Betrieben des Zürcher Kult-Wirts Toni Navarro gearbeitet.
Gemeinsam konnten die beiden danach Ricardo Bernardino, der bis 2015 in der Hochwacht als Chef de Service gewirkt und anschliessend ein Restaurant in Portugal übernommen hatte, für ihr Vorhaben begeistern. Der vormalige Pächter Jost griff dem Trio unter die Arme.
Vertrag als Weihnachtsgeschenk
«Lange hörten wir nichts, dann, kurz vor Weihnachten, ging es aber plötzlich schnell», erzählt Polak. Zaki Abdullah, der von der Hochwacht als «Heimat» spricht, strahlt übers ganze Gesicht: «Der Vertrag, den wir am 22. Dezember erhielten, war mein Weihnachtsgeschenk.»
Die Mühen, die danach kamen, nahm das Trio gerne auf sich. Innert weniger Tage mussten die Geschäftspartner Polak und Abdulla eine GmbH gründen, alle Partner und Lieferanten informieren und die Übergabe organisieren.
Die Erleichterung war freilich auch bei den Mitarbeitern gross. Der Grossteil von ihnen ist bereits lange dabei und unterdessen in einem Alter, in dem es schwierig wird, auf dem Markt Fuss zu fassen. «Diese Leute gehören zur Hochwacht», sagt Abdullah. «Sie machen sie aus.»
Grosses Umbauprojekt
Beim Kanton zeigt man sich mit der Lösung ebenfalls zufrieden. Thomas Maag, Mediensprecher der kantonalen Baudirketion spricht von einer «Zwischennutzung, die für beide Seiten Sinn macht».
Man könne nun in Ruhe die Zukunft des Ausflugsrestaurants planen und gleichzeitig den Erholungssuchenden auf dem Pfannenstiel weiterhin etwas bieten.
«Es bedarf einer Gesamtinstandsetzung, während der das Lokal geschlossen werden muss.»
Baudirektion-Sprecher Thomas Maag
Der Fahrplan sehe vor, dass man bis im Sommer 2022 ein Gastronomiekonzept erstellen lässt, das die Basis für einen Umbau bilden wird, der «frühestens in zwei Jahren» beginnen soll. Klar sei auch, dass es sich hierbei um ein grösseres Projekt handelt.
«Eine einfache Sanierung reicht nicht», sagt Maag. «Es bedarf einer Gesamtinstandsetzung, während der das Lokal geschlossen werden muss.»
Alter Pächter als Götti
So weit möchte das neue Führungstrio nicht in die Zukunft blicken. Michal Polak sagt: «Unser Vertrag ist nicht befristet, deshalb planen wir nicht mit einer bestimmten Zeitdauer.»
Selbstverständlich, so der Geschäftsführer weiter, würde man gerne dereinst auch in der neuen Hochwacht weitermachen. Doch vorderhand gehe es um die Gegenwart.
Was also wird die Kunden nun erwarten? «Alles wird gleich bleiben», betont Polak, «die gleichen Leute, der gleiche Service, die gleiche Küche.» Man wolle strikt am Erfolgsrezept des Vorgängers festhalten.
Küchenchef Abdullah nickt. «Ich habe in der Küche jahrelang mit Fredi Jost gearbeitet, habe das Kochen von ihm gelernt.» Sowieso werde Jost als «Götti» weiterhin behilflich sein.
Auf eine grosse Eröffnungsparty am 1. Februar werden die drei übrigens verzichten. «Schon in der Vergangenheit war die Hochwacht im Januar jeweils geschlossen», sagt Zaki Abdullah und schmunzelt. «Nun öffnet dasselbe Team dasselbe Restaurant wieder und der Betrieb geht ganz normal weiter. Es ist also gar nichts Spezielles passiert.»