«Hier findet heute keine Orgie statt», sagt János Stefan Buchwardt, der hinter einem Notenständer steht und lacht. Im «Grünen Salon» stimmen zwanzig Gäste in sein Lachen ein, die Stimmung ist locker, das erste Eis gebrochen. Denn nicht wenigen der Anwesenden war beim Betreten der «Alten Kanzlei», einer Altbauwohnung an der Bahnhofstrasse in Wald, ihr leichtes Unbehagen anzumerken.
Ihr Grund dafür? Der Titel der Veranstaltung: «Pimmel an der Wand» – Erotische und pornografische Literatur, gelesen von Buchwardt mit Gesang von Gabriella Azoulay. Und der Name scheint auch gleich Programm.
Standvolles Gemächt im Mittelpunkt
Nachdem Buchwardt im mit Teppich ausgelegten Treppenhaus an diesem Samstag die Gäste empfangen und ihr Covid-Zertifikat gescannt hat, steht man im Eingangsbereich einer wunderschönen Altbauwohnung eines 1903 erbauten Hauses.
Sofort bleibt der durch die Wohnung schweifende, musternde Blick an einem Tisch hängen, auf dem die Gläser für den darauffolgenden Apéro auf ihren Einsatz warten. Es ist der riesige, schwarze Penis, von einer goldenen Schleife umringt, der einem ins Gesicht springt.

